Bewertung: 6
Arie Posin

The In Between

Foto: Joey King & Kyle Allen, The In Between - Copyright: 2022 Netflix, Inc.
Joey King & Kyle Allen, The In Between
© 2022 Netflix, Inc.

Inhalt

Als Tessa (Joey King) mit ihrem Feund Skylar (Kyle Allen) in einen Unfall verwickelt wird, überlebt sie als Einzige, was ihr nach ihrer ohnehin schon schweren Kindheit den Boden unter den Füßen wegreißt. Die grüblerische Teenagerin fällt in ein Loch, bis sie den Eindruck gewinnt, dass Skylar noch da ist und als Geist Kontakt zu ihr aufnehmen will. Also setzt Tessa alles daran, mehr dazu herauszufinden, auch wenn sie damit einige vor den Kopf stößt und sich selbst in Gefahr bringt.

Kritik

Wenn man an Joey King denkt, dann muss man nur "The Act" sowie "The Kissing Booth" erwähnen, um die Bandbreite an schauspielerischem Vermögen aufzuzeigen, die die Schauspielerin bereits in jungen Jahren zeigen durfte. Sie kann Comedy und sie kann nervenzehrende Dramatik, was es überhaupt nicht einfach macht, King in eine Schublade zu stecken, was für sie natürlich ein Geschenk ist. Der Jugendfilm "The In Between" liegt daher passend auch genau in der Mitte. Zum Lachen gibt es nicht so viel und dennoch ist es natürlich deutlich leichtere Kost als die Hulu-Serie, für die King physisch und psychisch an ihre Grenzen gehen musste. Dennoch ist der Film mit Themen wie Tod und Trauerverarbeitung auch schwermütig, weswegen emotionales Schauspiel gefordert ist. Diese Aufgabe kann man King wohl blinden Auges übertragen, denn man kauft ihr einfach alles ab, was sie darstellt. Ihr zur Seite wurde Kyle Allen gestellt, der im Gegensatz zu ihr sicherlich deutlich unbekannter ist. Er hat zwar beispielsweise schon für "American Horror Story" vor der Kamera gestanden und war zuletzt in einer Nebenrolle in der Neuauflage von "West Side Story" zu sehen, aber der Durchbruch scheint jetzt erst zu kommen, zumal er als He-Man für "Masters oft the Universe" angekündigt worden ist. Dieses Gespann ist auf jeden Fall der größte Gewinn für diesen Film, weil es ihnen gelungen ist, eine ausgezeichnete Chemie auf die Bildschirme zu zaubern.

Der Erzählstil von "The In Between" sieht so aus, dass der Film regelmäßig zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin- und herspringt. Neben dem von Trauer durchzogenen Jetzt gibt es also immer wieder zum Stimmungsausgleich Rückblenden in die Kennenlerngeschichte von Tessa und Skylar. Diese ist zwar nicht von purem Glück, greller Verliebtheit etc. geprägt, denn man merkt stets, dass es beides tiefgründige Figuren sind, aber es ist dennoch einfach bezaubernd, weil zwischen Tessa und Skylar einfach etwas ist, was für ein 'mehr' bestimmt zu sein scheint. Es ist eine passende Ironie, weil die belesene Tessa am liebsten die Liebesgeschichten hat, die kein klassisches Happy End haben, aber für sie dennoch ein episches Ende darstellen, weil die Liebe so oder so siegt. Auch das unterstreicht wieder, wir haben es als Zuschauer*innen nicht mit zwei Jugendlichen zu tun, die ihrer sexuellen Anziehung füreinander nachgeben, sondern es geht um zwei alte Seelen, die sich lange gesucht und gefunden haben. Nach der ersten Begegnung der beiden im Kino verlieren sie sich zunächst aus den Augen, um sich dann zufällig an einem ungewöhnlichen Ort wiedertreffen. Diese Momente sind von typischer überschwänglicher Verliebtheit geprägt, was vor allem Allen als Skylar wunderbar dargestellt bekommt, denn er sagt, was er denkt, was ihn entwaffnend ehrlich macht, aber es ist ihm selbst unangenehm. Aber das kann man einfach nur süß finden.

