Bewertung: 2

Review: #1.20 Scheinprozess

Foto: Josh Charles, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Josh Charles, Good Wife
© Paramount Pictures

#1.20 Der Scheinprozess geht genau dort weiter, wo die vorherige Episode aufgehört. Sie spult sogar noch mal ein paar Minuten zurück und zeigt die Ereignisse aus der Perspektive von Zach und Grace. So erleben wir als Zuschauer diesen spannenden Cliffhanger also noch einmal, nur diesmal müssen wir mit ansehen, wie Zach und Grace darauf reagieren.

Die beiden machen sich selbstverständlich große Sorgen, dass ihr Vater nun wieder ins Gefängnis kommt, weil er gegen die Bewährungsauflagen verstoßen hat. Und deshalb finde ich es auch nachvollziehbar, dass sie sich eine Ausrede einfallen lassen, weshalb er nicht ans Telefon kommen kann. Allerdings fand ich die Umsetzung dann insgesamt ziemlich unglaubwürdig: Der Alarm tönt so laut, dass sich die Nachbarn beschweren, aber Peter kommt nicht aus der Dusche, um nachzusehen, was los ist? Dass der Alarm tönt, wird der Kontrollanrufer ebenfalls nicht überhört haben, also hätte er noch eine akustische Bestätigung des Signals, das bei ihm den Alarm ausgelöst hat. Zachs Idee einen Skateboardunfall zu fingieren war sicherlich sehr klug, zumal es später Elsbeth Tascioni dabei hilft, die Polizei loszuwerden, aber dennoch passt für mich halt alles nicht ganz zusammen. Dass die Polizei nach der Aufnahme einiger Zeugenaussagen nicht weiter darauf eingeht, halte ich für nicht nachvollziehbar. Abseits von den Konsequenzen, die die Polizei hätte ziehen sollen, fehlten mir auch welche innerhalb der Familie. Alicia sagt Zach also, dass das nicht in Ordnung war und damit ist die Sache aus der Welt? Wo ist überhaupt Peter in dem ganzen Durcheinander? Mir fehlte hier eine Aussprache und die Klarstellung, was eigentlich passiert ist. Zwar gibt es später noch mal eine Szene, in der Alicia mit den Kindern spricht, aber auch hier fehlt mir die Präsenz von Peter. Wenn es schon ein Familiengespräch ist, sollte er doch dabei sein, oder nicht? Immerhin hat er Hausarrest und wird wohl kaum woanders sein. Das ist für mich alles unlogisch. Wenn man die Kinder davon überzeugen will, dass man es mit der Beziehung noch mal versucht, dann doch bitte mit beiden Elternteilen... Nach so einem Cliffhanger in der vorherigen Episode, wird mir hier alles viel zu oberflächlich abgehandelt. Es fehlt auch die klare Aussprache zwischen Peter und Alicia in Bezug auf die Situation an diesem Abend. Zwar gibt es ein Gespräch zwischen beiden, aber es bezieht sich lediglich auf Peters Verhalten bezüglich Gerald Kozko und seine Unwahrheiten in beruflicher Hinsicht. Wo blieb da die emotionale Ebene? Wird Peter Alicia jetzt jedes Mal mit einem Fehlverhalten, das Auswirkungen auf die ganze Familie hat, unter Druck setzen, wenn ihm etwas an ihrem Verhalten nicht passt? Und wieso bleibt Alicia deshalb so ruhig und gibt ihm noch mal eine Chance, nachdem er in der vorherigen Episode doch aus ihrer Sicht eindeutig in alte Verhaltensmuster zurückgefallen ist. Argh, dass das alles tot geschwiegen wurde, hat mich so geärgert, dass ich von dieser Episode richtig enttäuscht war.

