Bewertung: 8
François Girard

Chor, Der - Stimmen des Herzens

Du kannst doch singen, oder?

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Inhalt

Stet (Garrett Wareing) ist kein einfaches Kind. Er ist vorlaut, schnell gereizt und aggressiv und wehrt sich auch mit Gewalt gegen Sprüche seiner Mitschüler. Seinen Vater hat Stet nie kennen gelernt und seine Mutter versucht sich irgendwie über Wasser zu halten, verfällt aber auch immer wieder dem Alkoholkonsum, sodass sich Stet eher um seine Mutter als sie sich um ihn kümmert. Einzig die Schulleiterin (Debra Winger) erkennt das Potenzial von Stet, weil er musikalisch äußerst begabt ist und eine wunderbare Stimme hat. Sie hat deswegen hartnäckig dafür gesorgt, dass der hoch angesehene Knabenchor an die Schule kommt, damit Stet dem musikalischen Leiter des Chores (Dustin Hoffman) vorsingen kann. Doch Stet ist von dieser Aktion überrascht und läuft schnell davon. Al er nach Hause kommt, muss er erfahren, dass seine Mutter bei einem Autounfall gestorben ist. Aus den Unterlagen für Unterhaltszahlungen kann Stets Vater (Josh Lucas) ausfindig gemacht werden, der aber schon vor Stets Geburt verheiratet war und selbst zwei Töchter hat. Damit die Affäre geheim bleiben kann, will er sich nicht um Stet kümmern sondern auf Anraten der Schulleiterin Stet auf das Internat des Knabenchores schicken. Die Schule ist wegen Stets Sozialverhalten aber nicht überzeugt, doch durch eine kräftige Spende bekommt er doch diese Chance. Den großen Rückstand zu den anderen Jungen holt er schnell auf und insbesondere der Lehrer Wooly (Kevin McHale) glaubt in Stet ein Talent gefunden zu haben, was den Chor wieder zum angesehensten Chor weltweit werden lassen könnte. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg und nicht alle Jungen sind begeistert, dass ein neues Talent aufgetaucht ist.

Kritik

Was darf man von einem Film erwarten, der "Der Chor" heißt? Natürlich viel Musik und eine insgesamt überschaubare Handlung, die man vielleicht kitschig nennen kann. Aber so ist es nun mal mit solchen Filmen, in denen es um Kinder geht, die aus schwierigen Verhältnissen stammen und durch ein besonderes Talent den Weg aus ihrem alten Leben schaffen. Sei es "Dangerous Minds - Wilde Gedanken" oder "Die Kinder des Monsieur Mathieu, Die" oder vielen anderen Beispielen, letztlich siegt immer das pädagogische Ideal, dass aus jedem Kind etwas werden kann, wenn man als Lehrer nur das Potenzial entdeckt und den richtigen Aufwand betreibt. Das ist kitschig, aber auch romantisch und für alle, die mit Kindern arbeiten, in erster Linie hoffnungsvoll. Was im Alltag nicht immer funktioniert bzw. sich über Jahre entwickeln muss, wird hier komprimiert auf 100 Minuten dargestellt, damit man immer wieder daran erinnert werden kann, dass man eben doch etwas bewegen kann. Allein deshalb ist auch dieser Film sehr bewegend.

Hinzu kommt natürlich die musikalische Komponente. Der Knabenchor ist einfach wahnsinnig gut und Garrett Wareing sowie sein Widersacher haben Stimmen, die einem eine Gänsehaut verleihen. Es wird kaum jemanden geben, der nach dem Film nicht über den Kauf des Soundtracks nachdenken wird, um dieses musikalische Erlebnis durch Wiederholung besser in Erinnerung zu behalten.

Als weitere Komponente kommt der Cast blendend zur Geltung. Dustin Hoffman kann man seiner geringen Mimik und Gestig seine Rolle so hervorragend ausfüllen, dass er diesen Film trägt und wie einen roten Faden begleitet. Auch Kathy Bates spielt mit Leichtigkeit ihren Part als Internatsleiterin, die sich manchmal lieber nach Ruhestand sehnt, stat sich gegen den noch mehr Verantwortung und Mitsprache strebenden Kollegen zu besänftigen. Kevin McHale darf nicht singen, aber den Part des gutmütigen, verständnisvollen und Talent entdeckenden Lehrers spielen, der in erster Linie an Will Schuester erinnert. Und die Jungen sind auch sehr glaubhaft in ihren Ambitionen und Träumen dargestellt, sodass sich insgesamt ein rundes, harmonisches und für den Film stimmiges Bild ergibt, was den Film zwar keine überraschenden Handlungsstränge verleiht, insgesamt aber zum kurzweiligen Genießen einlädt.

Fazit

Das Drehbuch strotzt gewiss nicht vor Innovation und Überraschungsmomenten, aber es sind auch vor allem die Musik und die Schauspieler, die diesem Film Leben einhauchen und damit absolut sehenswert machen. Ein Film zeigt nun mal die wenigen Ausnahmen des echten Lebens. Dazu geht man aber auch ins Kino. Musikliebhaber und Pädagogen sollten diesen Film nicht ignorieren.

Emil Groth - myFanbase
28.07.2015

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