Bewertung: 7
Joseph Gordon-Levitt

Don Jon

"I can stop."

Foto: Copyright: 2013 Ascot Elite Filmverleih GmbH
© 2013 Ascot Elite Filmverleih GmbH

Inhalt

Jon Martellos (Joseph Gordon-Levitt) Leben besteht hauptsächlich aus Feiern, dem Abschleppen von heißen Frauen und dem Konsumieren von Internetpornos. Dabei ist es vor allem letzteres, welches ihn persönlich am meisten erfüllt. Sein Leben beginnt sich zu ändern, als er die umwerfend schöne Barbara (Scarlett Johansson) kennenlernt und erstmals glaubt, so was wie Liebe zu empfinden. Doch die Sucht nach sexuell aufgeladenem Videomaterial kann auch durch Barbara nicht gemindert werden. Erst als der Womanizer die ältere und leicht labil wirkende Esther (Julianne Moore) kennenlernt, beginnt er zu realisieren, was es wirklich heißt, zu lieben.

Kritik

Nachdem er fast sein ganzes Leben in irgendeiner Form vor der Kamera verbrachte und selbst bei diversen Kurzfilmproduktionen bereits hinter der Kamera agierte, wurde es Zeit, dass Schauspiel-Allrounder Joseph Gordon-Levitt nun auch endlich sein Langfilmdebüt als Regisseur gibt. Mit der lockeren Tragikomödie "Don Jon's Addiction" ist es nun soweit und neben dem Regieposten schrieb der vielseitige talentierte Mime auch das Drehbuch zum Film und spielte auch gleich noch die Hauptrolle eines nach Internetpornos süchtigen Womanizers, der sich erstmals wirklich verliebt, von den Pornoclips aber trotzdem weiterhin nicht genug kriegen kann. Das Endprodukt ähnelt schließlich vielmehr "(500) Days of Summer" als "Shame" und ist trotz der Internetpornothematik vor allem auch eines: äußerst romantisch.

Erkundete Steve McQueen in dem Sexsucht-Drama "Shame" noch die düsteren Seiten unkontrollierbarer sexueller Lust, so nimmt Gordon-Levitt die Pornosucht seines Hauptprotagonisten als Aufhänger einer wilden und unkonventionell erzählten romantischen Komödie mit medienkritischen Elementen, die sich selten wirklich zu ernst nimmt und den Unterhaltungsfaktor in den Vordergrund rückt. Dass der Film vor allem in der ersten Hälfte so ungeheuren Spaß macht, liegt zum Großteil auch am Hauptdarsteller Levitt, der als muskelbepackter Obermacho, welcher den Großteil seiner Zeit mit Internetpornografie verbringt, gleichzeitig aber am Abend noch die heißesten Frauen der Stadt abschleppt, einfach großartig ist. Das ganze Auftreten dieses alles nur oberflächlich betrachtenden Menschen, der in nichts wirklich involviert ist und alles nur für seine Zwecke instrumentalisiert, ist ein Ereignis für sich. Schon allein sein Gang strahlt eine ganz besondere Coolness aus, die einen seine Wirkung bei Frauen verstehen lässt.

Levitts eigener Aussage nach ist dies ein Film über die Liebe und in seinem teils ironischen Spiel mit Klischees des Genres der romantischen Komödie ähnelt er, wie schon erwähnt, Levitts anderer Anti-Romanze "(500) Days of Summer". Hier ist alles aber noch eine ganze Spur schriller, direkter und bissiger. Neben Levitt selbst ist ein weiteres Highlight dieses Films Scarlett Johansson als Traumfrau, die bei genauerem Hinsehen eigentlich gar keine Traumfrau ist. Ist Levitts Charakter Jon süchtig nach Pornofilmen, die auch nicht durch richtigen Geschlechtsverkehr ersetzt werden können, so ist Johanssons Barbara süchtig nach kitschtriefenden Romanzen, in denen der Mann stets alle Wünsche der Frau erfüllt. Diese Gegenüberstellung von überzuckerten Romanzen und hartem pornografischen Material, die beide nichts mehr mit der Realität zu tun haben und nur die pure leere Oberfläche feiern, bindet Levitt gekonnt in seinen filmischen Kosmos ein.

Hier ist man auch wieder bei der Liebe, denn Jons pathologisches Verhalten resultiert gerade daraus, dass er sich einzig im Genuss von Pornofilmen wirklich fallen lassen kann und zur Ruhe kommt. Der Film macht deutlich, dass wirklich wahre Liebe dann vorherrscht, wenn man sich im Partner gänzlich fallen lassen kann und sich dort wirklich geborgen fühlt. Dieses Gefühl spürt Jon erst, als er auf die psychisch labile Esther trifft, die gespielt wird von einer wie immer wunderbaren Julianne Moore, die selbst diesem nicht wirklich gut ausgearbeiteten Charakter Leben einhauchen kann. Ist "Don Jon's Addiction" zunächst eine schnelle, clever geschriebene und mit vielen tollen Einfällen überzeugende Komödie, so driftet der Film im letzten Teil recht unvermittelt in dramatische Gefilde ab, die Levitt in seinem Regiedebüt noch nicht wirklich in den Griff bekommt und die in seiner nicht wirklich gut ausformulierten Art im gesamten filmischen Kosmos etwas deplatziert wirken. Hier wollte der junge Regiedebütant dann schlussendlich doch etwas zu viel.

Dabei gelingt Levitt insgesamt doch ein gut inszenierter Film, der mit einer cleveren Schnitttechnik und überzeugender audiovisueller Gesamtgestaltung ein mehr als ordentliches Debüt ist. Glücklicherweise konnte er aber auch mit einem so tollen Cast zusammenarbeiten, bei dem Scarlett Johansson nochmal extra heraussticht, versprüht sie doch so viel Charisma und Lebendigkeit, dass es einem förmlich aus dem Kinositz reißt. Schon allein für diese Performance sollte man sich ein Kinoticket lösen.

Fazit

Joseph Gordon-Levitts Regiedebüt ist eine schnell und clever erzählte Komödie mit dramatischem Unterbau, die eine Geschichte über die Liebe, aber auch mediale Beeinflussung erzählt und dabei zumeist den richtigen Ton trifft. In manchen Momenten schießt der Debütant zwar ein wenig übers Ziel hinaus, was aber nicht wirklich stört, werden kleinere Mängel durch die famos aufspielende Besetzung doch schnell wieder aufgefangen.

Moritz Stock - myFanbase
08.02.2013

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