Interessant an dieser Episode war, dass sich der Fall Amal aus dem Florrick-Problem herausgesponnen hat. Normalerweise werden Alicias Fälle ja im Rahmen der Kanzlei präsentiert, aber diesmal war quasi das Fehlverhalten ihrer Familie dafür verantwortlich, dass Amal unter Druck gesetzt wurde. Dass sich hieraus ein Immigrationsfall ableitet, war irgendwie abzusehen, aber die Rahmenhandlung drum herum mit dem Identitätsdiebstahl und der Verwicklung von Amals Schwester waren dennoch ganz interessant. Insgesamt blieb es aber auch recht oberflächlich, da in dieser Episode einfach zu viel parallel lief. Ich frag mich zum Beispiel ob Amals Mutter wirklich wollte, dass ihre Tochter ins Gefängnis geht, damit sie auf jeden Fall in den USA bleiben kann. Da beide Fehler gemacht haben, stellt sich nun die Frage, welcher Fehler größer war und deshalb bestraft gehörte.

Eine andere Nebenhandlung, die in dieser Episode viel zu kurz kam, ist das Verhältnis zwischen Will und Alicia. Indem Will mit dem Scheinprozess beschäftigt war, konnte sie ihm die Situation nicht erklären, aber es fing schon vorher an nicht nachvollziehbar zu werden. Alicia und Will sind fest verabredet und er weiß, dass sie auf dem Weg zu ihm ist. Glaubt er wirklich, dass sie kalte Füße bekommen hat und deshalb nicht aufgetaucht ist? Können die beiden da nicht normal drüber sprechen, sondern muss er dann gleich einen Plan B anrufen? Ist dieser Mann wirklich so oberflächlich oder leicht in seinem Stolz verletzen, dass er sich direkt sein zweites Date sichern muss? Daraus entwickelt sich dann dieser Scheinprozess-Fall, der zwar durchaus interessant war, diese Episode hier aber leider überladen hat. Und weil er auch dort am Ende nicht richtig kommunizieren kann, was in ihm vorgeht, enttäuscht er die nächste Frau, die denkt, dass er etwas mit der Studentin hatte. Damit es dann noch unglaubwürdiger wird, geht er auch noch auf die Avancen der Studentin ein, als diese plötzlich in seinem Büro auftaucht. Hier wollte man viel zu offensichtlich wieder einen Keil in die mögliche aufkeimende Beziehung zwischen Will und Alicia treiben. Hätte es nicht gereicht, dass da verletzte Gefühle im Spiel sind, aber muss man da wirklich gleich mehrere Ersatzfrauen für Alicia einführen? Das kam mir dann doch alles zu sehr aufgesetzt vor.

Was in der Masse von Handlungssträngen irgendwie völlig unterging war Kozkos Selbstmord beziehungsweise Verschwinden. Alicia hat die Nachrichten dazu seltsam ruhig aufgenommen, dabei hatte sie ihn doch gerade erst kurz zuvor abgewiesen. Natürlich möchte sie diesen Teil ihres Lebens möglichst ausblenden, aber gerade da Kozko in dieser Episode bereits zwischen ihr und Peter zur Sprache kam, hätte ich mir hier irgendeine Form von Gespräch zu dieser Meldung von dessen Verschwinden gewünscht.

Ebenfalls zu kurz kam meiner Meinung nach Elsbeth Tascioni. Kaum tauchte sie auf und wechselte zwei Sätze mit dem Polizisten, war sie auch schon wieder weg. Sie verspricht ein spannender und vor allem sehr lustiger Charakter zu werden, aber ihr Auftauchen hier war von zu kurzer Dauer, als dass man sich wirklich ein Bild von ihr hätte machen können. Schade!

Fazit

Den Scheinprozess, nach dem diese Episode benannt ist, hätte ich gerne in einer anderen Episode gesehen. Hier wurden bereits so viele Handlungsstränge parallel zueinander verfolgt, dass er deplatziert wirkte. Ich hätte mir einfach viel mehr Zeit gewünscht, dass die Situation in der Familie Florrick aufgeklärt wird und mal ehrlich über alles gesprochen wird. Das wurde ansatzweise in dem Gespräch zwischen Alicia und ihren Kindern sowie Alicia und Peter gezeigt, aber mir fehlte da vor allem die emotionale Ebene in Bezug auf Ängste, Wut oder Enttäuschungen. Insgesamt haben wir hier wieder häppchenweise Informationen serviert bekommen, die wahrscheinlich in Bezug auf die finalen Episoden der Staffel noch benötigt werden. Leider führte das aber auch dazu, dass diese Episode in keiner Weise ein rundes Bild ablieferte.

Catherine Bühnsack - myFanbase

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