Bewertung: 8
Gary Ross

Tribute von Panem, Die - The Hunger Games

"Ich frage mich die ganze Zeit, wie ich ihnen zeigen kann, dass sie mich nicht besitzen. Wenn ich sterbe, will ich trotzdem ich selbst sein." - "Ich kann mir nicht leisten so zu denken."

Foto: Copyright: STUDIOCANAL GmbH
© STUDIOCANAL GmbH

Inhalt

Nordamerika ist zerstört. Aus den Trümmern entstand ein neues Land: Panem. Panem ist in 12 Distrikte unterteilt. Diese werden vom Kapitol geleitet und beherrscht. Vor einiger Zeit gab es auch einen 13. Distrikt, der jedoch nach Aufständen und Krieg zerstört wurde. Als Warnung, dass sich die Bürger künftig an die Regeln des Kapitols zu halten haben, werden jedes Jahr die sogenannten Hunger Spiele veranstaltet. Jeder Distrikt muss ein Junge und ein Mädchen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren auswählen und in eine Arena schicken. Dort kämpfen sie um Leben und Tod. Der oder die Überlebende darf sich dafür auf ein Leben im Luxus freuen. Als Primrose Everdeen (Willow Shields) erwählt wird, meldet sich ihre 16-jährige Schwester Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) freiwillig. So tritt sie einen nahezu aussichtslosen und vor allem blutigen Kampf gegen 23 andere Kinder und das allmächtige Kaptiol an.

Kritik

Lang erwartet, heiß ersehnt. Endlich ist er in den Kinos. Der Film, auf den ich seit Zuschlagen des Buchdeckels warte. Doch genau dort liegt auch das Problem des Films. Es ist eben eine Literaturverfilmung. Mag sein, dass ich zu viel erwartet habe, aber zu meinem Bedauern hat der Film einige Schwächen gezeigt und mit denen fange ich an.

Keine Hovercrafts, die die Leichen aus der Arena ziehen, keine Avoxe, keine Madge, kein Rindfleischeintopf und wenig Gale. Wem all dies nichts sagt, der hat eben nur den Film gesehen. Wie es nun mal so ist und auch sein muss, wurden viele Dinge und Erzählstränge des Buches weggelassen. Bei manchen Dingen ist dies nicht so tragisch, denn dass die Erzählung rund um Madge den Rahmen des Films gesprengt hätte, ist klar, doch muss man wirklich so etwas elementares wie Avoxe und Hovercrafts unterschlagen? Es wäre weder ein zeitliches noch ein finanzielles Problem gewesen, diese Dinge noch unterzubringen. Auch manche Effekte wirken etwas schwach. So zum Beispiel die Flammen der Kostüme von Peeta (Josh Hutcherson) und Katniss. Mag sein, dass das Budget für Teil 1 einfach noch nicht so hoch war, oder sich die Kostümdesigner für den zweiten Teil Spielraum nach oben lassen wollten, doch es enttäuscht ein wenig.

Am meisten hat mich jedoch der krampfhafte Versuch erzürnt, den Film für Zuschauer ab 12 Jahren freizugeben. Man merkt immer wieder, dass sich vieles nicht getraut wird. Wenig Blut, alberne Wunden, Verwischungseffekte, um bloß nicht zu viel Gewalt zu zeigen. Doch darum geht es in den Hunger Spielen nun mal: Gewalt, Brutalität, Blut, Verletzungen ... Entweder sie hätten sich mehr trauen und darauf hoffen müssen, dennoch die Freigabe zu bekommen (ich habe Filme ab 6 gesehen, die grausamer und furchteinflößender waren), oder aber man nimmt eben die Freigabe ab 16 in Kauf. Dadurch würde zwar ein großer Teil des Publikums verloren gehen, doch ich denke ein mindestens genauso großer Teil würde neugierig und somit gewonnen werden. Zudem würden andere Fans nicht enttäuscht zurück bleiben. Ich bin eigentlich gar nicht der Film-Typ, der auf übermäßige Gewaltdarstellungen steht, doch hier gehört es einfach dazu. Man braucht es, um zu verstehen und zu fühlen, was die Charaktere fühlen. Und hiermit kommen wir zu der größten aber auch letzten Schwachstelle: Buch vs. Film.

