Bewertung: 8
David Lowery

Ein Gauner & Gentleman

"Hier geht es doch nicht darum, einen Lebensunterhalt zu verdienen, mir geht es einfach nur ums Leben."

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Inhalt

Der alternde Bankräuber Forrest Tucker (Robert Redford) raubt im Beisein des Polizeikommissars John Hunt (Casey Affleck) eine Bank aus. Vollkommen unbemerkt, wie ein Gentleman. Die Wege der beiden kreuzen sich erneut, als John Forrest bei seinen Ermittlungen bereits auf der Spur ist. Mit einem letzten, großen Raub will Forrest sich zusammen mit alten Weggefährten den Lebensabend versüßen. Aber manchmal läuft im Leben nicht alles wie geplant.

Kritik

Mit "Ein Gauner & Gentleman" hat Regisseur David Lowery etwas geschaffen, das zum Verweilen einlädt. Es ist kein schneller oder besonders spannungsgeladener Film - aber genau das macht den Film aus. Der Zuschauer wird direkt zu Beginn in die Handlung geworfen und kann sich dennoch schnell zurechtfinden. Forrest Tucker überfällt gerade eine Bank, und auf der Fluchtfahrt trifft er auf Jewel, deren Auto nicht mehr anspringt. Bei einem Zwischenstopp in einer Raststätte, antwortet er auf ihre Frage, was er beruflich macht, ehrlich - er überfällt Banken. Zunächst glaubt sie ihm nicht so recht, aber Jewel wird schnell klar, dass Forrest wohl die Wahrheit sagt. Es entwickelt sich eine tolle Freundschaft zwischen den beiden.

Währenddessen kämpft Kommissar John Hunt mit der Tatsache, dass er zeitgleich in einer Bank war, die von Forrest überfallen wurde. Der Sprung, den der Regisseur an diesem Punkt des Films schafft, ist beeindruckend. Denn bereits in den ersten Minuten von "Ein Gauner & Gentleman" wird nicht mehr nur die Geschichte des Gejagten erzählt, sondern auch die des Jägers. Kommissar John Hunt wird als liebender Familienvater dargestellt, der seinen Job innig liebt. Immer wieder bekommt der Zuschauer einen Einblick in die Art und Weise, wie ihn der Fall auch zuhause, im Beisein seiner Frau Maureen (Tika Sumpter) weiterhin beschäftigt.

Als Forrest von seinen alten Mitstreitern kontaktiert wird, weil diese einen letzten Überfall planen, der für den Rest ihres Lebens aussorgen soll, ist er natürlich direkt dabei. Und hinterlässt dem Kommissar, den er im Fernsehen bei einem Interview zu seinen Überfällen gesehen hat, einen signierten Geldschein als Souvenir. Auch das zeigt letzten Endes wieder die sehr enge Beziehung zwischen den beiden Charakteren im Film. "Ein Gauner & Gentleman" zeigt nicht einfach nur, wie ein Bankräuber mit einer sehr charmanten Technik immer wieder der Polizei entwischt. Der Film schaut sich beide Seiten der Medaille an, zeigt auch, wie die Jagd über Jahre nicht nur den Gejagten plagt. Der Zuschauer sieht zu jeder Zeit wie aus der Vogelperspektive auf das Geschehen und erlangt so ein vollkommenes Bild der Handlung.

Unterstützt wird diese eher ungewöhnliche Erzählweise durch den Soundtrack, der zu jeder Zeit die Handlung auf der Leinwand unterstützt, ohne sie zu überlagern. Es wird Spannung aufgebaut, wenn nötig, aber immer eher hintergründig und ohne ins Kitschige abzurutschen. Währenddessen ist die Atmosphäre von "Ein Gauner & Gentleman" von einerseits warmen Tönen geprägt, andererseits aber in Szenen die nachts spielen fast schon im Film Noir anzusehen. Diese Parallelität spiegelt die Erzählweise von Gauner und Kommissar abermals wider. Der Bankräuber liebt das Stehlen, der Kommissar das Verhaften - eine Erkenntnis, die den ganzen Film rückwirkend betrachtet sehr passend beschreibt.

Fazit

"Ein Gauner & Gentleman" ist ein Film für all diejenigen, die nicht unbedingt immer pure Action brauchen. Ein ruhiger Film, der trotz Verfolgungsjagden, mit wenigen Spannungsmomenten auskommt. Die Längen, die den Film für einige ausmachen werden, kann auf andere störend wirken, aber wenn der Zuschauer sich auf die Charaktere einlassen kann, wird er ein wundervolles Kinoerlebnis haben.

Jeanne Plaumann - myFanbase
28.03.2019

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