Bewertung: 6
James Ponsoldt

Spectacular Now, The

"The best thing about now is that there's another one tomorrow."

Inhalt

Sutter (Miles Teller) ist der Junge an der High School, mit dem man Spaß haben kann. Auch nach der Trennung von seiner Freundin Cassidy (Brie Larson) bleibt er seinem Motto treu und lebt im Hier und Jetzt. Als er auf Aimee (Shailene Woodley) trifft, ein zurückhaltendes und ehrgeiziges Mädchen, und Gefühle für sie entwickelt, ist er zum ersten Mal in der Lage, die Art und Weise, wie er sein Leben führt, zu reflektieren. Und so offenbart sich nach und nach eine bisher immer bewusst unter der Oberfläche gehaltene Angst über die Zukunft und das Erwachsensein, die droht, die Beziehung der beiden zu zerstören.

Kritik

Michael H. Weber und Scott Neustadter, die sich unter anderem bereits für das Drehbuch von "(500) Days of Summer" verantwortlich zeichneten, haben mit "The Spectacular Now" den gleichnamigen Roman von Tim Tharp adaptiert. Die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Filmen sind, wenn man näher hinsieht, eher gering. Was sie aber beide eint, ist der unverbrauchte Blick auf eine Liebesbeziehung von zwei Menschen. Aber sonst ist sowohl das Milieu unterschiedlich als auch die Erzählweise und die Ausprägung der Beziehung der beiden Liebenden zueinander. "(500) Days of Summer" hatte eine Prämisse, die eine andere Herangehensweise an die typische Lovestory versprach. Bei "The Spectacular Now" hingegen klingt die Inhaltsangabe regelrecht abgedroschen, hat man doch mittlerweile zur Genüge die altbekannte Geschichte um den coolen Jungen, der sich in das zurückhaltende und etwas verschrobene Mädchen verliebt, gehört, gesehen und gelesen.

Wenn aber diese erste Hürde genommen ist, offenbart sich ein wohltuend frischer und unverbrauchter Blick auf etwas, das schon viel zu oft und vor allem viel zu überdramatisch und vorhersehbar in unzähligen Filmen und Büchern thematisiert wurde. Was dabei sicherlich hilft, ist, dass sich hier die Teenager auch tatsächlich mal wie echte Menschen aufführen und nicht wie eine Ansammlung an Hormonen und markigen Sprüchen. Das erlaubt einen Blick hinter die Fassaden der auf den ersten Blick so sorglosen Heranwachsenden, auf ihre Ängste und Sorgen, auf den Druck, den sie verspüren in Anbetracht der Erwartungshaltung ihres Umfelds, etwas aus ihrem Leben zu machen. Vor allem Sutter erhält so einige Facetten, welche von der Klischeevorstellung des 18-Jährigen, der sich um seine Zukunft nicht schert und nur auf den kurzfristigen Spaß aus ist, am Ende nicht mehr allzu viel übrig lassen.

"The Spectacular Now" ist natürlich vor allem eine Liebesgeschichte, aber thematisiert auch sehr viele andere Aspekte, sei es das zerrüttete Elternhaus, die Angst, so zu werden wie eben genau dieses, Alkoholismus, Zukunftssorgen oder ein verfälschtes Bild von sich selbst, das man aufrecht erhält, um sich nicht zu sehr mit sich selbst beschäftigen zu müssen und den Abgründen, die sich hierbei auftun könnten. Der Fokus liegt jedoch deutlich auf Sutter und Aimee, wodurch der Film ein wenig an Komplexität einbüßt. Vieles wird nur angedeutet und schnell wieder fallen gelassen, bei manchen Dingen wartet man gerade sehnsüchtig darauf, dass hier endlich mal Zeit darauf verwendet wird, sie eingehender in den etwa 90 Minuten unterzubringen gern dann auch mit dem Resultat einer längeren Laufzeit. So ist der Alkoholismus von Sutter etwas, das es durchaus wert gewesen wäre, näher zu betrachten. Auch seine Beziehung zu seiner Mutter bleibt bis auf eine Szene stark an der Oberfläche.

In der Hinsicht hat es Aimee eventuell sogar noch schlechter getroffen. Ihre Mutter hat einen signifikanten Einfluss auf ihre gegenwärtige Lebensgestaltung und vor allem auch auf den Wunsch, diese in der Zukunft nachhaltig zu ändern, und dennoch ist sie nicht mehr als die Stimme aus dem Off. Aimee ist zwar dennoch eine ausgesprochen mehrdimensionale Figur, was mit Sicherheit vor allem auch ein Verdienst von Shailene Woodley ("The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten") ist, die nicht umsonst wegen ihrer Leistung mit so manchem Schauspielpreis geehrt wurde. Ihre zurückhaltende und demütige Art, ihre Empathie gegenüber ihrem Umfeld, die fast bis zur Selbstverleugnung geht, wird von Woodley eindrucksvoll portraitiert und ist auch deshalb so faszinierend, weil sich ein kleiner und subtiler Wandel in der zweiten Hälfte des Films vollzieht, der einen in den Bann zieht und gleichzeitig in den falschen Händen schnell komplett übersteigert und unglaubwürdig hätte wirken können.

"The Spectacular Now" macht viel richtig mit seiner ruhigen und unaufgeregten Erzählweise, mit seinem subtilen Vorgehen bei der Darstellung einer nur allzu bekannten Grundprämisse und der allmählichen Dekonstruktion der schönen Oberfläche. Das neueste Werk von Regisseur James Ponsoldt ist intelligent und spricht so manche weise Worte, ohne hierbei besserwisserisch zu wirken. Wenn die Nebenrollen dann auch noch von Talenten wie Brie Larson ("Taras Welten"), Mary Elizabeth Winstead ("Smashed"), oder Kaitlyn Dever ("Justified") bevölkert werden und sich auch wohlbekannte ehemalige Seriendarsteller wie Kyle Chandler ("Friday Night Lights"), Bob Odenkirk ("Breaking Bad") oder Andre Royo ("The Wire") die Klinke in die Hand geben, ist zudem sichergestellt, dass die untergeordneten Charaktere in den meist eher wenigen Möglichkeiten, selbst glänzen zu können, dennoch bleibenden Eindruck hinterlassen.

Fazit

"The Spectacular Now" gelingt mit einer subtilen Erzählweise, zwei überzeugenden Hauptdarstellern, einem guten Nebencast und einem Gespür für die richtige Balance aus Humor und Ernst eine neue, frische und sehr unterhaltsame Perspektive auf die wohlbekannte Formel bei Liebesgeschichten, der es gut getan hätte, die angeschnittenen Themenkomplexe konsequenter weiterzuverfolgen.

Andreas K. - myFanbase
02.03.2014

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