Bewertung: 7
Cary Fukunaga

Jane Eyre

"Finden Sie mich gutaussehend?" "Nein."

Foto: Copyright: TOBIS Film
© TOBIS Film

Inhalt

Nachdem Jane Eyre (Mia Wasikowska) eine strenge Erziehung in einem Internat erhielt, bekommt sie eine Anstellung als Gouvernante des Mündels von Mr. Rochester (Michael Fassbender). Dieser ist ein strenger Herr, doch Jane findet einen Zugang zu ihm. So wird langsam aus Freundschaft Liebe und auch die Hochzeit wird geplant. Doch vor dem Altar kommt Jane hinter ein düsteres Geheimnis ihres Geliebten.

Kritik

Die meisten Liebesfilme aus Hollywood folgen einem einfachen Muster: Mann und Frau verlieben sich und finden am kitschigen Ende des Filmes nach einigen Irrungen und Wirrungen zusammen. Doch das muss nicht immer so sein. Das mag vor allem daran liegen, dass die Grundlage des Films, das Buch von Charlotte Brontë, schon einige Jahrhunderte alt ist und keiner damals an kitschige Enden dachte. Die Geschichte über die junge, gut erzogene Frau, die keine Familie hat und in ihrem Arbeitgeber einen Seelenverwandten findet, ist vielleicht einigen bekannt. Doch die Art, wie der Klassiker umgesetzt wurde, gab es wahrscheinlich noch nie.

Da das Buch sehr umfangreich ist, wurden einige Stellen etwas gekürzt. So wurde ein Großteil von Janes Kindheit im Internat vernachlässigt, was für mich wirklich verschmerzbar ist, da es zur späteren Handlung nur wenig beiträgt. Jedoch haben mir die ganzen Wortgefechte und Neckereien zwischen Mr. Rochester und Jane gefehlt. Man konnte den Unterschied zwischen seiner schroffen Art den Angestellten gegenüber und den doch liebevoll gemeinten Scherzen Jane gegenüber nicht unterscheiden. Ich glaube, wenn man die Geschichte nicht schon vorher kannte, durch das Buch oder eine andere Verfilmung, ist es wirklich unvorhersehbar, dass Mr. Rochester Jane einen Heiratsantrag macht. Dabei machen meiner Meinung nach genau diese Spielchen zwischen den beiden die Faszination der Geschichte aus.

Mia Wasikowska macht in diesem Film eine wirklich gute Arbeit. Die Art, wie sie Jane Eyre darstellt, ist fantastisch. Man glaubt ihr sowohl in den Szenen, wo Jane verletzt wird, als auch wenn sie sich gegenüber ihren Gegnern behaupten muss. Aber Wasikowskas Leistung wird nur durch einen geschmälert: Michael Fassbender. Die Intensität, mit der er Mr. Rochester darstellt, ist unglaublich. Als er sie, kurz bevor sie ihn verlässt, in den Arm nimmt und zum bleiben "überreden" will, ist es mir im Kino wirklich kalt den Rücken herunter gelaufen. In dieser Szene sind beide grandios. Man fühlt den Schmerz, dass sie sich trennen müssen, aber man sieht, wie schwer es den beiden fällt.

Leider hat mir nicht sehr gut gefallen, wie St. Rivers dargestellt wurde. Das lag nicht an Jamie Bell, sondern an den Kürzungen der Drehbuchautorin. Im Buch ist er zwar kaltherzig, aber nie Jane gegenüber. Eine andere Sache war es mit Mrs. Poole. Die kam im ganzen Film nicht wirklich vor, doch hat sie im Buch eine zentrale Rolle. Das ganze Mysterium um das nächtliche Feuer oder auch die Schreie sind eng mit ihr verbunden.

Wer eine Verfilmung erwartet, die sich streng an das Buch hält, ist hier wahrscheinlich falsch. Zu diesem Zweck sollte man sich lieber die BBC-Verfilmung von 2006 ansehen. Wenn man sich aber eine wirklich gut inszenierte Literaturverfilmung mit hervorragenden Schauspielern ansehen will, sollte man diesen Film in Erwägung ziehen.

Fazit

Ein düstere und tragische Liebesgeschichte, die auch über ein Jahrhundert später noch sehr gut funktioniert.

Viktoria Reicht - myFanbase
04.01.2012

Diskussion zu diesem Film