Bewertung: 4

Jack Ryan: Shadow Recruit

Jack Ryan ist eine Figur, die bereits aus vier früheren Filmen bekannt ist. Sie beruht auf einer Buchreihe, an die sich die Filme aber schon lange nicht mehr halten. Erstmals schlüpft Chris Pine in die Rolle des Mannes, der die Welt retten soll.

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Inhalt

Jack Ryan ist ein Mann, den das Leben formte. Angefangen als Soldat, wird er bei einem Angriff schwer verletzt und muss unter großem Schmerz wieder Laufen lernen. Hier begegnet er einer Therapeutin und Medizinstudentin, entschließt sich, sein Studium zu beenden und Analyst zu werden. Jahre später ist er fertig und arbeitet für ein privates Unternehmen an der Börse. Seine Therapeutin ist mittlerweile seine Freundin und im stillen Kämmerlein brütet er über Informationsbausteine, die er zusammenführt und das Ergebnis der CIA präsentiert. Denn Jack Ryan ist Agent, wenn auch nur ein stiller, der die Geldwege der Welt beobachtet. Eines Tages findet er dabei Ungereimtheiten, die ihn schließlich nach Russland führen, wo er binnen Minuten von einem stillen Teilhaber zum aktiven Agenten mit Geheimauftrag und Waffe wird. Hinzu kommt seine Freundin, die plötzlich ebenfalls im Hotel auftaucht, da er kurzfristig ihren gemeinsamen Urlaub in Paris absagen musste. Nun beginnt die Jagd auf die Informationen, die die westliche Welt, allen voran die USA, retten sollen. Dazu kommt, dass sich eine klassische Terrorzelle in den USA bereit macht, zuzuschlagen, wenn die Aktion an der Börse schief geht.

Kritik

Angekündigt ist der Film "Jack Ryan: Shadow Recruit" als intelligentes Action-Drama. Nach dem Schauen bin ich als Zuschauer begeistert von Pines Leistung, hinter welcher aber alles andere verblasst. Die eigentliche Handlung wird durch eine sehr lange und wenig ausgefeilte Vorgeschichte um Ryan und seinen Werdegang geebnet. Hier wird von einem wichtigen Lebensereignis der Figur zum nächsten gesprungen, sodass es an eine Bildershow erinnert, in der in einer knappen halben Stunde eine Figur geschaffen werden soll, deren Beweggründe man nachvollziehen kann. Pine gibt sein Bestes, Ryan die nötige Dreidimensionalität zu verleihen, jedoch gelingt es ihm nur auf der personalen Ebene. Denn die Figur an sich wird durch die Lebensgeschichte bis zum Beginn der eigentlichen Story gut erzählt und für den Zuschauer greifbar gemacht. Jegliche Interaktion Ryans mit seiner Umwelt aber, geht auf Kosten der spärlich beleuchteten anderen Hauptdarsteller im großen Ganzen vollkommen unter. Seine Freundin, gespielt von Keira Knightley, die ihrer Reputation als einseitig einsetzbare Darstellerin alle Ehre macht, da sie ihrer Figur null Tiefe verleiht und es keine Chemie zwischen ihr und Pine gibt, bleibt ebenso blass wie die anderen Agenten. Noch bevor die eigentliche Geschichte beginnen konnte, waren einige der Figuren beim Zuschauer schon durchgefallen. Auch später kann Knightley wenig Sympathien gewinnen, als sie in Moskau auftaucht und Ryans Leben schwieriger macht, als es ohnehin schon ist. Da ist es vollkommen nebensächlich, dass am Ende die Welt nur gerettet werden kann, weil sie da ist. Ihre Figur avanciert binnen weniger Szenen zu einem Symbol dafür, wie unwichtig und nebensächlich die Geschichte um sie ist und wie wenig die beiden Darsteller miteinander harmonieren. So sehr Pine sich auch bemüht Ryan als liebenden Menschen darzustellen, umso kälter und unnahbarer wirkt die Rolle Knighleys. Aber nicht alle Figuren sind blass. Die Russen werden hervorragend dargestellt, wenn auch von einem Klischee zum nächsten gesprungen wird. Es gibt alles, was den Stereotyp-Russen ausmacht: Wodka, hübsche Frauen, ein mächtig böses Gefängnis, Reichtum im Überfluss und geheime Treffen im Wald. Erstaunlicherweise können diese Stereotypen aber überzeugen, allen voran Darsteller Kenneth Branagh (er ist auch Regisseur des Films) in der Rolle des Bösewichts Viktor Cherevin.

