Bewertung: 6
Ricky Staub

Concrete Cowboy

Foto: Idris Elba & Caleb McLaughlin, Concrete Cowboy - Copyright: 2021 Netflix, Inc.; Aaron Ricketts/Netflix
Idris Elba & Caleb McLaughlin, Concrete Cowboy
© 2021 Netflix, Inc.; Aaron Ricketts/Netflix

Inhalt

Der schwierige Jugendliche Cole (Caleb McLaughlin) wird von seiner Mutter zu seinem Vater Harp (Idris Elba) nach Philadelphia gebracht, doch die beiden sind vollkommen entfremdet voneinander. Daher flüchtet er sich in eine alte Freundschaft mit Smush (Jharrel Jerome), der aber in kriminelle Geschäfte verwickelt ist. Doch mehr und mehr wird er auf die Gemeinschaft seines Vaters aufmerksam, der Teil einer Community von schwarzen Cowboys ist, die seit mehr als 100 Jahren mitten in der Stadt residiert, da sie inmitten von Armut und Gewalt einen sicheren Hafen bietet.

Kritik

Der Film hat sicherlich zwei große Vorteile. Das ist zum einen, dass McLaughlin, der den meisten als Lucas Sinclair aus "Stranger Things" bekannt sein dürfte, hier sein schauspielerisches Talent abseits einer gehypten Serie unter Beweis stellen darf, und das ist zum anderen, dass sich der Film sehr viel Zeit nimmt, um auf authentische Art und Weise ein wahres Stück von schwarzer Geschichte abzubilden. Aber abgesehen von diesen beiden Punkten entstehen im Verlauf des Films doch mehr Fragezeichen als Enthusiasmus über das Gesehene. Das liegt sicherlich auch daran, dass aus den Castings von Persönlichkeiten wie Elba und Lorraine Toussaint viel zu wenig gemacht wird. Die Stars des Films sind sie nicht, weswegen man sich doch fragt, warum man überhaupt zu so bekannten Namen greifen musste. Elba hat als Vater Harp nur einen einzigen genialen Moment, als er nämlich Cole auf höchst emotionale Art und Weise klarmacht, nach wem er seinen Sohn benannt hat. Im Vorfeld hatte ich mir alleine aufgrund der Synopsis vorgestellt, dass es eine richtig mitreißende Vater-Sohn-Erzählung im ungewöhnlichen Setting werden könnte, aber davon war wenig zu sehen.

Der Film tut sich selbst sicherlich auch keinen Gefallen, wenn er mehrfach eine selbsterfüllende Prophezeiung abgibt. Das sieht man besonders an den gemeinsamen Szenen von Cole und Smush (im Übrigen wurde auch Jeromes durch "When They See Us" bekanntes Schauspieltalent vergeudet), wo Harp seinen Sohn schon ganz am Anfang warnt, wie dieses Miteinander ausgeht. Und genau so kommt es auch. Auch die Bedrohung der Gemeinschaft von schwarzen Cowboys ist an dieser Stelle zu erwähnen, da auch hier schon früh angedeutet wird, was passieren wird. Doch nichts wird getan, weswegen es ebenfalls wie angekündigt eintrifft. Das hat dafür gesorgt, dass der Film oft eher vor sich hinplätscherte und wenig Spannungselemente anbieten konnte.

Aber bei den zu Beginn genannten Vorteilen bleibe ich. Bei Jungstars hört man oft die Geschichte, dass sie sich von dem Image ihrer Rollen, mit denen sie Berühmtheit erlangt haben, oft nicht lösen können, aber McLaughlin hat mit "Concrete Cowboy" definitiv bewiesen, dass er für den nächsten Schritt bereit ist, selbst wenn der Erfolg von "Stranger Things" immer noch in vollem Gange ist. Dieser Film kommt keine Szene ohne Cole aus, weswegen McLaughlin das verantwortungsvolle Gewicht auf seinen Schultern tragen musste und diese Aufgabe hat er mit Bravour gemeistert. Zwar bleibt die Charakterarbeit auch bei Cole etwas auf der Strecke, dennoch kann man bei ihm deutlich nachvollziehen, warum er ist, wie er ist, weil er sich ein Leben lang von seinem Vater nicht gewollt gefühlt hat. Es mag die Gier nach Aufmerksamkeit sein, es mag die fehlende Vaterfigur sein oder auch einfach die Sozialisation, der er beim Erwachsenenwerden ausgesetzt ist, aber alles, was er fühlt, wird transparent nach außen getragen. Zudem hat mir gefallen, dass der Film im Grunde eine Umkehr von vielen Pferdefilmen wie das deutsche "Ostwind" oder Klassikern wie "Black Beauty" ist, in denen immer das Mädchen den Zugang zum wilden Pferd findet, hier ist es Cole, der bei seinem Eintreffen in Philadelphia nicht weiter weg von einem Pferdeliebhaber sein könnte, aber in seinem Pferd einen Seelenverwandten findet. Diese Beziehung zwischen Mensch und Pferd mag für Cole nicht das zentrale Thema gewesen sein, aber es hat ihn doch maßgeblich in seiner Entwicklung beeinflusst.

Abschließend sei dann noch einmal auf die Abbildung von wahrer schwarzer Geschichte eingegangen, die auch dadurch qualitativ unterstrichen wurde, dass ein Großteil der Cowboys von der Fletcher Street gar nicht von hauptberuflichen Schauspielern, sondern von tatsächlich Mitgliedern der Gemeinschaft dargestellt wurde. Da sei vor allem Jamil Prattis zu nennen, der den Cowboy Paris darstellt. Er sitzt zwar selbst nicht im Rollstuhl, aber seine Vorgeschichte, was ihm und seinen Bruder geschehen ist, als sie Teil der kriminellen Szene waren, ist durchaus wahr. So wurden auch weitere Geschichten der Cowboys in den Film eingearbeitet. Dieser Aspekt hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass "Concrete Cowboy" kaum eine stringente Linie abbildet, aber für dieses Stück wahre Geschichte akzeptiert man das gerne, da gerade Prattis' Szenen als Jamil wirklich herzergreifend war. Zudem haben die letzten Jahre mehr als deutlich gemacht, warum es so wichtig ist, schwarze Geschichte abzubilden. Die Cowboys der Fletcher Street werden ein Teil sein, der den wenigsten bekannt sein dürfte, weswegen es eine gern gesehene Geschichtsstunde ist.

Fazit

"Concrete Cowboy" ist rein handwerklich und dramaturgisch leider kein Film, der einem lange in Erinnerung bleiben wird, da auch Schauspielstars wie Elba, Toussaint und Jerome kaum etwas von ihrem Talent einsetzen durften. Aber dieser Film beruht auf wahren Tatsachen und bringt uns die Geschichte der Cowboys der Fletcher Street sehr anschaulich näher. Zudem dürfte "Concrete Cowboy" auch das Sprungbrett für Caleb McLaughlin sein, auch weiterhin in großen Produktionen gebucht zu werden.

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Lena Donth - myFanbase
08.04.2021

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