Bewertung: 6
Alex Kurtzman

Zeit zu leben

All roads lead home.

Foto: Copyright: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Inhalt

Sein Leben ist seine Arbeit und als überzeugender Geschäftsmann ist Sam (Chris Pine) in New York stets auf Trab. Bei seinem letzten Deal geht aber gehörig was schief und Sam muss das Malheur ausbaden. Ausgerechnet jetzt muss er sich aber um eine wichtigere Angelegenheit kümmern. Sein Vater ist gestorben und als einziger Sohn muss Sam in die Heimat nach Los Angelos reisen und sich um die erbrechtlichen Angelegenheiten kümmern. Der Schock ist groß, als Sam erfährt, dass sein Vater 150.000 Dollar nicht an ihn, sondern an seine bisher nicht bekannte Halbschwester Frankie (Elizabeth Banks) und dessen elfjährigen Sohn Josh (Michael Hall D'Addario) vererbt. Also spürt Sam die beiden auf, ohne seine wahre Identität preiszugeben. Während er seine Halbschwester und Josh besser kennenlernt, ist er gezwungen, sich mit seiner bisherigen Auffassung von Familie auseinanderzusetzen.

Kritik

Nach Drehbucherfolgen wie "Transformers" oder "Die Legende des Zorro" wagt sich Alex Kurtzman an seine erste Regiearbeit. Wider Erwarten ist Kurtzmans Debüt "Zeit zu leben" kein Actionfilm, sondern genau das gegenteilige Genre. Die Handlung selbst basiert auf Kurtzmans Erlebnissen, als er Mitte 30 erfuhr, dass er von seinem Vater aus einer zweiten Ehe eine Halbschwester hat. Genau das ist die Stärke des Films, denn die Geschichte wirkt zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt, die Dialoge sind aufrichtig und die Figuren aus dem Leben gegriffen.

Auch wenn die Geschichte von vorne bis hinten durchschaubar ist, folgt man dem jungen Sam in sein neues Leben mit einer Halbschwester nur zu gerne. Chris Pine, der in letzter Zeit oft auf der Actionschiene wie in "Star Trek" oder "Das gibt Ärger" gefahren ist, zeigt hier eine überraschend sanfte und emotionale Seite von sich. Genau solche Rollen kommen ihm gelegen, in denen er zeigen kann, dass mehr als der Aufreißertyp in ihm steckt. Egal ob im Mutter-Sohn- oder Bruder-Schwester Konflikt, Pine harmoniert sehr gut mit den ebenfalls überzeugenden Darstellerinnen Michelle Pfeiffer und Elizabeth Banks. Auch wenn sich der Film besonders auf Sams und Frankies Beziehung konzentriert, können die Momente zwischen Sam und seiner wütenden und einsamen Mutter Lillian am meisten überzeugen. Der langsamen Annäherung zwischen der entfremdeten Familie wird viel Zeit gegeben und kann am meisten rühren.

Für mehr Witz und Schwung sorgt Frankies chaotisches Leben mit ihrem pfiffigen Sohn Josh. Es ist nett anzusehen, wie Sam sich als Wohltäter und Halbbruder in ihr Leben einschleicht und sich dadurch unbewusst selbst ändert. Sams Charakterwandlung ist stets nachvollziehbar und der im Mittelpunkt stehende Sympathieträger kann man in allen Situationen verstehen. "Zeit zu leben" ist liebevoll gestaltet, was besonders an den Charakteren liegt.

An äußerer Handlung ereignet nicht ganz so viel, was manchmal ein paar Längen, besonders bei den Kinogängern mit mehr Handlungsbedürfnis, hervorrufen könnte. Trotzdem macht es Spaß, den Charakteren beim Agieren und ihrer Auffassung von Liebe, Familie und Glück zuzusehen. Als reine Komödie hat "Zeit zu leben" zu wenig lustige Szenen, für ein Drama ist der Film dennoch zu heiter. "Zeit zu leben" bewegt sich zwischen zwei Genres, wobei es hier nicht auf die Storylines und das Was, sondern das Wie ankommt.

Fazit

"Zeit zu leben" ist ein taktvoller Film mit leisen Tönen und sympathischen Charakteren. Wenn es ein wenig ruhiger und gefühlvoller sein darf, ist man bei dem Film genau richtig.

Tanya Sarikaya - myFanbase
24.10.2012

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