Bewertung: 8
David Lynch

Inland Empire

"INLAND EMPIRE" immer schön brav in Großbuchstaben schreiben, so wie David Lynch es will. Irgendwo auf der Welt gibt es noch einen anderen Film, den man auch immer Groß schreiben muss und eine plausible Erklärung dafür, doch die fällt uns leider nicht ein.

Macht euch auf einen dreistündigen Trip gefasst, der sämtliche Synapsen eures Hirns sprengt!

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Inhalt

MÜSSEN WIR DEN INHALT VON "INLAND EMPIRE" NUN AUCH IN GROßBUCHSTABEN WIEDERGEBEN? Nach "Inland Empire" ist man sehr verwirrt und macht sowieso nur noch, was man will. da gerät die groß- und kleinschreibung durcheinander und man möchte david lynch fragen, warum es kein "ß" im titel von inland empire gibt. ist ein "ß" nun immer groß oder klein geschrieben? das alles ist sehr verwirrend.

Der Inhalt eines David Lynch-Films lässt sich im Grunde recht schnell zusammen fassen. So auch "INLAND EMPIRE": Der angehende Regisseur Kingsley Stewart (Jeremy Irons) dreht ein Remake eines polnischen Liebesdramas. Die Remake-Info kommt nur zufällig ans Tageslicht. Der Originalfilm wurde nie fertig gestellt. Die Hauptdarsteller wurden ermordet. Und während das Remake friedlich auf Zelluloid gebannt wird, passieren wieder seltsame Dinge.

Im Grunde lässt sich der Inhalt noch kürzer zusammenfassen, nämlich so, wie auf dem Kinoplakat: EINE FRAU IN SCHWIERIGKEITEN. Besser kann man's im Grunde nicht mehr sagen.

Kritik

So, nun könnte man über David Lynch seitenlange Abhandlungen oder 'nen Doktor machen, machen wir aber nicht. Wir fassen uns einigermaßen kurz. David Lynch sagt nie etwas über die Geheimnisse in seinen Filmen, das muss und solle jeder für sich selber herausfinden. Journalisten lassen aber nie locker. Lynch wird das gehörig genervt haben, so sagte er zu seinem aktuellen Film, er kann selber nicht erklären, wovon der Film handelt. Gut gemacht, David. Schon nerven die Journalisten nicht mehr.

Wer Lynchs Filme kennt und mag und wer sich allgemein mit diesem Genre befasst, wird nach "INLAND EMPIRE" wissen, dass der Film viel zu "logisch" ist, als dass Lynch ihn nicht erklären könnte. Selbst wenn man Schwierigkeiten dabei hat, alles kann logisch zusammengefügt werden. David Lynch war schon immer Humorist. Nur in etwas düsteren Gewand und "INLAND EMPIRE" ist Lynchs positivster und humorvollster Film. Das fängt schon beim Inhalt an: ein Film wird nicht zu Ende gedreht, weil die Darsteller ermordet wurden. Da hat sich Lynch wohl an die alten Grusel-Schmonzetten aus seiner Jugend erinnert.

Um auf Laura Derns schauspielerische Leistung aufmerksam zu machen, setzte sich Lynch im November 2006 auf den Hollywood-Boulevard mit einer Kuh. Auf die Kuh malte er "For Your Consideration". Ein Kuh tauchte in einem früheren Werk von Lynch schon einmal auf, aber das ist egal, der Kerl ist einfach ein Clown. Im positiven Sinne.

In "INLAND EMPIRE" spielt auch die Musik eine sehr wichtige Rolle. Sie erzählt auf ihre Weise Teile der Puzzlestücke, die man zusammensetzen muss. War in Lynchs bisherigen Filmen die Musik furchterregend, gibt es bei "INLAND EMPIRE" sogar Musicalelemente. Dazu kommt eine Hasen-Sitcom. Sie wirkt beängstigend, weil lynchtypisch nur ein Satzdialog gesprochen wird und die Lacher ungewöhnlich platziert wurden. Aber am Ende ist es eine Sitcom vom Clown. Und es gibt ein Happy End im Film. Das darf man ruhig so verraten, weil es Wichtigeres gibt in Lynchs Filmen. Mehr zum Ende wird allerdings nicht verraten, aber es hinterlässt im Gesamtbild einfach eine positive Grundstimmung, schon alleine wegen der großen Selbstironie im Film.

Viele Mystery-Geschichten, wie Lynchs ältere Filme oder zum Beispiel "Stay", lassen sich durch Freuds Traumlogik erklären. Wir verarbeiten unser Alltagsgeschehen im Traum, wir finden heraus, was Realität ist und was sich im "Traum" verzerrt widerspiegelt. Bei "INLAND EMPIRE" kommt man damit auch sehr weit, aber auch nicht bis zum Ende. Hier kommt eine weitere Ebene hinzu, der Film im Film. Zu sehen, was nun Wirklichkeit ist und was nicht, fällt schwer - wir dürfen aber nicht vergessen: es ist nur eine Frau in Schwierigkeiten. Plausibel betrachtet, wenn man sich nicht von "Hokuspokus Verschwindibus" täuschen lässt, wird jeder die Schwierigkeiten der Frau verstehen.

Drei Stunden darf man dem Film folgen. Das ist in der Tat eine Mammutaufgabe! "INLAND EMPIRE" ist ein filmisches Experiment und auf Digital Video gedreht. Ein nicht wirklich fürs Kino geeignetes Format, denn die Auflösung ist für die große Leinwand zu gering. Lynch arbeitet sehr viel mit Unschärfen. Diese werden durchaus beim ein oder anderen Zuschauer Kopfschmerzen verursachen. Ungewollter Nebeneffekt, trotzdem kann man aus Digital Video noch mehr herausholen, als Lynch es getan hat, obwohl es Momente gibt, die man technisch nicht besser umsetzen kann. Wie zum Beispiel die Musicaleinlage zum Schluss. Die ist gigantisch und als Digital Video-Arbeit nicht mehr zu erkennen. Aber so ist das, wenn man mit einem neuen Medium werkelt und es ist ja auch ein "Experiment".

Fazit

Wer Lynch nicht mag, wer surreale Puzzles nicht mag, wer Experimentelles nicht mag, wer drei Stunden Film nicht mag, der geht nicht in diesen Film.
Wen die angesprochenen Punkte interessieren, für den ist der Film ein Must See! Und wer David Lynch noch gar nicht kennt und für den das hier interessant klingt, der sollte unbedingt in die nächste Videothek gehen und sich die Lynch-Collection anschauen.

René von Bork - myFanbase
25.04.2007

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