Bewertung
Janeen Damian

Falling for Christmas

Foto: Lindsay Lohan & Chord Overstreet, Falling for Christmas - Copyright: 2021 Netflix, Inc.; Scott Everett White/Netflix
Lindsay Lohan & Chord Overstreet, Falling for Christmas
© 2021 Netflix, Inc.; Scott Everett White/Netflix

Inhalt

Mit dem herannahenden Weihnachtsfest ist Familie Belmont im Skiresort eingekehrt. Die reiche Erbin Sierra Belmont (Lindsay Lohan) bekommt von ihrem Freund Tad Fairchild (George Young) auf einem Berg einen Heiratsantrag, doch dann kommt es zu einem Unfall. Jake Russell (Chord Overstreet), der ein kleines Resort leitet, das Jahr für Jahr ums finanzielle Überleben kämpfen muss, findet Sierra, die mit ihrem Kopf gegen einen Baum geknallt ist. Neben einer Gehirnerschütterung leidet sie auch unter Amnesie, sodass sie sich nicht erinnern kann, wer sie ist. Da sie auch niemand zu vermissen scheint, kommt sie erstmal bei Jake und seiner Tochter Avy (Olivia Perez) unter und lernt dort ein ganz anderes Leben kennen.

Kritik

Mit "Falling for Christmas" leitet Streamingdienst Netflix die offizielle Saison der Weihnachtsfilme für 2022 ein und hat sich dafür doch einen dicken Fisch geangelt, denn Lindsay Lohan wagt ihr großes Comeback, nachdem sie nur noch wenig in Film und Fernsehen zu sehen gewesen ist. Nachdem nach zahlreichen Skandalen bekannt wurde, dass sich Lohan wieder auf dem Weg der Besserung befindet, kann ich gut verstehen, dass Netflix es als ideale Kooperation gesehen hat. Lohan hat für u. a. meine Generation nämlich durchaus Kultpotenzial. Ich bin praktisch mit ihr aufgewachsen und habe sie zunächst als Kinderdarstellerin im Film "Ein Zwilling kommt selten allein" bewundert, um sie dann später in Komödien wie "Freaky Friday" oder "Girls Club Vorsicht bissig!" zu feiern. Es stand nie außer Frage, dass sie schauspielerisch etwas drauf hat, weswegen es schon schade war, sie so lange in keiner Produktion gesehen zu haben. Dass sie nun ausgerechnet in einem Weihnachtfilm zurückkehrt, finde ich passend, denn da sie einen Produktionsdeal mit Netflix ausgehandelt hat, ist offensichtlich, dass sie Lust auf Projekte dieser Art hat und mit "Irish Wish" ist für das nächste Jahr schon gleich die nächste RomCom angekündigt und es ist ihr von Herzen zu gönnen, dass sie mit Spaß an die Arbeit zurückkehren darf.

Der Einstieg in "Falling for Christmas" war aber ehrlich gesagt etwas schwierig, denn dort präsentiert sich der Film auch am anstrengendsten und oberflächlichsten. Auch Sierra wird hier als typische, reiche Erbin eingeführt, die zwar immer wieder betont, dass sie keinesfalls verwöhnt sei, aber wenn man ihr Glamour-Team sieht und wie sie nahezu jeden Arbeitsschritt abgenommen bekommt, dann darf man das gerne mal in Frage stellen. Aber hier war die Oberflächlichkeit gar nicht so schlimm, denn schließlich wird schnell deutlich, dass hier etwas übertrieben wird, um am Ende den Kontrast deutlicher zu haben. Schlimm war dagegen aber wirklich Tad, wirklich, wirklich schlimm. Jedes Mal, wenn er auf dem Bildschirm zu sehen war, merkte ich ein gewisses Aggressionspotenzial in mir schlummern, weil seine ständige Selbstverliebtheit wirklich kaum zu ertragen war. Darum wohl auch Kompliment an Young, der diese Figur so abstoßend gezeichnet bekommen hat. Dennoch bleibt die Frage, warum es überhaupt eine Figur in diesem extremen Ausmaß geben konnte und warum man ihm gleich zu Beginn eine solche Präsenz eingeräumt hat, denn ich war anfangs wirklich sehr zurückhaltend, wie ich mich auf den Film einlassen konnte. Zwar war er später in Kombination mit seinem Retter Ralph (Sean Dillingham) besser zu ertragen, aber der Film war genau dann am besten, wenn Tad gar nicht zu sehen war und da gab es zum Glück in der Mitte des Films eine lange Sequenz.

