Bewertung: 6
James Watkins

Frau in Schwarz, Die

"I'll never forgive!"

Foto: Copyright: 2012 Concorde Filmverleih GmbH
© 2012 Concorde Filmverleih GmbH

Inhalt

Der junge Londoner Anwalt Arthur Kipps (Daniel Radcliffe) ist nach dem Tod seiner Frau ein alleinerziehender Vater, der weder mit seinem Beruf noch mit seinem Leben zufrieden scheint. Sein Chef gibt ihm die allerletzte Chance mit einem scheinbaren Routinefall. Kipps soll in einem verschlafenen Nest das Erbe einer verstorbenen Besitzerin auf einem isolierten Anwesen klären. Im Dorf angekommen, scheint etwas nicht zu stimmen. Kipps hört im alten Herrenhaus seltsame Geräusche und begegnet dort einer in Schwarz gekleideten Frau. Doch die Bewohner wollen Kipps keine Auskunft über die Frau geben und reagieren feindlich. So stellt Kipps Nachforschungen an und kommt einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur. Wann immer die Frau in Schwarz auftaucht, gibt es unschuldige Opfer.

Kritik

Robert Pattinson, Zac Efron und auch Daniel Radcliffe haben es im Filmgeschäft nicht leicht. Sie alle müssen sich von einer Rolle distanzieren, die ihnen auf den Leib geschrieben wurde. Für Daniel Radcliffe ist die Rolle des Harry Potter ein Segen und Fluch zugleich, wie er es in einem Interview passend ausdrückte. Segen, weil er durch diese Rolle zu den berühmtesten Jungstars der Welt gehört. Fluch, weil man ihn nur mit dem Zauberer aus Hogwarts identifiziert.

Es ist also mehr als verständlich, warum Radcliffe die Rolle des Arthur Kipps in der Verfilmung des Thrillers von Susan Hill unbedingt haben wollte. Der Film ist düster, gruselig und Radcliffe spielt einen alleinerziehenden Witwer. Zugeben, es ist anfangs etwas komisch, den eben noch ein Kinderstar plötzlich als Vater auf dem Bildschirm zu erleben. Aber nach kurzer Zeit hat man sich an Radcliffs Arthur Kipps mitsamt Anzug und Koteletten gewöhnt. Radcliffs Mimik und Gestik sind zwar sehr einfältig, passen aber auch zu Kipps zurückgezogenem und traurigen Charakter. So stimmt Radcliffs noch sehr eintöniges Schauspiel mit dem Film überein und er meistert die Herausforderung solide. Im Gegensatz zu anderen Horrorfilmen, in denen einem die Protagonisten völlig egal sind, hofft man für Kipps, dass es ein gutes Ende nehmen wird. Unterstützung bekommt Daniel Radcliffe von Janet McTeer und Ciarán Hinds, die wie gewohnt eine tolle Leistung abliefern.

Abgesehen von dem Trubel um Radcliffs erste Rolle nach der "Harry Potter"-Reihe, die für viele der Hauptgrund sein könnte, sich den Film anzuschauen, ist auch der Film an sich ansehnlich. Das auf alt gemachte Gruselmärchen nutzt die erzeugte Atmosphäre aus und erzählt eine spannende Geschichte, deren Ende man nicht erahnen kann.

Der Gruseleffekt wird mit einfachen Mitteln erreicht. Man vertraut auf Altbewährtes und lässt alle Mysteryfaktoren mit einwirken. Das verregnete England vor Beginn des 20. Jahrhundert bildet die perfekte Kulisse; die knarrenden Türen, verstaubten Spiegel, furchteinflößenden Puppen und ein heruntergekommenes Anwesen laden zum Gruseln ein. Spätestens als Kipps erfährt, dass es dort spucken soll und die Kinder aus dem Dorf sich selbst das Leben nehmen, ist man von der Geschichte gefesselt. Auf billigen Splatter mit viel Blut verzichtet "Die Frau in Schwarz". Stattdessen setzt der Film auf die Location und Schockmomente, die es teilweise in sich haben.

Leider sind die Anfangsminuten recht langatmig geraten und auch zwischendurch kommt es doch zu Längen. Inhaltlich hat man sich Mühe gegeben, allem Sinn und Cleverness zu verleihen, aber die ganz große Offenbarung ist die Story nicht. Wer aber für altmodische Horrorfilme offen ist und Daniel Radcliffe fernab von aller Magie auf der Leinwand sehen möchte, ist bei "Die Frau in Schwarz" gut beraten.

Fazit

"Die Frau in Schwarz" ist ein einfacher aber effektiv gestalteter Horrorfilm mit vielen Gruselmomenten, aber auch einigen Längen. Jungstar Daniel Radcliffe kann eine andere Seite von sich zeigen, aber der große Ausbruch aus seiner langjährigen "Harry Potter"-Rolle ist es für ihn noch nicht.

Tanya Sarikaya - myFanbase
02.04.2012

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