Bewertung: 9
Stephen Frears

Florence Foster Jenkins

"Music has been and is my life. Music matters."

Foto: Copyright: 2016 Constantin Film Verleih GmbH
© 2016 Constantin Film Verleih GmbH

Inhalt

Die millionenschwere Florence Foster Jenkins ist der klassischen Musik sehr zugetan und hat eine Leidenschaft für Opern. Aufgrund dieser Begeisterung beschließt sie, selbst aufzutreten und die allseits bekannten Opern zu schmettern, die sie und ihre Freunde aus dem von ihr finanzierten Musikverein "Verdi Club" so sehr lieben. Dabei traut sich niemand, Florence darüber aufzuklären, dass sie musikalische vollkommen unbegabt ist.

Kritik

Was ist "Florence Foster Jenkins"? Ist es Komödie? Ist es Drama? Ist es eine Hommage an die klassische Musik? In diesem Film treffen mehrere Genre, die sich eigentlich nicht unter einen Hut bringen lassen, zusammen und ergeben ein Bild, das auf grandiose Weise in jedem Punkt zusammen passt.

Gleich zu Beginn des Filmes weiß man nicht, ob man über die schräge Stimme von Florence Foster Jenkins lachen oder weinen soll. Diese Frau ist auf jeder Ebene unbegabt und keinesfalls geschaffen für die Musik, ganz geschweige davon, auf der Bühne zu stehen und zu versuchen, anspruchsvolle Töne zu treffen, da sie scheinbar noch nicht einmal "Alle meine Entchen" korrekt über die Lippen bringen würde. Daher glaubt man zum Anfang, dass wir es hier mit einer schönen Komödie zu tun haben, doch bald wird klar, dass dies nicht die einzige Facette des Filmes ist. Denn genau so treffend wie man uns zeigen kann, dass Florence nicht singen kann, bringt man die dramatische Seite der Geschichte auf die Leinwand. Florence Foster Jenkins ist ein herzensguter Mensch und auch die sie umgebenden Personen, ihre Ehemann St. Clair Bayfield und der Pianist Cosmé McMoon, wollen für Florence eigentlich nur das Beste. Die beiden Männer hören zwar, dass Florence keinen Ton trifft, doch aus Liebe, Anstand und Mitgefühl stärken sie Florence den Rücken und halten mit der Wahrheit hinterm Berg.

Man fragt sich schnell, ob Bayfield und McMoon lediglich hinter Florences Geld her sind, doch dieser Verdacht wird bald abgeschmettert. Beide sind dem Geld nicht abgeneigt, doch je mehr man Florence kennenlernt, desto mehr schließt man die gänzlich untalentierte Frau ins Herz.

Es ist zum totlachen, wie wunderbar sarkastische man die alten Ladies und den Musiklehrer in Szene setzt, die Florence in jeder Lebenslage applaudieren und sie für eine große Künstlerin halten. Gleichzeitig ist es zum weinen, wie tragisch Florences Geschichte ist. Die Frau, die mit ihrem Ehemann eine recht ungewöhnliche Ehe führt, liebt Bayfield über alles und man sieht auch ihm in jeder Lebenslage an, dass Florence sein ein und alles ist. In diese Situation aus Lachen und Weinen wirft man nun McMoon, der genau die Gefühle verkörpert, die das Publikum empfindet. Man bricht unterschwellig in herzhaftes Gelächter aus, sieht Florence dann aber in einem anderen Licht und beginnt zu grübeln. Man schließt die gutmütige Frau ins Herz und wünscht ihr nur das Beste, wofür die Männer in Florences Leben ihre eigene Karriere zurückstellen.

Neben dieser Geschichte, die einem wahrhaft in Mark und Bein übergeht und eine Achterbahnfahrt der Gefühle durchleben lässt, hat man auch in Sachen Schauspieler eine vortreffliche Wahl getroffen. Manche mögen sagen, die Rolle der Florence Foster Jenkins sei Meryl Streep wie auf den Leib geschrieben, doch je mehr Filme man mit dieser Schauspielerin gesehen hat, desto sicherer wird man sich, dass Meryl Streep einfach in jede Rolle schlüpfen kann. Diese Frau ist einfach großartig und konnte bereits vor Jahrzehnten von sich überzeugen. Egal ob jung oder alt, ob lustig oder ernst, Meryl Streep kann jede Figur zum Leben erwecken und den Zuschauern das Gefühl geben, dass die von ihr verkörperte Person vielschichtiger ist, als man ihr auf den ersten Blick ansieht. Auch Hugh Grant als Bayfield passt sehr gut ins Konzept. Nicht nur im wahren Leben hat der Brite den Ruf eines Windhundes, auch aus Bridget Jones kennt man seine Figur mit einem etwas zwielichtigen Ruf. Genau diese Seite an Hugh Grant macht man sich zu Nutze. Einerseits hat der Schauspieler wahnsinnig ehrliche Augen, die einem mit einer tiefen Ehrlichkeit entgegenblicken, auf der anderen Seite besitzt er viel Charme und kann spielend jede Frau um den Finger wickeln. Das Schöne ist, dass er in dieser Rolle beides gut mit einander kombinieren kann und trotz seines Lebensstiles erkennen lässt, dass sein Herz Florence gehört.

Der Dritte im Bunde ist Simon Helberg, den viele wahrscheinlich aus "The Big Bang Theory" kennen. Ich persönliche habe Helberg zuvor noch nie gesehen, bin von seiner Leistung in "Florence Foster Jenkins" allerdings begeistert. Er fügt sich in das Gebilde aus Komödie und Drama rund um Florence auf wunderbare Weise ein. Sein immer wieder ungläubig aufblitzendes Lächeln, die introvertierte Persönlichkeit und die Ausstrahlung von purer Disziplin und Ordnungsliebe geben dem Ganzen noch einmal einen schönen Kontrast und weisen darauf hin, wie ungewöhnlich das Zusammenspiel in dieser Geschichte ist. Auch im Verlauf der Handlung und der somit wachsenden Freundschaft zwischen Florence und McMoon agieren Helberg und Streep wunderbar mit einander. Zunächst scheint es Markenzeichen von McMoon zu sein, Florence mit halboffenen Mund und ungläubigem Staunen ob ihrer hoffnungslosen Karriere als Sängerin anzuschauen, doch als die beiden später im Film gemeinsam auf dem Klavier musizieren, haben sie einen Weg gefunden, sich auf einander einzustimmen.

Genau so ergeht es einem auch als Zuschauer. Man muss sich erst an die ungewöhnliche Geschichte und Meryl Streeps furchtbaren Gesang gewöhnen, doch wenn man bedenkt, dass dies einer wahren Begebenheit entspricht, ist es einfach umso unterhaltsamer, wie gut die Schauspieler das Leben von Florence Foster Jenkins in Szene gesetzt haben.

Fazit

Man kombiniert Drama und Komödie auf raffinierte Weise mit einander und wählt Schauspieler, die die Rollen nicht treffender ausleben könnten. Ich wüsste nichts, was mir in diesem Film gefehlt hätte. Großartiges Kino.

Marie Florschütz - myFanbase
16.01.2017

Diskussion zu diesem Film