Bewertung: 3
Mark Waters

Einer wie keiner

Foto: Copyright: 2021 Netflix, Inc.
© 2021 Netflix, Inc.

Inhalt

Padgett Sawyer (Addison Rae) ist in den sozialen Medien ein Star, bis sie durch einen Livestream sichtbar für alle von ihrem Freund Jordan Van Draanen (Peyton Meyer) betrogen wird. Doch es schadet nicht seinem Image, sondern ihrem eigenen, weswegen sie von ihrer Sponsorin Jessica Miles Torres (Kourtney Kardashian) erst einmal fallen gelassen wird. Padgett setzt sich daraufhin in den Kopf, dass sie den größten Loser der Schule zum nächsten Jordan machen wird, um sich so wieder in der Beliebtheitsskala nach oben zu arbeiten. Als sie sich Cameron Kweller (Tanner Buchanan) ausgeguckt, kommen ihr aber echte Gefühle in den Weg.

Kritik

Schon über 20 Jahre ist es her, dass die High-School-Komödie "Eine wie keine" (Original: "She’s All That") erschienen ist. Auch wenn der Film wie wahrscheinlich die meisten Beispiele dieses Genres von einem gewissen Grad an Klischees begleitet sind, war es vor allem an Rachael Leigh Cook und Freddie Prinze, Jr., die mit ihrer ganz besonderen Chemie diesen Film zu einem charmanten Erlebnis gemacht haben, so dass man sich ihn immer und immer wieder ansehen könnte. Im Jahr 2021 hat sich Netflix nun ein Remake dazu überlegt und übrig geblieben ist nur Cook, die aber leider auch nicht in ihre damalige Rolle der Laney Boggs schlüpft, denn das wäre ja auch zu schön gewesen und Matthew Lillard. Dafür finden wir uns in einer Welt wieder, die in jeder Sekunde von Social Media geprägt ist. Wie passend also, dass für die Hauptrolle der Padgett Addison Rae gecastet wurde. Wem dieser Name nun gar nicht sagt, dem oder der muss das kein schlechtes Gewissen bereiten, denn sie ist ein aufstrebendes Sternchen der TikTok-Generation, die 2019 durch das Hochladen von Tanzvideos auf der Plattform sich einen Namen gemacht hat. Inzwischen ist sie eine Influencerin mit großer Fanbase, die auch Musik macht. "Einer wie keiner" ist nun ihre erste große Schauspielrolle.

Ich kann die Entscheidung von Netflix wirklich gut nachvollziehen, dass sie es für das Remake mit Rae in einer Hauptrolle versucht haben, denn gerade für die angepeilte Zielgruppe ist damit sicherlich einer der besonders heiß gehandelten Namen der letzten Jahre gewonnen worden. Doch Rae hat eben keine klassische Schauspielerfahrung und das ist dem Film doch deutlich anzumerken. Es ist natürlich generell so, dass "Einer wie keiner" in einer sehr oberflächlich dargestellten Welt spielt und dass viele Darstellungen bei den Charakteren ins Extreme gehen. Das erkennt man wohl besonders deutlich an Jordan, der von Peton Meyer dargestellt wird. Seine Figur ist von ihnen so hohl, dass es scheinbar keine weitere Stufe mehr geben kann und dementsprechend kann man nur bei jeder Szene mit ihm die Augen verdrehen. Aber und das ist jetzt der Unterschied, man merkt, dass Meyer, der schon Schauspielerfahrungen in Serien wie "Das Leben und Riley" und "American Housewife" nachweisen kann, diese übertriebene Darstellung wirklich spielt. Vor dem Hintergrund dieser fiktiven Welt, in der alle nur auf den nächsten Like aus sind, hätte man eigentlich denken müssen, dass es Rae als Padgett doch einfach haben muss.

