Bewertung: 6
Rawson Marshall Thurber

Red Notice

Foto: Red Notice - Copyright: 2021 Netflix, Inc.
Red Notice
© 2021 Netflix, Inc.

Inhalt

Der FBI-Profiler John Hartley (Dwayne Johnson) ist auf Kunstdiebstähle spezialisiert und zögert nicht, zur Tat zu schreiten, als es die beiden meistgesuchten Kunstdiebe Nolan Booth (Ryan Reynolds) sowie 'Der Händler' (Gal Gadot) auf die drei Eier der Kleopatra abgesehen haben. Doch Hartley wird plötzlich angehängt, selbst ein Verbrecher zu sein. Um das Gegenteil zu beweisen, muss er sich mit Booth zusammenschließen. Während allerlei Abenteuer rund um die Welt anstehen, finden die beiden tatsächlich eine Ebene, die über eine Zweckgemeinschaft hinausgeht, doch mit dem Händler ist immer zu rechnen.

Kritik

Heist-Movies scheinen sich derzeit wieder großer Beliebtheit zu erfreuen. Ob da auch der weltweite Erfolg der spanischen Netflix-Serie "Haus des Geldes" einen entscheidenden Faktor spielt? Jedenfalls ist innerhalb von zwei Wochen nach "Army of Thieves" nun "Red Notice" mit den Hollywoodstars Johnson, Reynolds und Gadot veröffentlicht worden. Gewisse inhaltliche Parallelen sind auch nicht zu leugnen, wobei man wohl auch eingestehen muss, dass Heist-Movies nun ein eher strikteres Handlungsmuster aufweisen. Aber während es bei dem einen um drei Tresore ging, sind es hier drei goldene Eier. Bei beiden ist Interpol personifiziert durch eine Person, die die Jagd aufnimmt. Hier ist es Ritu Arya ("The Umbrella Academy"), die als Agentin Urvashi Das aber ein deutlich besseres Bild abgibt, weil sie nicht besessen, sondern gut in ihrem Job wirkt, doch leider das Pech hat, dass das Verbrechen ihr immer ein paar Schritte voraus ist. Zudem sind beide Filme von Gruppierungen geprägt, in denen die Zusammenarbeit eher aus einer Zweckgemeinschaft denn aus ehrlicher Sympathie füreinander heraus funktioniert. Lustigerweise ist mir erstmals auch aufgefallen, dass Matthias Schweighöfer ein wenig der deutsche Ryan Reynolds ist, denn beide werden häufig für ein ähnliches Rollenprofil besetzt und wenn es einem einmal auffällt, dann ist es auch kaum noch zu ignorieren.

Aber Schluss mit den Vergleichen, wie schlägt sich nun "Red Notice" in der alleinigen Betrachtung? Es ist auffällig, dass der Cast wirklich enorm klein gehalten ist. Es gibt natürlich zahlreiche Gastrollen, die aber wirklich nur unter ferner liefen zu nennen sind. Neben der bereits angesprochenen Agentin Das haben wir noch den Bösewicht Sotto Voce (Chris Diamantopoulos), der eine größere Rolle einnimmt, ansonsten wird das Geschehen rein von Johnson, Reynolds und Gadot bestimmt und das ist auch völlig in Ordnung so, denn gerade die letzten beiden genannten sind wirklich sehr erfahren in ihrem Job und strahlen sogar noch mehr, je mehr Verantwortung sie auf ihren Schultern tragen. Bei Reynolds habe ich bereits im Vergleich mit Schweighöfer angedeutet, dass auch nur so ein Kaliber wie er diese Rolle von Meisterdieb Booth spielen kann. Auf der einen Seite hat er hier die Lässigkeit und die Fähigkeiten eines Deadpool, zum anderen hat er hier den Charme, den Witz und das Selbstbewusstsein, was sonst all seine Rollen entscheidend prägt. Bei Gadot gilt ganz Ähnliches, weil sie eine extrem sympathische Ausstrahlung hat, die selbst in der Darstellung einer eher 'böseren' Rolle es schafft, dass man gleich auf ihrer Seite ist, weil sie mit ihrer Intelligenz einfach alles überstrahlt. Aber man muss ohnehin sagen, dass für einen Heist-Movie auch typisch die Einteilung nach 'gut' und 'böse' sich schnell erledigt. Man ist unweigerlich auf der Seite der Diebe, wobei es hier natürlich interessant ist, dass sich immer mindestens zwei Lager bilden und man sich so doch entscheiden muss, für wen man nun ist. Aber es sind auch keine Verbrecher, die einem des Nachts Alpträume bereiten. Hier ist vielmehr faszinierender, sich darauf einzulassen, wie sie ihre Pläne entwickeln und aus jeder Notlage heraus noch eine Lösung finden. Nun will ich aber auch Johnson alias The Rock nicht unerwähnt lassen, von dem ich eigentlich kein großer Fan bin, auch wenn ihm inzwischen eine enorme Erfahrung auch nicht mehr abzusprechen ist. Und tatsächlich fand ich ihn in "Red Notice" auch gut besetzt, weil ich seine Chemie mit Reynolds echt gut fand. Ihre gemeinsamen Szenen haben die Highlights des Films ausgemacht.