Familie Russell steht für das komplette Gegenteil von Tad und deswegen sind sie auch mein Herzstück, weil sie genau das ausstrahlen, was ich in Weihnachtsfilmen am liebsten habe. Jake ist bemüht darum, für seine Tochter Avy nach dem Tod ihrer Mutter ein guter Vater zu sein, doch die Lodge ist auch ein eigenwilliges Kind und angesichts der großen Konkurrenz durch die Belmonts steht es schlecht um die Finanzen. So reibt er sich nicht nur im alltäglichen Chaos auf, um alles am Laufenden zu halten, sondern er versucht auch Beauregard Belmont (Jack Wagner) als Investor zu gewinnen, auch wenn ihm das eigentlich widersagt. In all dieser Aufregung kann sich Jake immer auf seine Schwiegermutter Alejandra (Alejandra Flores) verlassen und das war auch mit eine der schönsten Beziehungen des Films. Wie oft bekommt man die Schwiegermutter als Monster inszeniert, aber hier gibt es keinerlei Andeutungen in diese Richtung. Stattdessen merkt man, dass sie eher dankbar war, dass ihre geliebte Tochter einen so tollen Mann gefunden hat, der nun für ihre Enkeltochter ein toller Papa ist. Deswegen steht sie immer an Jakes Seite und ist schließlich auch für Sierra ein wichtiger Faktor. Bei dieser war schon vor dem Unfall angedeutet worden, dass sie den frühen Tod ihrer Mutter nicht verwunden hat und in einer Phase, wo sie nur in sich hineinhorchen konnte, aber keine klaren Antworten zu ihrer Identität bekam, hat sie in Alejandra eine wohltuende mütterliche Figur erlebt. Das ist schließlich auch die Ebene, die weit weg ist von der Oberflächlichkeit, für die Tad steht, und ich war doch erleichtert, dass dieser Film auf der Ebene so viel angeboten hat.

Auch wenn diese Amnesie recht vorhersehbar war und ein typisches Motiv ist, hat es hier gut in den Film gepasst. Sierra, die von Avy Sarah getauft wird (und damit ja gar nicht so weit daneben liegt), erwacht nicht plötzlich als neuer Mensch, sondern man merkt ihr an, dass sie ihren Alltag verinnerlicht hat. Doch sie kann diese Automatismen mit nichts in Verbindung bringen, so dass sie in der Lodge ganz langsam eine neue Aufgabe findet und das hat ihr sehr gut getan. Es gab doch auch einige herrliche lustige Szenen, wie sich Sierra an Haushalt und Kochen/Backen versucht (habe auch eine neue Möglichkeit gefunden, das Bett zu beziehen, haha), aber fast unmerklich geht ihr das alles in Fleisch und Blut über und die Lodge wächst ihr materiell aber auch wegen der Menschen ans Herz. Die Chemie zwischen Overstreet und Lohan hat dabei gut gepasst, auch weil es nicht sofort Liebe auf den ersten Blick war, so dass auch er über sie erstmal herzlich lachen konnte, um dann nach und nach einen neuen Menschen in ihr zu entdecken. Das ist gut herübergebracht worden, dass es wirklich eine Reise war und dass Jake schließlich auch Gefühle entwickelt hat, weil sich Sierra in die Lodge und seine Tochter verliebt hat.

Es war auch erleichternd, dass der Film später trotz der wieder zunehmenden Präsenz von Tad dennoch seinen bis dato erreichten inhaltlichen Kern beibehalten hat. Zwar ist es verständlich, dass Sierra mit der Erkenntnis, wer sie ist, nicht sofort weitermachen konnte auf der Lodge, sondern sich auf das besinnen musste, was sie zwischen Vergangenheit und Gegenwart abwägend für sich will. Tad hat dann auch so ein absurdes Ende bekommen, wie es zu ihm gepasst hat und das Happy End wiederum war bodenständig und hat die Anfangsstimmung endgültig vergessen lassen. Insgesamt ist es also eine überzeugende Rückkehr von Lohan, wenn vielleicht noch ein wenig die Handbremse drin war. Denn das Oberflächliche am Anfang ist natürlich ein Schutzschild zum Verstecken, das spätere Rohe bei den Gefühlen ist dagegen auf dem Silbertablett serviert. Aber insgesamt ist es schön, dass sie nun wieder da ist.

Fazit

"Falling for Christmas" hat einen wirklich holprigen Beginn und bietet mit Tad auch noch eine der nervigsten Figuren, die ich je in einem Weihnachtsfilm erlebt habe. Aber wenn man diese Anfangszeit durchsteht, dann kommt nachher genau diese Atmosphäre auf, die man für einen Weihnachtsfilm braucht. Mit Humor, Tiefgang und Freude am Inhalt bekommt man so gute Unterhaltung geboten, die Lohan für ihre Rückkehr auf die Leinwand wirklich gut steht.

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Lena Donth - myFanbase
15.11.2022

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