Spannend sollte es dann werden, als die eigentliche Geschichte um einen von russischen Funktionären geplanter Börsencrash, deutlicher wurde. Leider wird die Storyline zwar gut erklärt, kann aber kaum als Stütze für den gesamten Film dienen. Sie ist zu ungreifbar, als dass der Zuschauer, der für gewöhnlich (wie ich) nur rudimentäres Wissen über Börse und alles damit Zusammenhängende der Finanzwelt hat. Es wird zwar versucht gerade diesem Zuschauer das System mit Witz zu erläutern, indem Ryan es einem unwissenden Agenten erklären soll, doch durch den Witz in der Situation wird die wohl mögliche Ernsthaftigkeit hinter der Gefahr vermindert und als doch nicht so schlimm dargestellt. So verliert die Geschichte viel Potenzial, da sie durch den Film selber abgewertet wird. Irgendwo dazwischen kommt dann noch eine Terrorzelle hinzu, die vollkommen unzusammenhängend inmitten der Börsencrash-Story eingeführt wird und am Schluss so eine Art Rahmen bieten soll. Diese Jagd nach den Terroristen wird lieblos ans eigentlich zu erwartende Ende der Handlung geklebt, sodass zwar alle US-Darsteller weiter mit von der Partie sind und so ein einheitliches Bild versucht wird aufrecht zu erhalten, aber es wird nicht wirklich deutlich, warum gerade diese Geschichte auch noch erzählt werden muss.

Zusammenfassend hat der Film das Potenzial für drei Filme, da genug Storyline besteht. Der Einführungsteil hätte mit der Rehabilitation von Ryan nach dem Anschlag genügend Erzählstoff für eine kitschige Liebesgeschichte gehabt, dann die eigentliche Handlung den Börsencrash betreffend für einen hochkarätigen Thriller und zuletzt die Storyline um die Terroristen. Wobei hier das größte Potenzial gelegen hätte, denn diese sind keine Islamisten, sondern Russen, die ohne jeglichen spirituellen Grund, sondern aus guter alter Rache, den Amerikanern den Boden unter den Füßen wegbomben wollen.

Fazit

Letztendlich ist aus dem angekündigten hochkarätigen Film mit Tiefgang und ausgeklügelt schlauer Story nichts weiter als ein Actionfilm geworden, der sich mit Börse und Finanzen in ein Gewand zu hüllen sucht, dem er nicht gerecht werden kann. Die überaus blasse Darstellung von Keira Knighley und ihren Kollegen, kann auch von einer exzellent besetzen Rolle und Ausführung von Chris Pine als Jack "Alleskönner" Ryan nicht aufgefangen werden. Der Film bleibt weit hinter den Erwartungen zurück, kann aber als Actionfilm durchaus überzeugen. Die Anzahl der überflüssigen, aber wirklich rasant erzählten und unterhaltenden Szenen ist gut gewählt, sodass "Jack Ryan: Shadow Recruit" zumindest mit einem akzeptablen Unterhaltungswert ausgestattet ist. Leider wirkt die Storyline dabei für den anspruchsvollen Zuschauer übereilt und lieblos zusammengeflickt.

Jamie Lisa Hebisch - myFanbase
27.02.2014

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