Bewertung: 8
Chris Buck, Jennifer Lee

Die Eiskönigin - Völlig unverfroren

"Das ist kein Schneesturm. Das ist meine Schwester."

Foto: Copyright: Disney 2014
© Disney 2014

Inhalt

Im Königreich Arendelle: Prinzessin Anna und ihre ältere Schwester Elsa sind ein Herz und eine Seele. Nur Anna und ihre Eltern wissen um Elsas magische Gabe, alles um sich herum in Eis verwandeln zu können. Eines Tages wird Anna jedoch versehentlich von einem Eisblitz getroffen und verliert jegliche Erinnerung an die besonderen Fähigkeiten ihrer Schwester. Elsa wiederum fühlt sich schuldig und fristet von nun an - auf Wunsch der Eltern - ein unglückliches Dasein hinter verschlossenen Türen. Die Jahre ziehen ins Land und die mittlerweile elternlosen Mädchen sehen Elsas Krönung zur Königin entgegen. Als es schließlich soweit ist und Anna sich überstürzt mit Prinz Hans verlobt, verliert Elsa inmitten der Feierlichkeiten plötzlich die Fassung. Ihre Fähigkeiten nicht im Zaum haltend, verwandelt sie das gesamte Königreich in eine eisige Winterlandschaft. Während sie verzweifelt in die Berge flieht, zögert die lebensfrohe Anna nicht lange und macht sich auf die Suche. Sie will den Sommer zurückbringen - für Arendelle und für Elsa.

Kritik

Es war einmal eine Märchenerzählung namens "Die Schneekönigin", aus der Feder des dänischen Dichters und Schriftstellers Hans Christian Andersen. Die mutige Gerda begibt sich in diesem alljährlich beliebten Weihnachtsklassiker auf eine gefahrvolle Reise, um ihren geliebten Bruder Kai aus den eisigen Klauen der Schneekönigin zu befreien und... das war gestern! Denn völlig unverfroren nahm die Kreativschmiede der Walt Disney Studios ein inspiriertes Update vor und erfreut in diesem Winter mit einem musikalischen 3D-Animationsabenteuer, das weder den kleinen noch großen Kinobesucher (er)kalt(en) lassen dürfte.

Wer liebt sie nicht, die großen Kulleraugen, die unschuldig dreinblicken und binnen weniger Filmminuten zu verzaubern wissen? In "Rapunzel - Neu verföhnt" hat dieser Trick bereits wunderbar funktioniert und so switcht auch in "Die Eiskönigin – Völlig unverfroren" das Herz ganz automatisch auf Sommertemperatur um, sobald die ungleichen Königskinder Anna und Elsa des Nachts heimlich durchs Schloss schleichen und in einer lebendigen Winterlandschaft amüsieren, die Elsa mittels ihrer magischen Gabe aufs Parkett gezaubert hat. Eisblitzartig macht sich bemerkbar: Auch dieses Disney-Märchen verzückt mittels liebevoll gezeichneter Charaktere und phantastischer Ideen. Im Nu weggeschmolzen ist der Umstand, dass die zauberhafte wie tragisch anmutende (Vor)Geschichte sporadisch mit der weitläufigen Landschaft des fiktiven Königreichs Arendelle konkurriert und sich einiger Klischees bedient, die sich u.a. in dem frühen Tod der geliebten Eltern bemerkbar machen.

