Bewertung: 5
Nima Nourizadeh

American Ultra

"Something very weird is happening to me: I keep killing people! There's a chance I may be... a robot!"

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Inhalt

Der Supermarktangestellte Mike (Jesse Eisenberg) lebt zusammen mit seiner Freundin Phoebe (Kristen Stewart) in einer Kleinstadt und geht dort seinem routinierten Alltagsleben nach. Er träumt aber von einem aufregenderem, ihn persönlich mehr fordernden und erfüllenden Leben und hat Angst, dass seine immer wieder auftauchenden Zwangsneurosen ihn für immer an das Kleinstandleben binden werden und so auch Phoebe ein aufregenderes Leben verbaut wird. Eines Tages betritt aber eine Frau (Connie Britton) den Supermarkt und teilt ihm eine sich ihm zunächst nicht erschließende Parole mit, die insgeheim ein Aktivierungscode ist, durch den Mike als Schläferagent der US-Regierung aktiviert wird. Diese Aktivierung stößt bei einem Agenten der US-Regierung aber auf heftigen Widerstand und so versucht dieser mit aller Kraft und ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen Mike auszulöschen.

Kritik

"American Ultra“ genretechnisch einzuordnen ist nicht ganz leicht, beginnt der Film doch als Mischung als Romanze zwischen einem mit seinem Leben unzufriedenen Kiffer, der sein Leben und vor allem seine Beziehung zu seiner Freundin auf die Reihe zu bekommen versucht, dabei aber immer von den eigenen Ängsten und scheinbaren Unzulänglichkeiten ausgebremst wird. Der Film zeichnet sich im ersten Viertel also vor allem durch eine tragisch-komische Grundstimmung aus, bei der aber vor allem die Tragik überwiegt. Denn auch wenn der erhöhte Marihuana-Konsum der Hauptfigur Mike immer wieder prominent in den Vordergrund gerückt wird, hält man sich vom klassischen Kifferhumor eines "Ananas Express" doch weitestgehend fern. Vielmehr geht es um die Ausarbeitung der zentralen Hauptfiguren und deren Beziehungsleben. In einem sehr berührenden Moment im Anfangsteil des Films äußert Mike gegenüber seiner Freundin Phoebe die Befürchtung, dass er durch seine Zwangsstörungen und seine Unfähigkeit aus dem monotonen Kleinstadtleben auszubrechen ihr ein aufregenderes Leben verbaut und sie vielmehr in seine eigene Tristesse mit hineinzieht. Hier wird der Film sehr nachdenklich und zeichnet das Bild einer schwierigen Beziehungskonstellation zwischen zwei liebenswerten und interessanten Figuren und man wünscht sich einen Film, der mehr solche Momente ruhiger Introspektion zu bieten hat.

Dies ist im weiteren Verlauf des Films aber nur noch sehr selten der Fall, steuert dieser doch schnellen Schrittes auf ein durchgeknalltes Action-Inferno zu, welches viel mehr mit der "Jason Bourne-Trilogie, als mit "(500) Days of Summer" zu tun hat. Der Versuch von Regisseur Nima Nourizadeh eine romantische Beziehungsgeschichte mit Elementen einer Kifferkomödie und einem wahnwitzigen Agenten-Action-Plot zu verknüpfen, geht in der Folge immer weniger auf. Als Mike schließlich zu einem Supersoldaten mit übermenschlichen Nahkampffähigkeiten wird, entwickelt sich ein zunehmend immer wahnwitziger werdendes über-stilisiertes Actionspektakel mit einigen netten spielerischen Einfällen, die aber eher für sich allein und weniger im Kontext einer in sich geschlossenen Filmhandlung funktionieren. Der Film will dann einerseits beinhartes Actionkino sein und vergisst in diesem Zuge den Humoranteil, der nur selten durchschimmert und auch die Charakterentwicklungen treten im Mittelteil des Films zu Gunsten der Action auf der Stelle.

Trotzdem operiert der Film insgesamt auf einem grundsoliden Unterhaltungsniveau, was zu einem Großteil an den starken Performances des im Mittelpunkt stehenden Duos Kristen Stewart und Jesse Eisenberg, aber auch an den zahlreichen Gaststars liegt, die den Film darstellerisch in vielen Momenten veredeln. So sind in Nebenrollen unter anderem Connie Britton als Mikes unterstützende Kraft im Hintergrund, Topher Grace als herrlich gewissenloser und skrupelloser Karrierist und Walton Goggins als brutale Kampfmaschine zu sehen. Die Schauspieler haben sichtlich Spaß an der überdrehten, bewusst auf zwölf gedrehten Inszenierung und werten dadurch die nicht immer plausibel wirkende Rahmenhandlung merklich auf. Mit etwas über 90 Minuten ist der Film schließlich auch sehr knackig und kompakt geraten, was aber auch dazu führt, dass sich vieles zu hastig entwickelt und gewisse Charaktermotivationen nur angedeutet, aber nie wirklich ausgearbeitet werden.

Fazit

"American Ultra" springt wild durch verschiedene Genrefarben, ist zunächst romantisches Drama und dann wildes, bewusst überzeichnetes Actionspektakel und streut dazwischen Momente schlichten Kifferhumors ein. Insgesamt könnte der Film für Actionfans streckenweise doch zu kitschig und für Romantiker definitiv zu brutal sein. So richtig zufriedengestellt wird hier also niemand, auch wenn der illustre Cast komplett überzeugt und auch einige Einzelmomente sehr viel Spaß machen. Als Gesamtpaket überzeugt der Film dann aber leider nur bedingt.

Moritz Stock - myFanbase
06.04.2016

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