Bewertung: 6
Danis Tanovic

The Postcard Killings

Ich werde nicht gehen, solange ich die Wahrheit nicht kenne.

Foto: Copyright: EuroVideo Medien GmbH
© EuroVideo Medien GmbH

Inhalt

Nach dem brutalen Mord an seiner Tochter versucht Detective Jacob Kanon (Jeffrey Dean Morgan) alles, um den Mörder zu fangen. Schnell zeigt sich, dass es sich in London nicht um einen Einzelfall handelte, sondern quer durch Europa ähnliche Fälle auftreten. Immer sind es frisch verheiratete Paare, die verstümmelt und wie berühmte Skulpturen inszeniert vorgefunden werden. Außerdem wird im Vorfeld immer eine Postkarte verschickt, die kryptische Hinweise auf den möglichen nächsten Mord enthält. Während sich Kanon mit den Behörden herumschlägt und nur mühsam Informationen zu den Mordfällen erhält, da er als amerikanischer Detective und durch seine persönliche Betroffenheit nicht ermitteln darf, meldet sich die amerikanische Journalistin Dessie Lombard (Cush Jumbo) aus Schweden bei ihm, wo sie derzeit arbeitet. Sie will eine Reportage schreiben und beginnt, bei den Ermittlungen zu helfen, da sie zum Beispiel die Inhalte der Postkarten kennt. Doch die Zeit wird knapp, denn die nächste Postkarte ist schon unterwegs.

Kritik

Als ich das DVD-Cover mit dem Antlitz von Jeffrey Dean Morgan gesehen habe, war ich gleich neugierig, denn in den letzten Jahren hat mir seine Leistung als Negan in "The Walking Dead" so ausgesprochen gefallen, dass ich mit "The Postcard Killings" gerne bereit war, den Schauspieler auch mal wieder in einer anderen Rolle zu sehen. Denn dass er auch etwas anderes kann, habe ich schon bei seinen Auftritten in "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" erfahren. Nun war der Einstieg in "The Postcard Killings" gewöhnungsbedürftig, denn es fing gleich mit dem leidenden Detective Jacob Kanon an, der den Mord an seiner Tochter zu verarbeiten versucht, was gänzlich Negan-unlike war. Doch diese Umgewöhnung ging schnell, zumal die anschließende Konsequenz und der Willen, die Mordfälle aufzuklären, der Figur so viel Profil gegeben hat, dass man schnell bei der Geschichte an sich war und weniger bei den Darstellern, die allesamt eine unaufgeregte, gute Leistung erbrachten. Jeffrey Dean Morgan stand letztlich im Mittelpunkt, hat diese Fokussierung aber nicht zur Selbstdarstellung ausgenutzt.

Die Mordserie war dann tatsächlich eine ganz spannende Angelegenheit, weil die Nachbildung der Leichen in Skulpturen, die in den einzelnen Museen der Städte stehen, eine interessante kulturelle Note hatten. Leider fehlte mir persönlich trotzdem der richtige Zugang, weil ich ein echter Kunstbanause bin, der die Schönheit und Kreativität in Skulpturen und Gemälden nicht zu erkennen vermag. Trotzdem gefiel mir der kulturelle Schwerpunkt, der auch musikalisch mit Ausschnitten aus Opern fortgeführt wurde. Das Gesamtbild passte somit und der Krimi an sich hatte eine interessante Ästhetik. Auch war das Setting in Europa natürlich günstig, um nicht so typisch amerikanisch zu agieren. Vielmehr wirkte der Stil die ganze Zeit er wie schwedische Krimis à la Wallander.

Was mir aber etwas weniger gefallen hat, war der Spannungsbogen in der Mordserie selbst. Die falsch gelegte Fährte war aus meiner Sicht zu offensichtlich und somit vorhersehbar. Und die frühe Auflösung, wer sich hinter der Mordserie verbirgt, hat dann auch Spannung rausgenommen. Im zweiten Teil des Filmes ging es also nur noch um die Motive und die Gefangennahme. Das war etwas zu wenig für mein Krimibedürfnis und wenn die Storyline hinter den Motiven ihre Berechtigung hatte.

Fazit

Mit "The Postcard Killings" ist ein sehr ästhetischer Krimi auf den Markt gekommen, der stilistisch auch an schwedische Inszenierungen erinnert und eine interessante Geschichte vor allem rund um die Mordmotive präsentiert. Wer daran interessiert ist, wird seine Freude haben. Fans des Genres, die lieber knobeln und herausfinden wollen, wer denn nun der Täter ist, werden dagegen zu früh ins Bild gesetzt.

Emil Groth - myFanbase
14.10.2020

Diskussion zu diesem Film