Bewertung: 8
Michael Matthews

Love and Monsters

Foto: Love and Monsters - Copyright: 2021 Netflix, Inc.
Love and Monsters
© 2021 Netflix, Inc.

Inhalt

Sieben Jahre nach der Apokalypse, durch die Lebewesen zu Monstern geworden sind, lebt Joel Dawson (Dylan O'Brien) wie die restliche Menschheit unter Tage, aufgeteilt in kleine Kolonien. Doch zunehmend übernehmen die Monster über alles die Kontrolle und werden raffinierter und hartnäckiger. Als er über ein Funkgerät Kontakt mit seiner Jugendliebe Aimee (Jessica Henwick) bekommt, wächst in ihm das Bedürfnis, zu ihr zu stoßen, weswegen er sich auf eine gefährliche Mission wagt. Doch die traut ihm niemand zu, denn Joel ist bislang noch angesichts jeder Gefahr zur Salzsäure erstarrt.

Kritik

Bereits der Filmtitel "Love and Monsters" macht schon deutlich, dass man bei diesem Film nicht von einer bitterernsten Apokalypse ausgehen durfte. Denn angesichts des möglichen Endes der Welt fällt einem ganz gewiss nicht als erstes Liebe ein. Der zweite Hinweis war dann die Hauptrollenbesetzung durch Dylan O'Brien. Dieser hat sich seit seinem Durchbruch bei der MTV-Serie "Teen Wolf" sicherlich auch schon in ernsten Filmen wie "Deepwater Horizon" und "American Assassin" auszeichnen dürfen, aber wer ihn als Stiles Stilinkski erlebt hat, wo er sogar der eigentlichen von Tyler Posey dargestellten Hauptrolle den Rang abgelaufen hat, der weiß, dass O'Brien eine außergewöhnliche Begabung im Bereich der Comedy hat. Ihn mal wieder in einer Rolle dieser Art zu erleben, hat mich daher besonders gefreut.

Gewisse charakterliche Ähnlichkeiten zwischen Stiles und Joel sind nicht von der Hand zu weisen. Sie sind beides eher ängstliche Typen, die erst an ihren Herausforderungen wachsen müssen und sie sind treue Seelen mit einem Hang zur Romantik. Dennoch sind die beiden kein völliges Abbild voneinander, denn Joel zeichnet von Anfang mehr Reife und auch Idealismus aus. Insgesamt war Stiles so oft in meinem Kopf, aber in der Konsequenz habe ich je länger der Film andauerte immer mehr Joel sehen können. Das liegt sicherlich auch daran, dass "Love and Monsters" sehr auf diese Figur zugeschnitten ist. Im Grunde ist es nämlich lange Zeit ein Ein-Mann-Film, in dem Joel immer mal wieder neue Begleiter an seiner Seite wiederfindet, aber letztlich geht es nur um ihn und seine Geschichte. Das funktioniert natürlich auch dann besonders gut, wenn man eben so einen ausdrucksstarken Darsteller wie O'Brien an Bord hat.

Mit diesem hauptsächlichen Ein-Mann-Film ist viel Charakterentwicklung möglich und die ist in "Love and Monsters" eng an eine tolle Botschaft gebunden, die ich angesichts des Titels so gar nicht erwarten hätte. Denn während es zunächst so scheint, als ginge es dem Film nur darum, Joel und Aimee wieder zusammenzubringen und so ein wenig kitschig zu wirken, nimmt das Geschehen am Ende eine Wendung, die ein Happy End nicht vollends verhindert, aber offenlässt. Ich bemerke bei mir stetig wachsend die Erwartung, dass nicht unbedingt DAS vermeintliche Paar zusammenkommen muss, wenn dafür vermittelt wird, dass es zunächst um Selbstliebe gehen muss, bevor man jemand anderen lieben kann. Joel war im Grunde immer eher ein Nerd mit einem Zeichentalent und technischem Interessengebiet, aber das hat ihn innerhalb seiner Kolonie nicht unbedingt zum wertvollsten Mitglied gemacht, wenn es ums Überleben geht. Deswegen sind der Joel vom Anfang und der Joel vom Ende völlig unterschiedliche Personen. Im Wesenskern sind sie selbstverständlich dieselben, aber während der frühe Joel nur von Instinkten und der Sehnsucht nach Aimee getrieben ist, ist der späte Joel jemand mit Weitsicht, der über sich selbst hinausgewachsen ist und gerade deswegen als Vorbild alle anstecken kann. Dafür gibt es aber nicht gleich das Happy End gratis mitgeschenkt, sondern auch das muss er sich erst erarbeiten. Und das gefällt mir als Botschaft wirklich sehr, sehr gut.