Alleine aus den wenigen Sätzen dürfte schon herausklingen, dass mich die Liebesgeschichte der beiden in der Vergangenheit wirklich um den Finger gewickelt hat, weil zwischen den beiden eine Verbindung erschaffen wurde, bei denen man ihnen alles Glück der Welt wünschen würde. Wenn der Film dann zunehmend dem Unfall sich annähert, wird die Handlung schwerer und schwerer, denn Skylar hat familiäre Sorgen, da sich seine Eltern scheiden lassen wollen und das wirft er ihnen vor. Umgekehrt kennt Tessa ein reguläres Familienleben gar nicht. Ihren Vater gibt es nicht mehr, ihre Mutter war stets unzuverlässig, bis sie gänzlich verschwunden ist. Nach einer Rundreise durch das Pflegesystem hat sie Unterschlupf beim letzten Verlobten ihrer Mutter, Mel (John Ortiz), gefunden, der frisch mit Vickie (Kim Dickens) verheiratet ist. Auch wenn sie dort wirklich Unterstützung erhält, so fühlt sie sich doch fremd. So sehr Tessa und Skylar also füreinander da sind, so sehr haben sie in ihren Leben gewaltige Unterschiede, die zunehmend für Konflikte sorgen. Bis hin zu dem Punkt, wo sie ihm ihre Liebe nicht gestehen kann. Damit ist auch der Bogen zur Gegenwart geschlagen, denn die trauernde Tessa hadert vor allem mit sich, weil sie überzeugt ist, Skylar ist in der Überzeugung gestorben, von ihr nicht geliebt zu werden. Auch wenn also zunehmend die wenigen unbeschwerten Momente aus der Handlung gezogen wurde, das war ganz klar mein liebster Teil des Films, denn auch ohne tragisches Ende hätte ich dieser Liebesgeschichte ewig beiwohnen können.

Nun gibt es eben noch die Gegenwart, wo sich dann doch gewisse Probleme ergeben. Zum einen nimmt das Springen in die Vergangenheit viele Eindrücke vom rohen Trauerprozess weg, was ich etwas schade fand, weil eben die Liebesgeschichte wirklich so innig wirkte, dass es mir zu wenig erschien, als würde es dem Aufbau parallel nicht gerecht werden. Zudem haben wir eben die Thematik der Transzendenz. Das finde ich grundsätzlich durchaus spannend, aber dennoch ist es auch ein Thema, mit dem man konstant an gewissen Grenzen vorbeischrammt, so dass es ordentlicher Spagat sein kann, die richtigen Nuancen zu treffen. Gut gefallen hat mir z. B. die schwerkranke Doris (Donna Biscoe), die halb zwischen Leben und Tod eine natürliche Verbindung zu der sogenannten Zwischenwelt hat und sich daher mit dieser Thematik schon oft auseinandergesetzt hat. Ihre Überlegungen und Vorstellungen haben etwas, was man sich gut vorstellen kann, ohne gleich als verrückt abgestempelt zu werden. Sie bildet auch ein gutes Duo mit der liebevollen Krankenschwester Jasmine (April Parker-Jones), die alleine von Berufs wegen her eher eine Frau der Wissenschaft ist und dennoch Tessa einfühlsam den Weg leitet, damit sie zu ihren Bedingungen das findet, was sie braucht. Wenn dann aber Skylar tatsächlich als Geist loslegt, das hat für mich zum Grundton des Films überhaupt nicht gepasst. Szenen wie in der Dunkelkammer, wo Skylar aus den Schwarz-Weiß-Aufnahmen bunte Aufnahmen draus macht, das hat für mich als symbolische Aussage noch etwas Nachvollziehbares gehabt, aber wenn er regelrecht spukt, bei einer Klausur alle Handys klingeln lässt, das Steuer des Wagens übernimmt und halsbrecherisch über die Kreuzung fährt oder wenn er in dem ehemaligen Hotel fast schon terrorisiert, ich weiß nicht. Das kam mir im Verhältnis zum Rest des Films lächerlich vor und wäre auch keine Form von Zwischenwelt, die ich gerne erleben würde.

Dennoch hat der Film am Ende den Bogen doch recht gut bekommen. Die Auflösung, warum Skylar sich noch in der Zwischenwelt aufgehalten hat, ist überraschend, aber passt eben auch zu der Geschichte der beiden. Hier war dann auch endlich der Trauerprozess zu sehen, der dem Film im Vorhinein schon gut getan hätte. Richtig stark fand ich am Ende auch den Vortrag, den Tessa gehalten hat. Man hat richtig gemerkt, dass sie jetzt an ihrem Platz in der Welt angekommen ist und all das, was sie über die Geister in unserem Leben gesagt hat, das hat mich wirklich berührt. Zumal es eben nicht eine Darstellung von Geister als Spukwesen war, sondern weil es eher mahnende Erinnerungen an Vergangenes sind (damit Geister also auch nicht unbedingt menschlich sein müssen), die man zulassen und verarbeiten muss. Das hat dann wirklich gut zum Erzählton des restlichen Films gepasst.

Fazit

"The In Between" ist gerade in der Vergangenheit wirklich ein grandioser Liebesfilm, der von tiefgründigen Charakteren und einer tollen Chemie zwischen Joey King und Kyle Allen lebt. Doch es gibt eben den Gegenwarts-Teil, der diese Qualität nicht immer halten kann. Gerade die Darstellung der Zwischenwelt, was manches Mal eher 'gruselig' gestaltet wurde, hat mir wenig zugesagt, weswegen es eine Sehempfehlung mit gewissen Abstrichen gibt.

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Lena Donth - myFanbase
13.04.2022

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