Bewertung: 7
Laura Terruso

Work It

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Inhalt

Als Quinn Ackermans (Sabrina Carpenter) Bewerbung bei ihrem Traumcollege Duke University abhängig wird von ihrer Beteiligung an einem Tanzwettbewerb, formt sie ein Team von Außenseitern, um das beste Team der Schule zu schlagen. Das Problem dabei: Quinn muss selbst erst das Tanzen lernen.

Kritik

Gerade im Sommer bin ich immer sehr offen für Rom-Coms, denn diese leichte Unterhaltung passt wirklich hervorragend auf die Jahreszeit. Auch Tanzfilme haben mich immer schon sehr fasziniert, weswegen "Work It" alleine vom Papier her genau in mein Beuteschema passt. Zudem hat man mit einigen bekannten Gesichtern locken können. Allen voran sicherlich Keiynan Lonsdale, der vielen ein Begriff als Wally West / Kid Flash aus "The Flash" und "Legends of Tomorrow", aber auch aus "Love, Simon" ein Begriff sein könnte. Da er zudem auch Tänzer und Sänger ist, ist die Rolle des selbstverliebten und arroganten Tänzers Julliard Pembroke ihm alleine von seinen Fähigkeiten her natürlich wie auf den Leib geschneidert. Da Lonsdale privat aber wenig mit Julliard gemeinsam hat, merkt man richtig, wie viel Spaß ihm diese Rolle bereitet hat, die so übertrieben sein darf. Dazu Sabrina Carpenter, die schon im Netflix-Film "Wie Jodi über sich hinauswuchs" dabei war und nun eine dazu völlig gegensätzliche Rolle als Quinn spielen darf. Diese kommt eher tollpatschig daher und stolpert daher regelrecht in die Aufgabe, nun eine halbwegs vorzeigbare Tänzerin zu werden. Auch Jordan Fisher ist für Netflix-Fans kein Unbekannter, schließlich hat er doch schon das ein oder andere Herz in "To All the Boys: P.S. I Still Love You" schmelzen lassen und konnte sich als bester Tänzer beim amerikanischen "Let's Dance" (Original: "Dancing with the Stars") durchsetzen. Den Cast rundet Liza Koshy ab, die sich schon lange in den sozialen Medien als Comedian und Tänzerin beweisen konnte.

Alleine mit diesem vielversprechenden Cast hat der Film sich qualitativ fast von selbst aufgestellt. Zwar gibt es doch einige Aspekte, die man von zahlreichen anderen Tanzfilmen kennt, wie dass eine wild zusammengestellte Gruppe im Eiltempo trainieren muss, um einen prestigeträchtigen Wettbewerb zu gewinnen, aber dennoch habe ich Aspekte gefunden, die "Work It" zu einem Aushängeschild für die Netflix-Generation machen dürfte. Das ist zum einen die Grundprämisse dahinter, dass das Tanzteam ausgerechnet von einer völlig untalentierten Tänzerin gebildet wird. Mir hat es unheimlich gut gefallen, wie lange mit Quinns Unfähigkeit gespielt wurde. Ich hätte es an dieser Stelle extrem schade gefunden, wenn sie ruckzuck zur Überfliegerin geworden wäre. Aber man hat mit Carpenter auch keine Schauspielerin gewählt, die sich absichtlich schlecht machen musste, sondern eben jemanden, der wie viele Zuschauer Tanzen höchstens als Hobby betreibt. Dadurch wirkten die Szenen, als Quinn völlig neben dem Takt tanzt oder die einfachsten Schritte verpatzt, auch nicht gestellt, sondern höchst authentisch. Selbst bei der abschließenden Performance war noch für jeden klar, dass Quinn das schwächste Glied in der Kette ist, aber dennoch Welten entfernt von ihren Anfängen.

Der zweite besondere Aspekt ist für mich, dass der Comedy unheimlich viel Raum eingeräumt wird. Tanzfilme haben oft den Wettbewerbscharakter im Vordergrund stehen. "Work It" hat zwar auch gleich mehrere Wettbewerbssituationen, aber es ist doch immer klar, dass es darum vorrangig nicht geht. Es geht um die Liebe zum Tanzen, die nicht in Perfektionismus ausarten muss, sondern nur um die Freude an einer universellen Sprache des speziellen Ausdrucks. Da darf sich Quinn genau wie die anderen des Teams oft genug blamieren, Jaz (Koshy) darf dürstende Phantasien für einen Matratzenverkäufer haben und Lonsdale darf als Julliard mit seinen getreuen Tänzerinnen und Bodyguards alles rauslassen, was sonst völlig übertrieben wirken würde, was hier aber genau passt.

Die Tanzszenen haben mir unheimlich gefallen, denn es wurden unterschiedliche Stile getanzt, aber stets wirkte es total modern, sicherlich auch durch die graphischen Unterstützungen. Ich fand es wirklich wunderbar, dass nicht nur einfach Hip Hop oder etwas anderes getanzt wird, sondern dass man die Einflüsse der aktuellen Tanzszene hat einfließen lassen, so dass sich die Tanzsequenzen völlig von denen klassischer Tanzfilme wie "Step Up" unterscheiden. Zudem ist der Soundtrack eine gute Mischung aus klassischen Tanzkrachern wie Dua Lipas "Break My Heart", Zara Larssons "Wow", dazu eher technolastige Tracks, aber auch Lieder der Hauptdarsteller Fisher und Carpenter wurden aufgenommen. Hier ist einiges an Tracks zusammengekommen, die einem gut im Ohr bleiben.

Natürlich ist "Work It" noch eine Rom-Com, wobei die hier klassischen Elemente doch das Nachsehen hinter den Tanzaspekten haben. So würde ich zum Beispiel extrem gerne eine reine Rom-Com mit Fisher und Carpenter als Liebespaar haben, denn die Chemie der beiden als Quinn und Jake war einfach unfassbar gut, was sich in den großartigen alleinigen Tanzszenen der beiden niedergeschlagen hat. Aber ihre Liebesgeschichte ist dennoch völlig überhastet erzählt, was man hier aber verschmerzen kann. Für Quinns persönliche Entwicklung war deutlich mehr Raum, aber auch hier war beispielsweise der Konflikt mit ihrer Mutter Maria (Naomi Snieckus) nicht nachvollziehbar gestaltet. Zudem fand ich es am Ende schade, dass Quinns Team den Wettbewerb auch tatsächlich gewonnen hat, denn zuvor habe ich ja erwähnt, dass der Film lange ausgesagt hat, dass es um das Gewinnen überhaupt nicht geht. Es geht darum, Risiken einzugehen, um sein wahres Ich zu finden, denn auch das sicherste Sicherheitsnetz muss genau das irgendwann nicht mehr sein. Das hätte wunderbar als Botschaft des Films gereicht, ohne dass der Wettbewerb gewonnen worden ist.

Fazit

"Work It" ist ein wunderbar moderner Tanzfilm, der sicherlich viele bekannte Elemente aufweist, aber dennoch durch das Spiel mit Tanzfähigkeiten und vielen Comedy-Elementen etwas Neues hat. Dazu hat man einen extrem sympathischen Cast zusammen, der diesen Film sowohl tänzerisch, gesanglich, komödiantisch und romantisch auf ein sehr gutes Niveau gehoben hat. Letztlich ist "Work It" mehr Tanzfilm, als Rom-Com, weil man hier ein paar kleinere Abstrichen machen muss, aber die Mischung ist wirklich sehr unterhaltsam gelungen.

Lena Donth - myFanbase
10.08.2020

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