Die Handlung von "Red Notice" ist nun nicht besonders raffiniert erzählt, weil sich die Geschichte recht simpel gestaltet. Aber gleich zu Anfang merkt man eine Bemühung, mit gewissen Konventionen zu brechen. Schon der Moment, wo Hartley in den Sportwagen steigt und Booth bereits mit dem Moped entflohen ist, vermutet man, dass nun eine wilde Verfolgungsjagd beginnt, um den Sportwagen auch möglichst lange werbeträchtig im Bild zu haben. Aber Pustekuchen: er kommt kaum ein paar Meter weit, als die wilde Fahrt auch schon wieder beendet ist. Das war für mich das erste Ausrufezeichen, wo mir eigentlich klar wurde, Vorsicht, der Film hat kein Interesse daran, Schema F zu bedienen. Das ist aber natürlich eine ganz schöne Herausforderung, wenn eben die Handlung an sich nicht das Rad der Zeit neu erfindet. Deswegen klappt das Brechen mit Mustern auch nicht immer. Gewisse vermeintliche Wendungen, die oft mit dem Auftauchen von Gadots Kunstdiebin zu tun haben, die sind vorab schon zu durchschauen, weil sie eher die Figur im Hintergrund ist, die doch über allem schwebt und da ist dann auch klar, dass sie genau dann immer auftaucht, wenn Booth und Hartley sie eigentlich nicht gebrauchen können. Solche Momente haben mich zwischendurch etwas ernüchtert, weil es dadurch doch etwas langweilig wurde. Aber zum Schluss hin packt "Red Notice" dann doch wieder einen großen Moment aus, den ich so nicht habe kommen sehen. Das ist dann wohl klassisches in Sicherheit Wiegen, um dann doch den Überraschungseffekt auf der eigenen Seite zu haben.

Was sicherlich auch sehr amüsant war und wo ich schon davon ausgehe, dass es auch beabsichtigt war, sind die Referenzen auf Klassiker der Popkultur. Gadots Figur hat definitiv den Kampfstil von Wonder Woman geerbt. Hartley bewaffnet sich zwischendurch wie Captain America und Booths Fluchtmaßnahmen sowie immer das letzte Wort haben zu müssen, das hat laut nach Deadpool geschrien. Wenn sich die beiden Männer dann auf Schatzsuche auch noch durch den Urwald schlagen, dann ist Johnsons letzter Kassenschlager, "Jungle Cruise", auch nicht mehr weit weg. In so einer Art von Film passt das wirklich gut und ist auch wirklich unterhaltsam. Das Ende wiederum deutet an, dass Netflix möglicherweise mit einer Fortsetzung plant. Der Erfolg ist schon nach dem ersten Wochenende nach Veröffentlichung mehr als beeindruckend, was dieses Vorhaben natürlich berechtigt, aber gleichzeitig würde ich dennoch das Fazit ziehen, dass es nach diesem Film eigentlich genug sein müsste. Die Geschichte war wie gesagt nicht sonderlich beeindruckend ausgestaltet und mir fällt es schwer zu glauben, dass die vereinzelten Überraschungen, die hier gut geklappt haben, noch einmal getoppt werden können. Ohne Frage wird aufgrund des Casts auch ein zweiter Teil florieren, doch muss es wirklich immer sein?

Fazit

"Red Notice" ist ein Heist Movie, der vor allem über den Humor punkten will und auch ein paar wirklich gute Überraschungsmomente hinbekommt. Aber das Drehbuch ist insgesamt eher schwach und wenig einfallsreich. Hier sind dann natürlich die großen Hollywoodnamen der Ausgleich. Alle drei sind auch ideal besetzt, wobei mich besonders die Chemie von Reynolds und Johnson positiv überrascht hat. Wenn man sich einfach beim Sehen fallen lässt, dann wird man wirklich sehr gut unterhalten, aber insgesamt ist es kein Film, der auf Dauer Kultpotenzial haben wird.

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Lena Donth - myFanbase
18.11.2021

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