Bewertung: 7

Review: #3.16 Die Brücke

Foto: Chris Noth & Alan Cumming, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Chris Noth & Alan Cumming, Good Wife
© Paramount Pictures

Weiter geht es bei "Good Wife" mit den Übergangsfolgen, die die verschiedenen Spielfiguren für die Finalstrecke der Staffel in Position bringen. Nach Wills Suspendierung muss nun, zumindest vorübergehend, das Machtvakuum in der Kanzlei gefüllt werden und die potentiellen Anwärter verstricken sich in einen machohaften Schlagabtausch. Gleichzeitig kann wohl Caitlin am meisten von den frei gewordenen Kapazitäten profitieren und dabei ist noch völlig offen, ob wir sie als verdienten aufsteigenden Stern betrachten sollen, oder ob sie doch einige Intrigen in der Hinterhand hält.

Ich neige ja eher dazu, Caitlin als talentierte junge Frau zu sehen, die sich die ihr bietenden Gelegenheiten zu nutzen weiß, aber dies eben mit eigenem Können erreicht. Andererseits ist die ganze Inszenierung von Alicias Reaktion auf Caitlins Beförderung doch sehr bedrohlich und auch der kurze Moment am Anfang der Episode, in der David Lee seine Nichte auf ihn einbeschwört, soll nicht vergessen werden. Ich hoffe aber doch darauf, dass man den cleveren Weg wählen wird und Caitlin nicht einfach zu einer Rivalin für Alicia macht, denn eigentlich haben die beiden Frauen einiges gemeinsam und könnten sehr voneinander profitieren. Und vor Caitlins Beförderung hat Alcia dies ja selbst durchaus auch so gesehen, schließlich hat sie richtig erkannt, dass Caitlin genau die richtige wäre um die beim aktuellen Richter in hoher Gunst stehende Nancy Crozier sozusagen mit den eigenen Mitteln zu schlagen. Das führte zu herrlichen Momenten der Genervtheit bei Crozier und für einen ordentlichen Augenroller der Protagonisten bei "Good Wife" bin ich ja immer zu begeistern. Warten wir also vorerst einmal ab, wohin man mit diesem In-Position-Bringen von Caitlin in Zukunft abzielt. Bis dato bleibe ich beeindruckt von der gelungenen Charakterisierung dieser Nebenfigur, die langsam und gekonnt zu einem vollwertigen Mitglied des Ensembles aufgebaut wurde. Und wenn man hier so Diane mit all den Möchtegernpartnern ringen sieht, dann wünscht man sich eigentlich nur dass die wenigen Frauen in wichtigen Positionen der Kanzlei lieber miteinander als gegeneinander gegen die drohende Machoherrschaft arbeiten. Hoffen wir also, dass auch Alicia das erkennt und wer sagt, dass Caitlin im Zweifelsfall mehr zu ihrem Onkel als zu ihrer Mentorin halten wird?

Überhaupt ist es schon ein wenig lächerlich, was die Armada aus David Lee, Julius Cain und Eli Gold nun in der Kanzlei abzieht, findet ihr nicht? Das nicht alle still auf Wills Rückkehr warten werden war klar, und dass Dianes Position so ganz allein zunächst geschwächt ist, ist auch nur natürlich, aber dennoch wurden all die Showdowns vor ihren Bürofenstern zum Ende der Folge hin doch etwas übertrieben. Positiv hingegen war in dieser Folge, dass wir endlich mal wieder etwas von Peters und Elis politischen Ambitionen gesehen haben. Ich hatte mich ja in letzter Zeit immer mal wieder beschwert, dass Eli dringend eine Aufgabe braucht und die Tatsache, wie gut er hier wieder einmal als Peters Kampagnenmanager aufgetreten ist, verdeutlicht dies nur noch einmal. Natürlich steht diese Kampagne noch in weiter Ferne und ich denke auch, dass man inhaltlich nicht einfach einen weiteren Wahlkampf wie bereits in der zweiten Staffel einbauen will. Dennoch zeigt es uns so wieder einmal Eli in seinem Element, wie wir ihn schätzen und lieben. Auch das Peter präsentierte Dilemma, dass sich später sogar auf Cary ausweitet, ist interessant und facettenreich, auch wenn die Details der Sache doch leider nicht ganz durchdacht sind. Warum einer von Peters einflussreichen Freunden gerade als Untergebener in der Staatsanwaltschaft arbeiten will, wo er doch in einem Job in der freien Wirtschaft mit Sicherheit mehr Geld machen würde, ist nicht wirklich logisch. Aber die Konsequenzen auf Peters Amtsführung und eben auch auf Carys Job sind so interessant, dass ich darüber hinwegsehen kann.

Ein weiterer Aspekt dieser Episode war Wills neue Freiheit, die hier nur durch die Anwesenheit seiner zwei besitzergreifenden Schwestern gestört wird. Den tieferen Einblick in sein Privatleben weiß ich durchaus zu schätzen und die beiden Ladys sind auch, wie nicht anders zu erwarten, gut besetzt, aber das ganze Szenario war dann doch für meine Begriffe zu klischeehaft, wie sie da ihren Bruder unbedingt verkuppeln wollten und diesen dabei nicht einmal zu Wort kommen ließen. Einzig interessanter Aspekt dabei war, dass sie Kalinda an Alicias Position in Wills Leben setzen, was durchaus ein nachvollziehbarer Gedanke ist. Ich ertappe mich dabei ja sogar, dass ich mir in einem reinen Vakuum die beiden doch sehr, sehr gut zusammen vorstellen könnte, aber in Anbetracht der Beziehung beider zu Alicia wäre dies eine Katastrophe. Und natürlich ist es so, als reine Freundschaft zwischen Will und Kalinda doch auch viel angenehmer und eben auch unkomplizierter.

Der titelgebende Fall der Woche ist in diesem Text bis dato noch gar nicht zur Sprache gekommen, obwohl ich diesen durchaus sehr gelungen fand. Die Botschaft, die dabei transportiert wurde, dass die einzelnen Gründe für einen Selbstmord nicht so einfach festzumachen sind und Schuldzuweisungen also wenig Sinn machen, wurde gut transportiert und hat dem Ganzen einen schönen roten Faden gegeben. Wieder einmal bezieht sich "Good Wife" dabei auf eine reale Vorlage, den Dokumentarfilm "The Bridge" aus dem Jahre 2006, der sich mit zahlreichen Selbstmorden auf der Golden Gate Bridge in San Francisco beschäftigt. Und in gewohnter Manier schlägt sich die Erzählweise nicht auf eine der beiden Seiten, so wie wir es mittlerweile von der Serie erwarten. Da gibt es also wenig auszusetzen und wieder einmal bietet der Fall somit einen gelungenen Rahmen für die fortlaufenden Handlungsstränge.

Cindy Scholz - myFanbase

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