Bewertung: 6
Lorene Scafaria

Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt

"We're fucked."

Foto: Copyright: 2012 Universal Pictures Germany
© 2012 Universal Pictures Germany

Inhalt

Nach einem gescheiterten Rettungsversuch ist die Welt nun endgültig dem Untergang geweiht, da die Kollision mit einem Asteroiden kurz bevor steht, der alles Leben zerstören wird. Die Menschen versuchen nun, die ihnen verbliebenen letzten Tage noch irgendwie zu nutzen. Der Versicherungsvertreter und kürzlich von seiner Ehefrau verlassene Dodge (Steve Carell) hat sich beispielsweise vorgenommen, seine alte High-School-Liebe wiederzufinden, um ihr seine wahren Gefühle mitzuteilen. Auf seiner Reise durch das immer mehr dem Wahnsinn verfallende Amerika begleitet ihn seine Nachbarin Penny (Keira Knightley), dessen letzter Wunsch es ist, noch einmal ihre Familie in Großbritannien zu besuchen und dafür ein Flugzeug benötigt, was Dodge ihr verspricht zu besorgen. Es beginnt ein irrer Trip durch die Vereinigten Staaten, in der das Duo Bekanntschaft mit Liebesorgien, Selbstmordattentätern und Bunkerbewohnern macht und sich immer näher kennenlernt...

Kritik

Das Ende der Welt naht: Laut dem Maya-Kalender, welcher im Jahr 2012 endet, geht eben dann auch endgültig die Welt unter und verschluckt den ganzen Planeten. Grund genug, auch im Kino das Thema Weltuntergang wieder auf die Agenda zu setzen: So interpretierte Zerstörungsspezialist Roland Emmerich in seinem Weltuntergangs-Actionspektakel "2012"
das Ende aller Tage als gewaltige Explosionsorgie. Regie-Exzentriker Lars von Trier hingegen schuf mit "Melancholia" einen völlig anders gearteten Untergangsfilm, welcher der völligen Destruktion allen Lebens die Depression einer jungen Frau entgegensetzte und den Weltuntergang schließlich als Erlösung allen weltlichen Leids darstellte. Regisseurin Lorene Scafaria setzt den erzählerischen Katalysator des drohenden Untergangs in ihrem Drama-Komödien-Mix wieder gänzlich anders um und erzählt im Kern eine romantische Komödie der etwas anderen Art. Mit "Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt" ist schließlich ein Film entstanden, welcher eine Mischung darstellt aus Komödie, Weltuntergangsdrama und klassischer Romanze. Ein Cocktail, welcher nicht immer mundet, alles in allem aber doch eine interessante Note aufweist, was vor allem auch an den tollen Darstellern in Person von Steve Carell und Keira Knightley liegt, die ein ganz wunderbar-verschrobenes Leinwand-Paar abgeben.

Der Grund für das drohende Ende der Welt wird nur zu Anfang ganz kurz gestreift und ist im Kern für den Inhalt des Films auch nicht weiter relevant: Entscheidend ist nur, dass die Welt definitiv unwiderruflich untergehen wird. Aus dieser depressiven Ausgangslage wird in der ersten Hälfte des Films auch die Komik bezogen, denn nun können die Menschen machen, was sie wollen und müssen auf gar nichts mehr Rücksicht nehmen, was zu allerhand abstrus-abgedrehten Szenen führt. So wird auf einer Party fröhlich Heroin gespritzt und den Kindern große Mengen von Alkohol eingeschenkt, denn zu verlieren hat niemand mehr etwas. Gerade dieser ziemlich schwarze, respektlose Humor ist zu Anfang die Stärke des Films, der mit seiner Grundprämisse allerhand anzufangen weiß und so für einige richtig gute Lacher sorgt.