Das Drehbuch von Jennifer Lee fasziniert unterdessen mit einer erfrischend innovativen Handschrift, sodass lediglich die Prämisse an Andersens "Die Schneekönigin" erinnert. So ist es hier Elsa selbst, die allmählich in die Rolle der Eiskönigin schlüpft und gegen innere Dämonen ankämpfen muss. Die eisigen Kräfte nicht unter Kontrolle, verwandelt sie das Königreich Arendelle kurz nach ihrer Krönung zur Königin in eine bitterkalte Schneelandschaft und flüchtet vor lauter Scham in die Berge. Dort erschafft sie sich einen opulenten Eispalast, dessen Panorama nicht zuletzt wegen der lohnenswerten 3D-Ansicht für eine kuschelig verfrorene Atmosphäre sorgt. Elsas Angst gepaart mit der kontinuierlichen Akzeptanz ihrer Andersartigkeit ergibt schließlich ein stimmiges Bild. Veredelt wird dieses mittels magischer wie berührender Momente, denen eine zeitgemäße Botschaft innewohnt. Unvergessen bleibt ihre Verwandlung von einer verzweifelten jungen Frau in eine divenhafte Eiskönigin und der damit einhergehende Ohrwurm "Lass endlich los", gesungen von Synchronsprecherin Willemijn Verkaik (im Original "Let it go" von Demi Lovato).

Für die gute Laune sorgt wiederum das spaßige Team um Elsas quirlige Schwester Anna. Nachdem Elsa die Flucht ergriffen hat, ist sie es, die sich spontan auf ein Pferd schwingt und sich in ein spannendes Abenteuer stürzt. Nicht minder sympathisch und verrückt gestaltet sich ihre kurz zuvor beschlossene Herz-über-Kopf-Verlobung mit dem weit angereisten Prinz (Charming) Hans. Anna ist eindeutig die gute Seele in "Die Eiskönigin" und macht, neben Schwester Elsa, eine greifbare Entwicklung durch. Da darf der zurückerobernde Sommer gerne auf sich warten lassen, während es heißt: Love is in the Air! An humorvollen Reisegefährten und einem (weiteren) weichkernigen Love-Interest mangelt es nämlich auch hier nicht. Diese finden sich bald in dem breitschultrigen Eisklotzverkäufer Kristoff, einem waschechten Naturburschen, der sich nur ungern über den Tisch ziehen lässt, und seinem besten Freund Sven - ein liebenswertes Rentier, das eine Vorliebe für Karotten hegt und ein gewisses Talent für Komik mit sich bringt.

Für das ganz große Gute-Laune-Kino ist allerdings Schneemann Olaf zuständig, der von Entertainer Hape Kerkeling ein stimmliches Leben eingehaucht bekommt. Bereits Monate vor Filmstart durfte man den drolligen Schneemann in einem Filmteaser bewundern, in dem Rentier Sven ihm seine Nase (eine Möhre) abspenstig machen will. Diese Szene ist im Film leider nicht vertreten und es dauert, bis Olaf fortwährend die Eisfläche betritt. Ist es aber endlich soweit, geht wahrlich die Sonne auf. Dafür ist nicht einmal der zum Schmunzeln einladende Song "Im Sommer", selbst gehaucht von Hape Kerkerling, notwendig. Gleicht "Die Eiskönigin" mit zunehmender Handlung sowieso schon einem Musical, bei dem vielleicht nicht jeder Musiktitel im Ohr verbleiben wird. Dieser tut es! Dicht gefolgt von der märchenhaften Kulisse, die sich sichtbar an der bergigen Landschaft Norwegens orientiert und mittels der detailgetreuen 3D-Ansicht anschaulich ins Bild gesetzt wird. Trotz der teils kalkulierbaren Handlung ergibt sich daraus ein aufregendes Wintermärchen über die herzerwärmende Liebe zweier ungleicher Schwestern, die über vereiste Umwege wieder zueinander und sich selbst finden.

Fazit

Ein märchenhaftes, spaßiges wie innovatives Update von Hans Christian Andersens "Die Schneekönigin", aus der Kreativschmiede der Walt Disney Studios. Spätestens, wenn sich die Eiskönigin völlig unverfroren den Frust von der Seele singt und Schwester Anna heldenhaft zur Rettung naht, schmilzt das Zuschauerherz ebenso hurtig wie der goldige Schneemann Olaf, wenn er sich zu lange am Kaminfeuer wärmt. Kleine (subjektiv betrachtete) Risse im Eis lassen sich da gerne übersehen. Der perfekte Vorweihnachtsfilm für die ganze Familie!

Doreen B. - myFanbase
25.11.2013

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