Das ist eigentlich ein Vergleich, den man nicht allzu stark anstellen sollte, doch in diesem Fall gibt es einfach einen zu großen Unterschied. Dieser äußert sich gar nicht mal inhaltlich, sondern vielmehr im Sinne des Gehalts. Ich bin der Meinung und so habe ich es auch bei Freunden, die das Buch nicht kennen, wahrgenommen dass viele Hintergründe im Film unvermittelt bleiben. Vieles wird einfach nicht deutlich. Warum müssen die sich gegenseitig abschlachten? Warum sind auf einmal alle so mordgeil? Was empfinden die Charaktere füreinander? Was ist gespielt, was ist echt? Wieso ist Rue (Amandla Stenberg) für Katniss so wichtig? Und wer, verdammt nochmal, ist nun dieser Gale (Liam Hemsworth)? Daraus ergibt sich die Problematik des Empfindens. Ich habe in jeder Szene mitgefiebert und in meine Kinosessellehne gebissen. Doch ohne diese ganzen Hintergrundinformationen, die ich aus dem Buch hatte, hätten mich wohl viele Stellen kalt gelassen. Das starke Gefühl, dass ich beim Lesen hatte, konnte mir der Film auch nur vermitteln, da dieses Gefühl schon in mir war. "Harry Potter" und "Twilight" mag man es nun oder nicht bringen auch ohne Buchvorlage die Emotionen auf die Leinwand. Sagen wir es so eigentlich eröffnet sich hier eine große Schwäche des Films, doch nur für die Anti-Leser.

So, genug gelästert. Natürlich hat der Film auch seine 8 Punkte verdient und an vielen Stellen überzeugen können. Am allerstärksten sind die Schauspieler. Unerwartet überzeugt mich Jennifer Lawrence über alle Maßen. Sie fühlt sich voll und ganz in die Rolle der starken, kämpferischen aber auch zynischen und eigenwilligen Katniss ein. Auch Peeta und die anderen Kinder sind ziemlich gut besetzt und Lenny Kravitz als Cinna ist einfach nur genial. Gale hätte für meinen Geschmack etwas mehr Charakter und auch Schönheit haben können aber das ist und bleibt Geschmackssache.

Die Handlung des Buches ist bis auf einige, bereits erwähnte Auslassungen ziemlich detailgetreu und kontinuierlich übernommen worden. Die Kostüme sind größtenteils genial. Insbesondere die Aufmachung der Kapitoleinwohner ist genauso, wie ich sie mir vorgestellt habe: Eimer von Schminke, verrückte Hüte und Brillen sowie alberne Tatoos. Die Arena sieht super aus, genau wie die Schaltzentrale der Spielemacher.

Der Film unterhält, erzeugt Spannung und macht Lust auf mehr. Ich fand ihn insgesamt stark und mir lief nicht nur einmal ein kalter Schauer über den Rücken. Allein die Story ist so gut, dass der Film kaum schlecht werden konnte. Trotz einiger Schwächen, die jedoch wie erwähnt auch sehr viel mit der Buchvorlage in Verbindung stehen, ist der Film für mich ein KINOMUSS dieses Jahres. Auch, wenn mein Abschnitt mit der Negativkritik wesentlich wortreicher ausgefallen ist als der lobende Teil, fand ich den Film wirklich toll. Die aufgezeigten Schwachstellen machen eigentlich einen kleineren Teil des Filmerlebnisses aus. Der wesentlich größere Teil besteht aus staunen, fühlen und nicht blinzeln wollen, um auch ja kein Bild zu verpassen. Ich kann kaum erwarten, dass es schon bald erneut heißt: "Fröhliche Hungerspiele und möge das Glück stets mit euch sein."

Fazit

Ich beantworte zunächst die Hauptfragen zum Film:
Hat sich das Geld gelohnt? JA! Würde ich ihn noch einmal sehen? Auf jeden Fall! Ist das wieder einer dieser Mädchen-Teeniefilme? NEIN! Dies ist in erster Linie eine sehr gelungene und unterhaltsame Literaturverfilmung, die die Helden der Leser auf die Leinwand bringt. Auch für alle, die das Buch nicht kennen, wird viel Unterhaltung geboten, doch der Film bleibt ohne das Hintergrundwissen leider an einigen Stellen etwas flach. Dennoch kann ich den Film nur weiterempfehlen. Geht fleißig in die Kinos, bringt dem Film viel Geld ein, denn ich will auf jeden Fall einen zweiten und auch dritten Teil sehen. Doch wer will und kann, sollte zuerst das Buch lesen, denn dann ist einerseits der Lesespaß größer und auch der Film wird gehaltvoller und spannender, als er eh schon ist.

"Die Tribute von Panem" - Das große myFanbase-Special
"Die Tribute von Panem - The Hunger Games"-Fotogalerie


Janina Funk - myFanbase
25.03.2012

Diskussion zu diesem Film