Bewertung: 3
Vince Marcello

The Kissing Booth 3

Foto: The Kissing Booth 3 - Copyright: 2021 Netflix, Inc.
The Kissing Booth 3
© 2021 Netflix, Inc.

Inhalt

Es ist der letzte Sommer für Elle (Joey King), bevor sie ans College geht. Nur zu welchem geht sie? Begleitet sie ihren Freund Noah (Jacob Elordi) nach Harvard oder hält sie ein Kindheitsversprechen an Lee (Joel Courtney), indem es sie gemeinsam nach Berkeley verschlägt? Die Entscheidungsfindung ist für Elle nicht einfach, weswegen sie sich mit ihren liebsten Menschen auf den Sommer ihres Lebens konzentrieren will. Doch es kommt alles ganz anders…

Kritik

Spätestens mit dem riesigen Erfolg von "To All the Boys I've Loved Before" von Netflix ist der Trend entstanden, aus klassischen Teeniefilmen ganze Reihe zu entwickeln. Das beobachte ich mit etwas Bauchgrummeln, da dieses Genre ohnehin mit vielen bekannten Schemata und Klischees arbeitet, weswegen der Reiz an neuen Verfilmungen oft an dem neuen Cast liegt, nicht aber an der der Geschichte selbst. Aber was bei der Jugendbuchverfilmung von Jenny Han funktioniert hat (sogar tatsächlich gut!), das muss doch auch bei "The Kissing Booth" funktionieren, was schließlich ebenfalls auf eine Romanreihe beruht, hier von Beth Reekles, oder? Das hat sich offensichtlich wohl Netflix gedacht, aber mein Urteil ist nach drei Filmen nun, nein, das hat nicht funktioniert!

Ich mochte die erste Verfilmung wirklich sehr, denn sie hat zentral von der besonderen Chemie von King und Elordi gelebt, was sich auch darin niedergeschlagen hat, dass die beiden auch im echten Leben für eine Zeit ein Paar waren und das hat man auf dem Bildschirm wirklich sehen können. Doch eigentlich war die Geschichte damit auch auserzählt. Denn der angenehme Gedanke bei solchen Jugendfilmen ist doch oft, dass sie sich am Ende gekriegt haben und dass man sie in der eigenen Vorstellung bis ans Lebensende glücklich sieht. Denn das reale Leben kennen wir schließlich alle selbst zu gut und da zeigt die Erfahrung, dass diese Happy Ends nicht dem wahren Leben entsprechend. Schon der zweite Film hat sich also der Frage gewidmet, was nach dem Happy End auf Elle und Noah wartet und hat sich damit keinen Gefallen getan. Denn wie zerstört man Glück effektiv? Aber klar, ein Liebesviereck. Auftritt Marco (Taylor Zakhar Perez) und Chloe (Maisie Richardson-Sellers). Dass diese Eifersuchtsdramen hier und dort gepaart noch mit den erneuten Eifersuchtsattacken von Lee als bestem Freund ganz schön nervig war, das kann sich wohl jeder und jede denken.

Vor diesem Hintergrund war nun natürlich noch die Frage, was soll jetzt also der dritte Film noch machen? Da Teil 2 und 3 im vergangenen Jahr in einem abgedreht wurden, um vermutlich auch möglichen Drehverzögerungen durch die Corona-Pandemie zu entgehen, ist offenbar der Effekt entstanden, dass derselbe Inhalt nur etwas anders verpackt abgedreht wurde. Ja, wirklich, Marco und Chloe sind immer noch da. Während Letztere mit Noah eine wirklich vorbildliche Freundschaft entwickelt hat, die keinerlei Spekulationen mehr zulässt, muss Marco sein Glück nochmal versuchen. Das bedeutet also wieder: Eifersucht, Eifersucht und nochmal Eifersucht. Natürlich musste auch wie immer Lee mit seiner Eifersucht reinspielen, aber als wäre das noch nicht genug ist Elle plötzlich auch eifersüchtig auf Lee, weil dieser beim Strandhaus zufällig eine Bekanntschaft macht, die ebenfalls nach Berkeley geht und da sie sich bestens verstehen, hadert Elle damit, dass sie das eigentlich sein müsste. Zudem lernt ihr Vater (Stephen Jennings) mit Linda (Bianca Amato) lange nach dem Tod seiner Frau endlich wieder jemand Neues kennen, aber auch hier fährt Elle mit ihrer Eifersucht dazwischen. Da "The Kissing Booth 3" inhaltlich also wirklich nur ein Thema zu bieten hatte und zudem einen Aufguss des zweiten Films darstellt, ist mein sehr ironischer Unterton bislang wohl nachzuvollziehen Aber ich war dann richtig entsetzt, als sich zum Ende hin ein Knalleffekt nach dem anderen ergab, denn es hat so viele Konflikte mit den unterschiedlichsten heftigen Vorwürfen gegeben, dass ich mir gerne die Ohren zugehalten hätte.

"The Kissing Booth 3" spielt im Sommer vor dem College, ist also eigentlich perfekt für eine Veröffentlichung im August, doch von dem sonnigen Gefühl hat der Inhalt nicht viel herüberretten können. Es gibt sicherlich auch wirklich herrliche Momente, wo nahezu alle Szenen von der gemeinsamen Bucketlist von Elle und Lee zugehören. Besonders hat mich die Darstellung eines Mario-Kart-Rennens begeistern können, denn das Spiel gehörte jahrelang zu meinen liebsten, weswegen dieses Abenteuer viel Nostalgie für mich bedeutete. Auch bekommt der Film am Ende wieder seinen Bogen und lässt Elle endlich sehr erwachsene Entscheidungen treffen, aber diese kleineren positiven Eindrücke helfen leider nicht dabei, die dritte Verfilmung in guter Erinnerung zu bleiben. Ich hoffe daher wirklich, dass es wieder eine Abkehr von dem Trend gibt, einen gut funktionierenden Jugendfilm durch mehrere Teile scheitern zu lassen.

Fazit

Leider, leider ist "The Kissing Booth 3" nur als Reinfall zu bezeichnen. Es gibt kaum inhaltliche Unterschiede zu der zweiten Verfilmung und von dem Original ist wirklich kaum noch was übrig. Nach dieser übertriebenen Dosis Eifersucht bin ich wirklich froh, dass jetzt ein Schlussstrich gezogen wurde. Irgendwann werde ich mir "The Kissing Booth" noch einmal ansehen und in Gedanken schwelgen, wie schön die Verfilmung war, aber die beiden Nachfolger werde ich definitiv aussparen!

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Lena Donth - myFanbase
11.08.2021

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