Doch trotz der Familiengeschichte, weil Padgett nicht aus dem reichen Haushalt stammt, wie sie es immer alle glauben lassen will und stattdessen ihrer Mutter (Cook) bei allem unter die Arme greift, ist es nicht gelungen, der Figur wirklich Tiefe zu verleihen. Das ist mir im Verlauf des Films auch überdeutlich bewusst geworden, weil ihr Gegenpart Cameron so gänzlich anders wirkt. Auch hier haben wir mit Buchanan einen Darsteller, der mit "Cobra Kai" oder "Designated Survivor" schon ansprechende TV-Credits vorweisen kann. Auch seine Figur ist mit dem vermeintlich 'hässlichen' Aussehen und der ständig eigenbrötlerischen Stimmung aus zig stereotypen Schubladen zusammengesetzt worden und doch hat man ihm direkt dieses 'mehr' angemerkt. Erst später kommen die ganzen privaten Schicksalsschläge zur Sprache, aber auch sein Umgang mit seiner jüngeren Schwester Brin (Isabella Crovetti) hat schnell gezeigt, dass er das Herz auf dem rechten Fleck hat. Doch diese Tiefe hat Padgett leider nie erreichen dürfen. Denn selbst wenn sie nobel agiert hat und bewiesen wurde, dass sie trotz ihrer Berühmtheit auf niemanden herabsieht, war stets eine Distanz zwischen Rolle und Publikum zu bemerken, denn die letzte Schicht, um die Seele nackt zu offenbaren, ist nie abgenommen worden. Meine Kritik an Raes schauspielerischer Leistung soll definitiv nicht heißen, dass generell keine Hoffnung mehr für sie besteht, denn man muss ihr auch lassen, dass sie sich offenbar für keine Szene zu schade ist und damit selbst widerlegt, dass sie nicht immer 'perfekt' aussehen muss. Aber für diese Art von Rolle, wo eine emotionale Verbindung erzeugt werden muss, war das noch zu früh, denn so war es leider zu anstrengend, vielen aufgesetzten Emotionen beizuwohnen.

Eingangs habe ich schon erwähnt, dass "Eine wie keine" auch kein klischeefreier Film gewesen ist, aber auf die Umstände vieler Handlungsaspekte wurde gar nicht so ein kritischer Blick geworfen, weil man einfach vom Geschehen gefangen genommen worden ist. Doch da bei "Einer wie keiner" dieser Bonus nicht gegeben ist, fallen auch die Schwächen des Drehbuchs deutlich ins Gewicht. Mir war natürlich im Vorfeld schon bewusst, dass mit Rae in der Hauptrolle und eine der Kardashian-Schwestern in einer Gastrolle sicherlich nicht mit Social Media aufgeräumt wird, aber die Botschaft, die vermittelt werden sollte, ist leider in dieser Verpackung nicht im Geringsten angekommen. Am Ende ist es Padgett wichtig, ihren Followern die echte Padgett zu zeigen. Ja, sicherlich nett, da es in den sozialen Medien viel zu wenig Echtheit gibt, doch statt diese Botschaft erst einmal für das echte Leben gelten zu lassen, muss es erst medial inszeniert werden. Das nimmt dem Kontext doch gleich wieder die Glaubwürdigkeit. Zudem wird ja auch zu keinem anderen Zeitpunkt des Films mit irgendwelchen Klischees aufgeräumt. Gerade angesichts des heutigen Zeitalters kann ich diesen fehlenden kritischen Blick dann auch nicht mehr unter Unterhaltung abhaken.

Fazit

"Einer wie keiner" ist ein Remake eines liebgewonnenen Films, das man sich wirklich besser hätte sparen sollen. Nur die Geschlechter tauschen und das Geschehen in das moderne Zeitalter hieven, reicht nicht aus, um einen Film auf die Beine zu stellen, der ein ganz eigenes Profil gewinnt. Bedauerlicherweise reicht es bei TikTok-Star Rae schauspielerisch noch nicht, dass sie eine solche Romantikkomödie tragen kann, denn sie ist in ihrer Darstellung noch zu oberflächlich. Zudem offenbart das Drehbuch sehr viele Schwächen, die die Funken zu keinem Zeitpunkt haben übersprühen lassen. Netflix hat sich hiermit sicherlich keinen Gefallen getan.

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Lena Donth - myFanbase
29.08.2021

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