Bewertung: 8
Peter Farrelly

Green Book - Eine besondere Freundschaft

Foto: Copyright: 2018 eOne Germany
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Inhalt

Wir schreiben das Jahr 1962 und der in New York lebende Frank "Tony Lip" Vallelonga (Viggo Mortensen) mit italienischen Wurzeln ist auf Jobsuche. Er erhält eine Anfrage als Chauffeur des schwarzen Musikers Dr. Don Shirley (Mahershala Ali) und erklärt sich bereit, ihn in den nächsten zwei Monaten auf seiner Tour durch die Südstaaten zu fahren und gleichzeitig als Bodyguard zu fungieren. Das ungleiche Duo bricht gemeinsam mit Don Shirleys Bandkollegen auf und schon bald erkennt Tony, wie schwer es in den Südstaaten für einen Farbigen ist, auch wenn Dr. Don Shirley für seine Musik noch so berühmt sein mag. Während ihrer Reise durch das Land verstehen sich Tony und Don nach und nach immer besser.

Kritik

Der kultivierte Dr. Don Shirley und sein stets hungriger Chauffeur Tony Vallelonga könnten nicht verschiedener sein. Als angesehener Künstler ist Don stets auf Anstand und feines Benehmen bedacht, während Tony ein sehr direkter Mensch ist und neben dem Doktor wirkt wie ein trampeliger Bauer. Die beiden sind wie Tag und Nacht, dennoch sind sie in jeder Sekunde des Filmes ein sehr sympathisches Gespann. Im Zusammenspiel können Dons verkniffene Art und die unkultivierten Worte Tonys dem Zuschauer immer wieder ein Lachen entlocken.

Parallel zu der heiteren Andersartigkeit der beiden Hauptfiguren erzählt "Green Book" eine eher ernste Geschichte. Die 1960er Jahre waren keinesfalls so fortschrittlich, wie man es annehmen mag und so zeigt man uns den in den Südstaaten noch weit verbreiteten Rassismus. Anhand eines "Reiseführers" für Farbige orientiert Tony sich daran, in welchen Unterkünften er seinen Arbeitgeber für die Nacht untergebracht wissen darf. Es ist skurril, einen so starken Kontrast zwischen dem weltoffenen New York und dem konservativem Süden des Landes zu sehen. Vor allem sticht jedoch die Doppelmoral ins Auge, mit der Don sich jeden Tag wieder konfrontiert sieht. Zum einen feiert man ihn - selbst im Süden - als einen glorreichen Pianisten, zum anderen gewährt man ihm dennoch nicht die gleiche Anerkennung, wie man es mit seinen Bandkollegen tut. Mahershala Ali mimt den in sich gekehrten Don auf den Punkt genau, er verbirgt die Gefühle des Musikers und lässt seinen verletzten Stolz den Weißen gegenüber nie durchschimmern. Besonders trifft den Zuschauer dabei das Streitgespräch zwischen Tony und Don im Regen, bei dem Don seinen Emotionen dann doch einmal Luft machen muss. Seine Unfähigkeit, sich irgendeiner Gruppe zugehörig zu fühlen, unterstreichen die Aura der Einsamkeit, die Don nie ganz abschütteln kann.

Zunächst weiß Tony nicht viel mit seinem Chef oder dessen Musik anzufangen, doch je länger er mit Don unterwegs ist, desto mehr lernt er Dons Klavierspiel zu lieben und sein Können zu schätzen. Das gute Herz Tonys, das sich schon in den ersten Momenten des Filmes erahnen lässt, bleibt dem heißblütigen Italiener den gesamten Film über erhalten. Man schließt Viggo Mortsensens - der als Italiener überraschend gut funktioniert - Figur ins Herz und dass umso mehr, als er sich ehrlich über die rassistischen Umstände in den Südstaaten und die Respektlosigkeit gegenüber Don echauffiert.

Je länger Don und Tony durch das Land Tour, desto intensiver wird ihre ungleiche Freundschaft. Während Don seine steife Art abzulegen lernt, wird Tony zu einem Menschen, der die Arbeit Dons wertschätzt. Wie die guten Charaktereigenschaften der beiden aufeinander abfärben, zeigt sich nicht nur in dem Essverhalten der beiden oder den Briefen an Tonys Frau Dolores.

Während "Green Book" einem die Ungerechtigkeit in Sachen Rassismus vor Augen hält, gelingt es dem Film gleichzeitig, sich eine spielerische Leichtigkeit zu bewahren. Mit großem Spaß verfolgt man die Reise durch das Land und weiß so die lustigen Momente genau so sehr zu schätzen wie die ernsten Szenen. In den letzten Zügen beweisen die Figuren einander, wie bedeutend ihre Freundschaft in den vergangenen Wochen geworden ist und man verabschiedet sich vom Zuschauer mit einem runden Ende.

Fazit

Mit Mahershala Ali und Viggo Mortensen hat man für die besondere Freundschaft zwischen Dr. Don Shirley und Tony Vallelonga die idealen Schauspieler gecastet. Die beiden Hauptfiguren wachsen dem Zuschauer schnell ans Herz und mit Lust auf mehr begleitet man sie auf ihrer Reise.

Marie Florschütz - myFanbase
01.02.2019

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