Bewertung: 6
Jesse Peretz

Our Idiot Brother

"I like to think that if you put your trust out there, if you really give people the benefit of the doubt, see their best intentions, people will rise to the occasion."

Foto: Copyright: 2012 Senator Film
© 2012 Senator Film

Inhalt

Ned Rochlin (Paul Rudd) würde keiner Fliege etwas zu Leide tun. Mehr durch Gutgläubigkeit ist Ned in die Falle eines Polizisten hineingetapst und hat ihm Gras geschenkt, was er mit einem Knastaufenthalt nun ausbügeln muss. Wieder auf freiem Fuß wird das Leben für ihn nicht einfacher. Seine Freundin Janet (Kathryn Hahn) hat ihn kurzerhand durch einen anderen Lover ersetzt und schmeißt Ned aus dem Haus. Nicht einmal seinen geliebten Hund Willie Nelson darf Ned mitnehmen. Verzweifelt und ohne Obdach sucht er Rat bei seiner Familie. Seine drei Schwestern Natalie (Zooey Deschanel), Liz (Emily Mortimer) und Miranda (Elizabeth Banks) nehmen ihn zunächst gerne auf. Bald stellt Ned durch seine ehrliche Art ihr Leben aber so auf den Kopf, dass sie ihn schleunigst wieder loswerden möchten.

Kritik

Man hätte aus dieser Komödie leicht einen trotteligen, nichtssagenden Film auf unterster Unterhaltungsebene schaffen können. Jesse Peretz belehrt uns eines besseren und überrascht mit einem ernstzunehmenden, keinesfalls oberflächlichen Film über den Ex-Inhaftierten Ned, der mit hoher Wahrscheinlichkeit der harmloseste Mensch auf dem Planeten ist und dem man gute 90 Minuten lang beim Sein zuschaut.

Paul Rudd schafft es durch sein hippiemäßiges Aussehen in Schlabberlook und langen Haaren aus seiner konventionellen Rolle des gutaussehenden, heiratsfähigen Mr. Charming auszubrechen und sich einem liebenswürdigen und chaotischen - im wahrsten Sinne des Wortes - Idioten hinzugeben. Eben durch seine naive, fast schon kindliche Denkweise und Liebenswürdigkeit schließt man Ned sofort ins Herz und würde ihm am liebsten den Friedensnobelpreis in die Hand drücken. Er ist die Hauptattraktion des Films und kann als idiotischer Bruder über die gesamte Spiellänge überzeugen. Die Stärke von "Our Idiot Brother" ist es, Ned niemals als hirnlosen, zurückgebliebenen Deppen darzustellen, sondern das richtige Maß zu finden und Neds Handlungen durch seine gutgläubigen Charakterzüge realistisch zu erklären. Somit wirkt der Film nie überzogen, sondern bewegt sich geschickt zwischen den beiden Genres Komödie und Drama. Einige Längen tun sich dann doch gelegentlich auf, aber das ist immer noch besser als von einem platten Witz zum nächsten zu hetzen. Außerdem hat man sich bei der Handlung sichtlich Mühe gegeben und einige gute Storylines geschaffen.

"Our Idiot Brother" ist überraschend ernst und kritisiert die oberflächliche und falsche Gesellschaft, die gute Menschen wie Ned erbarmungslos ausnutzt. Bestes Beispiel dafür ist Neds zickige Ex-Freundin Janet, die, wunderbar gespielt von Kathryn Hahn, für sehr lustige Momente sorgt, aber auch an Egoismus und Habgier deutlich Kritik ausübt. Aber auch Neds Schwester Miranda und Liz' Ehemann Dylan sind Identifikationsfiguren für die ausbeutenden Charaktere. Der "New Girl"-Regisseur bringt auch seinen Serienstar Zooey Deschanel gekonnt als Neds Schwester unter. Während "Our Idiot Brother" mit klischeeartigen Nebenfiguren gespickt ist, kann Deschanel mit ihrem Charakter der bisexuellen Natalie Rochlin neben Paul Rudd die meisten Sympathiepunkte einheimsen. Hauptattraktion bleibt aber der gutmütige Ned, der von einem Fettnäpfchen ins andere stolpert, dabei aber gleichzeitig unbewusst seine Mitmenschen und besonders seine Familie verändert. Der Film zeigt auf eine amüsante und gleichzeitig tiefgründige Art, dass ein wenig Ned uns allen gut tun würde.

Fazit

"Our Idiot Brother" ist ein Film, den man rundum als sympathisch beschreiben kann. Der Film enthält eine unmissverständliche Botschaft und ist tiefgründiger als man vermuten mag.

Tanya Sarikaya - myFanbase
05.11.2012

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