Bewertung: 9

Review: #3.17 Unbefleckte Empfängnis

Foto: Matt Czuchry, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Matt Czuchry, Good Wife
© Paramount Pictures

Umso länger ich darüber nachdenke, umso deutlicher wird, wie toll ich diese Episode #3.17 Long Way Home fand. Und das, obwohl gerade die Fälle rund um den zynisch-zwielichtigen Colin Sweeny sich ja immer auf einem ganz schmalen Grad bewegen und doch in der Gefahr schweben, ins Cartoonhafte abzurutschen. Schließlich erwarten wir ja mittlerweile von Sweeny, dass er mehrer Überraschungen auf Lager hat und es alles nie so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. So stellt sich auch dieses Mal das ganze Gezeter rund um die Klage auf sexuelle Belästigung als großangelegter, von langer Hand geplanter Betrug heraus, der Sweeney die Rückkehr an die Spitze seines Unternehmens sichern soll, heraus. Aber dank der offenkundigen Spielfreude von Dylan Baker, den genialen Reaktionen unserer Anwälte bei Lockhart/Gardner und auch einiger genialer Exkurse in die Abgründe der Justiz, wurde ich wieder einmal bestens unterhalten. Dass dieser Fall uns eine Wiedersehen mit Morena Baccarin beschert, welches einem das Warten bis September und der 2. Staffel von "Homeland" verkürzt, ist dann noch die Kirsche auf der Sahne.

Kommen wir aber noch einmal kurz zu den angesprochenen Exkursen in die Tiefen der Justiz, denn die beiden Dialoge rund um die Feinheiten, was man als Anwalt darf und was nicht, wie man im Interesse des Klienten handelt wenn man weiß, dass dieser lügt und wie man diese Fallstricke auslotet und manövriert waren absolute Highlights. Schon allein dafür hat sich Wills zumindest inoffizielle Anwesenheit in der Kanzlei gelohnt und darüber hinaus freue ich mich auch darüber, dass man offensichtlich Edward Herrman weiterhin immer mal wieder in die Serie integriert. Auch Caitlin hat sich bei dieser Gelegenheit wieder einmal von ihrer fähigen Seite gezeigt. Zudem kulminiert deren Handlungsstrang, welchen ich ja bereits in meinen letzten beiden Reviews lobend hervorgehoben habe, in äußerst zufriedenstellender Art und Weise. Ich kann mich zwar wenig mit Caitlins Entscheidung, aufgrund ihrer Schwangerschaft (und der damit einhergehenden Hochzeit) den Beruf an den Nagel zu hängen identifizieren, aber darum geht es ja auch gar nicht. Alles rund um Caitlin funktioniert wunderbar als Parallele auf Alicias Leben, sowohl zu einer Zeit als diese vor einer ähnlichen Entscheidung stand, aber auch für heute, in der Alicia mit den Folgen und Auswirkungen all ihrer Lebensentscheidungen konfrontiert ist und darüber reflektiert. Ich bin beeindruckt, wie man Caitlin doch meist nur durch Alicias Augen gesehen hat, deshalb eine ähnlichen Paranoia in Bezug auf deren Absichten ausbildete, um dann hier festzustellen, dass diese nicht zutreffen. Und mit all ihren Wesenszügen, spiegelt Caitlin Alicias Charakter und nun ist sich Alicia dessen auch bewusst. Das schöne und komplexe daran ist nun aber, dass man dennoch nicht wissen kann, ob Caitlin nun die richtige Entscheidung getroffen hat oder nicht. Alicia hat nicht das Recht, sie dafür aus ihrem Blickwinkel heraus zu verurteilen, aber nichts garantiert der jungen Frau, dass ihr es in der Ehe nicht irgendwann genauso ergehen wird wie Alicia in ihrer. Und dass sie dann vor einem Leben steht, welches sich so gut wie gar nicht um sie selbst dreht. Gleichzeitig bleibt für uns die Frage, ob die ebenso wie Caitlin über die Maßen talentierte Alicia jemals wieder einen Fuß in ein Gerichtsgebäude gesetzt hätte, wäre Peter nicht über seine Skandale gestolpert. Das Leben ist wirklich ein kompliziertes Gebilde und ich liebe es, dass "Good Wife" sich dessen absolut bewusst ist.

Auch die zweite Hintergrundhandlung bewegt sich in ähnlich komplexen Gefilden, denn Peters Verhalten in Sachen Affären im Büro legt den eben oft unentdeckten und subtilen Rassismus des Alltags offen. Man kann hier natürlich argumentieren, ob es sich dabei wirklich um Rassismus handelt, wenn sich Peter dessen absolut nicht bewusst ist. Aber ich denke es ist eine Tatsache des Lebens, dass Menschen in Machtpositionen unbewusst ihresgleichen bevorzugen. Das heißt sie benachteiligen andere nicht mit Absicht, fühlen sich aber in der Anwesenheit und mit den Entscheidungen Gleichgesinnter wesentlich wohler. Genial dabei ist hier, dass man keine weithergeholten Beispiele auf den Tisch zaubern muss, denn wir alle waren Zeugen der Benachteilungen von Wendy Scott-Carr, Dana Lodge und Matan Brody. Und wir haben es bis dato vielleicht noch nicht so offen gesehen, aber als Geneva Pine Cary darauf stößt, kommt es uns dann doch auch verdächtig vor. Cary fungiert dabei für mich wieder einmal zum heimlichen Helden des Geschehens. Er benötigt vielleicht den Augenöffner von Seiten Genevas, aber er ist doch in der Lage diese falschen Verhaltensstrukturen zu erkennen und sie als falsch einzustufen. Cary legt dabei wieder einmal ein Verhalten an den Tag, was ich wirklich einfach nur als vorbildhaft einstufen kann, ohne dass er dabei wie ein unrealer Charakter wirkt. Er ist einfach nur ein Mensch mit hoher Moral, der selbst aber nicht perfekt ist. Aber er ist bereit und in der Lage, eigene Fehler zu erkennen und diese wieder gut zu machen. Die wirklich herausragende Leistung dabei ist für mich aber, dass Cary in letzter Zeit fast schon wie ein Heiliger wirkt, dennoch aber keinerlei Faszination eingebüßt hat.

Am Ende sehen wir Alicia, wie sie mit den Geistern der Vergangenheit ringt und sich ihr altes Haus, in dem sie mit Peter die Jahre ihrer Ehe verbrachte und die Kinder großzog, mit dem Gedanken dieses wieder zu kaufen, besichtigt. Dabei wird sie von den Erinnerungen an diese Zeit übermannt, den guten und den schlechten und was ihr davon geblieben ist. Ich bin gespannt, in welche Richtung sich Alicia nun entwickeln wird. Entscheidet sie sich dafür, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und sich einem weiteren Neuanfang zu stellen, oder arrangiert sie sich mit den Aspekten ihrer Vergangenheit, die ja unweigerlich zu ihrer Geschichte gehören und ihren jetzigen Charakter prägen. Beide Varianten haben hohes Potential und ich habe zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Vorstellung, welche ich bevorzugen würde. Lassen wir uns also überraschen.

Cindy Scholz - myFanbase

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