Dennoch war dem Titel gemäß genug Liebe und Monster im Geschehen verankert. Nach der doch etwas abstrusen Weltkonstruktion, wo ich erst noch dachte "Oje" hat sich der Film wirklich sehr gemacht und nahezu die perfekte Mischung aus ruhigen Momenten, Action und ungewöhnlichem Miteinander gebracht. Die Monster waren auch eine positive Überraschung, da sie sich so in die Natur integriert haben, dass sie wirklich überall lauern konnten und das hat den Spannungseffekt stets hochgehalten. Zudem waren diese Wesen auch nicht alltäglich und wie Joel dann anfängt, ein Lexikon über sie anzulegen, hat mich an Newt Scamander und "Die phantastischen Tierwesen" denken lassen. Dazu hat auch gepasst, dass Joel immer wieder neue Wege findet, sich der Monster zu entledigen, aber nie um des Tötens willen, sondern weil es keine andere Wahl gab. Und dennoch waren die Monster nicht einfach böse, denn am Ende des Films wurde noch eine neue Seite eröffnet, die ich als sehr spannend empfand. Insgesamt endet "Love and Monsters" sehr offen, womit ich im Grunde leben kann. Aber sollte es den Willen nach einer Fortsetzung geben, so könnte ich mir noch mehr zu den Monstern vorstellen.

Abschließend ist es eben die Liebe in vielfältigen Formen, die mir in diesem Film so gut gefallen hat. Denn nicht nur Aimee ist ein Teil von Joels Reise, sondern auch seine Kolonie, in der er sich stellenweise isoliert fühlt, um dann doch zu erkennen, dass sie seine Familie sind. Aber auch Clyde (Michael Rooker) und Minnow (Ariana Greenblatt), die Joel auf seiner Reise begegnen, ihn kurzfristig begleiten und in einige Überlebenstechniken einweisen. Clyde und Minnow sind ein ungewöhnliches Duo, die Vater und Tochter sein könnten, es aber nicht sind, stattdessen sind sie vom Schicksal gebeutelt zu einem Gespann geworden, das einem sofort ans Herz wächst. Zudem gelingt die Verbindung zu Joel nahezu problemlos, weswegen sie alle einander etwas geben können. Und dennoch ist das absolute Highlight natürlich Boy, der Hund. Tiere sind immer ein wenig die heimlichen Helden von Produktionen und auch hier ist das nicht anders, weil Boy wirklich Persönlichkeit verliehen wird. So hängt er noch über ein Kleidungsstück an seinem Frauchen, er ist sehr ängstlich, aber vor allem loyal und für die Seinen nicht aufzuhalten. Er ist am Ende, der an Joels Seite verbleibt und ein besseres Happy End hätte man sich eigentlich nicht wünschen können.

Fazit

"Love and Monsters" mag mich zugegebenermaßen zunächst nur wegen Dylan O'Brien gereizt haben, aber letztlich war der Film so viel mehr. Etwas absurd, stets lustig, mit extrem spannenden Momenten und ganz viel Liebe und Monstern. Wie der Titel es eben versprochen hat, aber eben doch so viel mehr. Von mir gibt es hiernach eine klare Empfehlung!

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Lena Donth - myFanbase
18.04.2021

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