Neben diesen komödiantischen Elementen steckt in der ganzen Geschichte natürlich auch ein extrem bitterer Kern, der auch hier nicht ausgespart wird. Es geht um verpasste Chancen und verloren gegangene Träume, die es in kürzester Zeit noch nachzuholen gilt. Durch dieses apokalyptische Szenario wird der Zuschauer geführt von einem auf den ersten Blick ziemlich langweilig erscheinenden, absolut durchschnittlichen Versicherungsvertreter, der gespielt wird von Steve Carell, der genau diese Rolle in Filmen wie "Crazy, Stupid, Love." bereits perfektioniert hat. Gerade diese Apathie und gleichermaßen Gebrochenheit des von Carrell überzeugend dargestellten Dodge, der sich neben dem Ende der Welt auch noch mit seiner gescheiterten Ehe und der verloren geglaubten alten High-School-Liebe auseinandersetzten muss, überzeugt und berührt. Trotz des Endes der Welt lassen sich lebenspraktische Enttäuschungen und gebrochene Herzen nicht einfach heilen, sie sind weiterhin da und man muss sich mit ihnen auseinander setzen. Das wird unmissverständlich klar gemacht.

Den Konterpart von Steve Carell gibt die britische Ausnahmedarstellerin und sonst auf opulente Kostümdramen gebuchte Britin Keira Knightley, die eine mit dem Leben nicht immer wirklich klar kommende, aber trotzdem extrem aufgeweckte junge Frau spielt, die im Vergleich zu Carells Dodge das sprühende Leben darstellt. Diese durch einen Zufall entstandene Kombination ist dann auch das Herzstück des Films, harmonieren Carell und Knightley doch prächtig miteinander und überzeugen sowohl in den komödiantischen, wie auch dramatischen Momenten.

Nach der Entfaltung des Ausgangsszenarios driftet der Film im zweiten Teil immer mehr in Richtung eines klassischen Road-Movies, in denen das Duo Bekanntschaft mit Selbstmordattentätern und einer liebestrunkenen Barbelegschaft macht. Die Ideen, die hier ausgespielt werden, reichen von makaber bis schrullig und schaffen einen ganz eigene Mixtur. Mit fortschreitender Laufzeit und dem immer näher kommenden endgültigen Ende driftet der Film immer weiter in Richtung in Drama und die komödiantischen Elemente geraten immer weiter in den Hintergrund, was aber erzählerisch nur konsequent ist. So hat man es dann immer mehr mit einer klassischen, nicht wirklich innovativ erzählten Romanze zu tun, die ein wenig zu hastig entwickelt wird. Ein wenig mehr Charakterarbeit und die Offenlegung des Innenlebens der Figuren hätten hier sicherlich nicht geschadet und dem Film noch mehr Tiefe verliehen.

Problematisch ist auch noch die Einführung eines ziemlich klischeehaften und abgedroschen wirkenden Vater/Sohn-Konflikts, den es hier nicht wirklich noch gebraucht hätte und den Film nur noch überfrachteter wirken lässt. So wirkt das filmische Endprodukt schlussendlich nicht immer ganz rund und man hat das Gefühl, dass sowohl auf der dramatischen, als auch komödiantischen Ebene noch mehr herausgeholt hätte werden können. Sehr überzeugend und vor allem auch eine Freude für Serienfans ist die Nebendarstellerriege, in der sich bekannte Serienstars die Klinke in die Hand geben. So ist "O.C., California"-Star Adam Brody in einer ziemlich witzigen Szene als Pennys Ex-Freund zu sehen, "Community"-Star Gillian Jacobs als liebestrunkene Barkeeperin und "Friday Night Lights"-Star Connie Britton als Heroin verteilende Partygastgeberin. Somit ist neben den beiden überzeugenden Hauptdarstellern auch die erweiterte Darstellerriege prominent und überzeugend besetzt.

Fazit

Der Film mit dem vielleicht längsten, aber vielleicht auch schönsten Filmtitel des Jahres ist eine bestens besetzte Genre-Mixtur mit schrägem Humor und zutiefst berührenden Momenten, bei der schlussendlich aber noch ein wenig mehr drin gewesen wäre. Trotzdem ist der Film allemal sehenswert, schon allein wegen der unter die Haut gehenden, aufrichtig-emotionalen Schlussszene.

Moritz Stock - myFanbase
26.09.2012

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