Bewertung: 7
David Schwimmer

Trust - Die Spur führt ins Netz

"The only thing we can do is be there for each other when we do fall down to pick each other up."

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Inhalt

Annie (Lina Liberato) ist ein ganz normales 14-jähriges Mädchen. In ihrem Leben dreht sich alles um die Schule, den Schulsport und langsam auch um Jungs. Zu ihrem Geburtstag bekommt sie schließlich einen Laptop geschenkt, mit dem sie auch von ihrem Zimmer aus ins Internet gehen kann. Dort hat sie bereits den 16-jährigen Charlie (Chris Henry Coffey) aus Kalifornien kennen gelernt. Monatelang haben sie über Gott und die Welt geschrieben und nun wollen sie sich endlich treffen. Doch vorher muss Annie noch erfahren, dass er gar 16 Jahre alt ist und sie auch in anderen Dingen angelogen hat. Dennoch trifft sich Annie mit Charlie, doch als dann ein 35-jähriger Mann vor ihr steht, ist sie geschockt. Was dann passiert, verändert das Leben von Annie und ihrer Familie für immer.

Kritik

Seit es das Internet gibt, wird vor den Gefahren dessen gewarnt. Gerade für Jugendliche ist das Internet aus dem Tagesgeschehen kaum noch wegzudenken. Ob Facebook, private Chats oder E-Mail, wer kein Internet hat, ist Außenseiter. Die Welt ist globaler geworden, so dass es kein Problem mehr ist, Leute außerhalb der Schule, der Stadt oder des Landes kennen zu lernen. Genau hier steckt eine weitere Gefahr im Internet – vor der gerade bei Jugendlichen immer gewarnt wird: die Chatrooms. Während jedoch der Jugendliche oftmals nicht wahrhaben will, dass hinter dem scheinbar so sympathischen Foto eines Freundes in einer entfernten Stadt eben nicht dieser steckt, so haben die Eltern hier oft schon die Gewalt über ihre Kinder verloren. Die Kinder schreiben über ihr Seelenleben, über ihre verhassten Eltern mit ihrem scheinbar neuen Freund. Bald kommt es zum Treffen und obwohl dies durchaus auch gut gehen kann, so hört man immer wieder vom Gegenteil.

Diese Gefahr thematisiert der Film "Trust". Alles beginnt scheinbar harmlos. Annie ist ein fröhliches, sportliches und ausgeglichenes Mädchen, das sich langsam aber sicher auch für Jungs interessiert. Da lernt sie im Chat den 16-jährigen Charlie kennen, dem sie sich schnell anvertraut. Zunächst beschränken sich die Themen auf den Schulsport und anderes, bis Charlie ihr eröffnet, dass er gar nicht 16, sondern 20 Jahre alt ist. Der erste Schock, doch Annie ist bereits verloren, vertraut sie ihm doch weiterhin. Bald kommt es zum Treffen und bei diesem ist Charlie weder 20 noch in den 20ern. Ein mindestens 35-jähriger Mann steht vor der 14-jährigen Annie, die vor allem schockiert über die Entwicklung ist. Dennoch ist das Vertrauen nicht gebrochen und Annie bleibt bei ihm. Sie verbringen einen schönen Nachmittag miteinander und schließlich auch die Nacht in einem Hotelzimmer.

Doch vor allem das, was nun geschieht, hinterlässt einen bleibenden Eindruck beim Zuschauer. Die verzweifelten Eltern, die Tochter, die immer noch an die große Liebe glaubt und die Enttäuschung, wenn klar wird, dass Charlie tatsächlich nicht der war, für den sie ihn gehalten hat. All das erlebt der Zuschauer mit, ohne auch nur einen Zweifel an den Entscheidungen und den Handlungen der Charaktere zu haben. Während sich das Leben aller Beteiligten ändert, fragt sich der Zuschauer zunehmend, wie er wohl reagieren würde. Gerade dafür lässt der Film nämlich noch genug Freiraum.

Das die zweite Regiearbeit von "Friends"-Darsteller David Schwimmer, der als ulkiger Ross weltbekannt wurde, so einschlägt und fesselt ist auch den Darstellern zu verdanken. Clive Owen als verzweifelter Vater, der kaum selber mit dem Erlebten klarkommt und dennoch alles erdenklich Mögliche versucht, um den Schuldigen zu überführen. Owen ist hier in einer seiner besten Rollen zu sehen, in der als liebevoller Familienvater ebenso überzeugt, wie als hilfloser und wütender Vater, der seine Emotionen nicht einzuroden weiß. Dabei ist "Trust" kein – wie vom DVD-Cover und dem Pressetext anzunehmen war – Rachethriller. Der Fokus des Films liegt nicht darin, sondern in den persönlichen Auswirkungen auf die Charaktere. Mit mehr Action hätte der Film wohl keinen Direct-to-DVD-Release bekommen und wäre (erfolgreich) im Kino gelaufen. So allerdings ist er vor allem ein Lehrfilm, der den Zuschauer fesselt, aber keineswegs auf fröhliche Art und Weise unterhält.

Auch Catherine Keener überzeugt in der Rolle der Mutter. Sie ist der Ruhepool im Cast und schafft es hervorragend, sich selbst etwas zurückzunehmen um der Rolle der unterstützenden Mutter gerecht zu werden. In der Rolle der Annie feiert hingegen Lina Liberato ihr Filmdebüt und überzeugt auf ganzer Linie. Keine Sekunde zweifelt man an der Naivität des jungen Mädchens, vielmehr möchte man sie schütteln und rütteln und ihr sagen, wie dumm ihr Verhalten doch ist. Auch in jenen Momenten, in denen sie beispielsweise zu Charly ins Auto steigt, schafft es Liberato perfekt, die innere Zerrissenheit ihres Charakters darzustellen.

David Schwimmer gelingt es darüber hinaus äußerst gut, das Element Chat in den Film mit einfließen zu lassen. Ob Annie nun von unterwegs aus schreibt, am Schreibtisch oder auf dem Bett sitzt, der Zuschauer muss keinesfalls minutenlang die Erzählungen der letzten Minuten nachlesen. Vielmehr bekommt er stückchenweise serviert, worüber sich Annie und ihre Internetbekanntschaft unterhalten, so dass auch hier genug Freiraum bleibt.

Was nach dem Ende bleibt ist mulmiges Gefühl, das vor allem durch die realitätsnähe des Themas noch verstärkt wird. Dabei ist der Film wohl der perfekte Lehrfilm, den sich Eltern mit ihren Kindern ansehen sollte um diesen auf beklemmende und filmische Weise eine Gefahr des Internets zu präsentieren.

Fazit

Das hat nun gar nichts mehr mit dem Regiedebüt "Run Fatboy Run" von "Friends"-Darsteller David Schwimmer zu tun. "Trust" ist ein bedrückender, bewegender und einfühlsamer Thriller, der tief in die Seele schauen lässt und der den Zuschauer mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend zurücklässt. Dabei ist er weniger der Rache-Film der vielerorts versprochen wird. "Trust" unterhält den Zuschauer weniger, als dass er ihn fesselt. Definitv kein Feel-Good-Movie, doch ein realitätsnaher Film, der auf berührende und bedrückende Weise zeigt, was passieren kann.

Eva Klose - myFanbase
08.02.2012

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