Bewertung: 6
Ron Howard

Da Vinci Code, The - Sakrileg

Der Roman verkaufte sich weltweit über 50 Millionen Mal und löste eine Welle von Protesten aus nun geht die Kontroverse um Dan Browns Bestseller "The Da Vinci Code" weiter: Regisseur Ron Howard hat sich an die Verfilmung des Buches gemacht. Was dabei rausgekommen ist? Ein überbewerteter, durchschnittlicher Thriller.

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Inhalt

Paris, Louvre: Kurator Jacques Saunière (Jean-Pierre Marielle) wird tot in der Nähe der berühmten Mona Lisa aufgefunden. Seine Leiche liegt blutverschmiert auf dem Boden mit einem Pentagramm auf der Brust in der Stellung des Vitruvischen Mannes von Da Vinci. Inspektor Bezu Fache (Jean Reno) lässt den Symbologen Robert Langdon (Tom Hanks) zum Louvre holen, doch nicht nur, weil dieser sich mit den merkwürdigen Zeichen auskennen könnte, sondern auch, weil Fache den Amerikaner als Mörder verdächtigt.

Am Tatort erscheint auch Sophie Neveu (Audrey Tautou), die als Kryptologin für die Pariser Polizei arbeitet und außerdem die Enkelin von Saunière ist. Neveu warnt Langdon vor seiner bevorstehenden Festnahme und verhilft ihm zur Flucht aus dem Louvre, denn sie ist von Langdons Unschuld überzeugt. Sie erkennt, dass die symbolischen Botschaften ihres Großvaters ihr und Langdon gelten müssen.

Nach und nach entdecken Langdon und Neveu, dass der Kurator ihnen vor seinem Tod bewusst Spuren hinterlassen hat, die sie schließlich in den Besitz eines Schlüssels bringen. Doch das ist erst der Anfang der mysteriösen Jagd nach dem Geheimnis, das es zu lüften gilt... dem Geheimnis um die wahre Bedeutung des Heiligen Grals.

Im Wettlauf mit der Pariser Polizei und dem Albino Silas (Paul Bettany), der das Geheimnis um jeden Preis bewahren muss, tun sich Langdon und Neveu mit dem britischen Gralspezialist Sir Leigh Teabing zusammen (Ian McKellen) und kommen dem Geheimnis Schritt für Schritt näher...

Kritik

Es war das altbekannte Problem der Romanverfilmung, mit dem sich Regisseur Ron Howard auseinander zu setzen hatte: Der unglaubliche Erfolg des Buches, das 2004 erschienen war und schnell zu einem Bestseller avancierte, war für Howard eine besonders große Herausforderung. Denn wie soll man ein Buch verfilmen, dass über 50 Millionen Menschen gelesen haben, und es möglichst allen recht machen?

Gar nicht so einfach. Schon das Casting, das Mitte 2005 begonnen hatte, löste teilweise ziemlichen Unmut bei den Lesern des Buches aus: Tom Hanks als Robert Langdon sei zu alt, Audrey Tautou als Sophie Neveu zu jung. Einige hatten Angst, der Film würde Browns Geschichte zerstückeln und andere, dass der Film sich nicht nah genug an den Roman halten würde.

Letzteres ist allerdings gar nicht der Fall, ganz im Gegenteil: Der Film ist teilweise so genau vom Buch übernommen, dass es den Zuschauer entweder völlig verwirrt (Kategorie 1: Zuschauer kennt das Buch nicht) oder zum Gähnen bringt (Kategorie 2: Zuschauer kennt das Buch). Einige Passagen sind so langatmig gehalten wie im Roman, sodass man sich beispielsweise fragt, warum Langdon, Neveu und Teabing fast zehn Minuten lang über die Göttlichkeit Jesu diskutieren müssen.

Auch die seltenen Actionszenen schaffen es nicht, die Langatmigkeit des Films zu kompensieren. Spannende Szenen fehlen fast gänzlich und dort wo Howard scheinbar Action einzubringen versuchte, scheiterte er leider. Die Verfolgungsjagd in Paris oder der Endspurt in London auf dem Weg zur Lösung des Rätsels liefern nicht wirklich die notwendigen Spannungsmomente.

Um die ellenlangen "geschichtlichen" Erklärungen und Ausschweifungen, von denen es in Dan Browns Bestseller nur so wimmelt, interessant zu machen, benutzte Howard szenische Einblendungen: War Langdons oder Teabings Fachwissen bei der Gralssuche gefragt, so wurden deren ausführliche Reden mit Rückblick-artigen Szenen untermalt. Eine gute Idee. Negativ ins Gewicht fällt jedoch die eiskalte Auslegung von fiktiven "historischen Fakten" als echte Tatsachen. Durch diese Szenen bekommt Browns teilweise erfundene Historie natürlich Authenzität und der Zuschauer vergisst schnell, dass "The Da Vinci Code" ja eigentlich ein Fiktionroman ist. So wirken diese Stellen wie eine Pseudo-Dokumentation über eine katholische Kirche, deren oberste Mitglieder die Göttlichkeit Jesu mal eben so festlegten, die Bibel an einem Tag aus einer Laune heraus zusammenstellten und die Christen auf der Welt alle zum Narren halten.

Diesen Standpunkt vertritt im Buch Sir Leigh Teabing, den im Film Sir Ian McKellen darstellte. Dieser wusste wirklich von sich zu überzeugen und verstand es, mit hervorragender Mimik den etwas durchgeknallten Gralspezialisten zu spielen. Ein großes Lob verdient auch Paul Bettany, der den Albino Silas fast erschreckend real darstellte. Die Szenen, in denen er sich selbst geißelte, waren nichts für sanfte Gemüter, aber wirklich gut umgesetzt. Man nahm Bettany seinen Part von der ersten bis zur letzten Sekunde ab. Glaubhaft wirkte ebenso Jean Reno als bulliger Polizist Bezu Fache.

Die einzige Frauenrolle des Films, die der Kryptologin Sophie Neveu, übernahm Audrey Tautou, die den meisten Zuschauern sicherlich vor allem als "Amélie" in Erinnerung geblieben ist. Dieses Image konnte die Franzosin erfolgreich ablegen: Besonders am Anfang überzeugte sie als willensstarke Neveu, die Langdon vor Fache beschützen will. Leider beschränkten sich ihre Redeanteile anschließend fast nur noch auf Fragen, sodass sie wie das Sprachrohr der Zuschauer wirkte, obwohl sie im Buch eine starke und eigenständige Persönlichkeit ist. Somit stand Neveu insgesamt zu sehr im Schatten von Langdon und Teabing.

Tom Hanks, der Hauptdarsteller der Buches, wurde von Anfang an wohl am meisten kritisiert: Die Leser verurteilten ihn als "zu alt" für die Rolle des Langdon. Und auch, wenn er schon vielfach bewiesen hat, dass er ein hervorragender Schauspieler ist dieses Mal hatten die kritischen Stimmen wohl Recht. Zu oft wirkte Hanks als "zu alt" für den Charakter des Langdon und schaffte es nicht, seine gewohnte Leistung zu zeigen. Und so blieb der Charakter des Symbologen manchmal etwas oberflächlich, zu stoisch. Hanks war durchaus gut, aber nicht gut genug.

Fazit

Nette Unterhaltung, aber leider eher eine Enttäuschung. Der Film hat überzeugende Passagen und toll umgesetzte Szenen, ist streckenweise aber einfach zu langatmig und ist zu buchnah, wo man freier hätte sein können, und zu buchfern, wo man die Geschichte genauer hätte beleuchten müssen. Schade.

Maria Gruber - myFanbase
20.05.2006

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