Bewertung: 5
Stephen Herek

Leben oder so ähnlich

Wenn du in einer Woche sterben würdest, was würdest du tun?

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Inhalt

Lanie Karrigan (Angelina Jolie) hat das perfekte Leben: sie ist schön, sie ist erfolgreich und sie ist mit einem der populärsten Baseballspieler der Profiliga verlobt, Cal Cooper (Christian Kane). Ihr Chef liebt sie, die Zuschauer verehren sie und in New York erwägt man schon, sie als Reporterin für die beliebteste Morgensendung Amerikas zu engagieren. Kurzum: Lanies Leben könnte nicht besser laufen.

Doch da trifft Lanie auf den "Prophet Jack" (Tony Shalhoub), einen leicht verrückten Obdachlosen, der von sich behauptet, er könne die Zukunft vorhersagen. Zusammen mit Kameramann Pete (Edward Burns) soll sie eine Reportage über Jack bringen, der nicht nur Aktienkurse, sondern auch den Ausgang von Baseballspielen vorherzusagen weiß. Für Lanie allerdings hat er eine ganz besondere Nachricht: sie wird in einer Woche sterben.

Anfangs tut Lanie Jacks Aussage als Quatsch ab, doch als sich dann andere Vorhersagen von ihm bewahrheiten, beginnt die Reporterin zu zweifeln, ob an den Worten des Propheten vielleicht nicht doch etwas dran ist. Wird ihr Leben wirklich in einer Woche zu Ende sein? Im Angesicht ihres möglicherweise bevorstehenden Todes beginnt Lanie, ihr oberflächliches Leben zu hinterfragen und sucht zunächst Hilfe bei Pete, den sie eigentlich gar nicht ausstehen kann. Dieser jedoch gibt ihr den entscheidenden Rat: ist an Jacks Aussage wirklich etwas dran, dann soll Lanie doch endlich mal versuchen, ihr Leben wahrhaft zu leben und ihre Fassade abzureißen.

Und so besinnt sich Lanie zurück auf ihr wahres Selbst, kümmert sich um ihre Familienangelegenheiten, stellt nicht ihre akribisch geplante Tagesordnung an erster Stelle, sondern macht das, wonach ihr ist – und kommt Pete dabei näher…

Kritik

Wenn du in einer Woche sterben würdest, was würdest du tun? Dir eine Flasche Bacardi aus dem Küchenschrank holen und leertrinken, zu "Satisfaction" von den Rolling Stones abrocken und mit jemandem was anfangen, den du eigentlich gar nicht leiden kannst? Nun – warum nicht? Lanie Karrigan dachte sich das wahrscheinlich auch und krempelt in "Leben oder so ähnlich" ihr Leben radikal um. Allerdings gerade so, dass man es ihr tatsächlich ein wenig abnimmt.

"Leben oder so ähnlich" ist Lanie Karrigans Geschichte und zwar eine Geschichte, die zeigen will, dass man das Leben lockerer nehmen und mehr Spontaneität wagen sollte. Eine Geschichte, nett verpackt als Komödie und mit einer tollen Angelina Jolie als ich-bezogenene, platinblonde Karrierefrau Lanie.

Es ist vor allem Jolie, die eigentlich viel aus der doch eher oberflächlich geraten Geschichte rausholt. Als topgestylte Zicke Lanie macht sie aus dem Charakter einerseits diese schrecklich materielle Reporterin, andererseits verleiht sie ihr auch eine gewisse Liebenswürdigkeit, weshalb man Lanie trotz allem mag und mit ihr im Laufe des Films immer mehr sympathisiert. Wenn Lanie sturzbetrunken "I can’t get no satisfaction" in die Kamera grölt und mit Schlabbershirt und zersausten Haaren herumspringt, ist das ausgesprochen amüsant. Zudem erfährt man während des Films immer mehr von den familiären Problemen, die Lanie tief in ihrem Inneren beschäftigen und eigentlich sogar der Grund dafür sind, wieso sie von einem einst unscheinbaren, unbeachteten Mauerblümchen zu der perfektionistischen Starreporterin wurde, die sie jetzt ist.

Während die Figur der Lanie überzeugend ist, hat die Story selbst jedoch viele Schwächen und Lücken: sie ist durch das Happy End schrecklich vorhersehbar und kitschig und schafft es außerdem nicht, jemals wirklichen Tiefgang zu bekommen. Zwar wird Lanies Vergangenheit immer wieder angeschnitten, doch das war’s dann auch schon. Schade – denn die Story um Lanie und ihre Familie hätte durchaus noch mehr Tiefgang verdient.

Recht glanzlos ist auch die Beziehung zwischen Lanie und Kameramann Pete, die sich zunächst auf den Tod nicht ausstehen können, letztlich aber doch – wer hätte es gedacht - zusammenkommen. Irgendwie fehlt dem Paar aber etwas die Glaubwürdigkeit, da Lanie, und mag sie sich noch so verändern, eigentlich nie auf einen Typ wie Pete stehen würde. Denn dafür wirkt Pete, auch wenn er Lanie durch seine Leichtigkeit und Unbeschwertheit anzieht, zu uninteressant, was vielleicht auch ein wenig an seinem Darsteller Edward Burns liegt.

Fazit

"Leben oder so ähnlich" ist eine durchschnittliche Komödie über das Leben einer Frau, die lernt, was es heißt, richtig zu leben. Zwar bietet die Story nicht viel Substanz, doch dank Angelina Jolie kann man sich den Film durchaus mal ansehen.

Maria Gruber - myFanbase
10.12.2006

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