Bewertung: 7

Roller Girl

Manchmal ist die schiefe Bahn der richtige Weg.

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Inhalt

Bliss Cavendar (Ellen Page) ist von dem Kleinstadtleben in Texas angeödet und möchte gern mehr von der Welt sehen. Stattdessen nimmt sie ihrer Mutter (Marcia Gay Harden) zuliebe an örtlichen Schönheitswettbewerben teil und arbeitet in einem kleinen Diner. Bei einem Ausflug nach Austin entdeckt sie einen Werbeflyer für ein Roller Derby und beschließt kurzerhand, sich dieses mit ihrer besten Freundin Pash (Alia Shawkat) anzusehen. Von diesem Sport ist Bliss vollkommen fasziniert und da eine der beiden Mannschaften, die "Hurl Scouts", neue Spielerinnen sucht, nimmt sie an der Probe teil und schafft es sogar in das Team. Von nun an muss sie hart trainieren und ihre neue Leidenschaft auch vor ihren Eltern geheim halten, was natürlich nicht lange gut geht.

Kritik

Nach "Juno" und "Inception" findet nun also wieder ein Film mit Ellen Page in die deutschen Kinos. Zwar wurde dieser schon 2009 abgedreht, aber eigentlich interessiert das keinen wirklich. Sollte es auch nicht, denn "Roller Girl" ist nicht nur von Ellen abhängig, sondern auch die anderen Darsteller tragen ihren Teil bei.

Da ist einmal die gesamte Familie von Bliss, die herrlich verschroben ist und ihren ganz eigenen Teil des Vorstadtfamilien-Klischees erfüllt. Die Mutter und Bliss' Schwester sind auf das gesellschaftliche Ansehen fixiert, während des Vater eher ein bisschen so ist wie Bliss, und ab und an heimlich sein eigenes Ding durchzieht. Da wundert es einen eigentlich nicht, dass Ellens Charakter dem irgendwann müde wird und in irgendeiner Art auszubrechen versucht. Im selben Atemzug entdeckt sie das Rollerderby, was die ganze Sache erst richtig interessant macht. Bei den Rennen fiebert man mit und fast bekommt man selbst Lust, einmal mitzuspielen und einen ähnlich merkwürdigen Namen wie "Babe Ruthless" mit sich herumzutragen. Außerdem ist der Sport interessanter, als manch einer denken mag und ich würde sogar behaupten, dass der Film von diesem bisher noch neuen Thema erst richtig lebt. Denn mal ehrlich, Geschichten über Jugendliche, die zu sich selbst finden, gibt es eigentlich schon zur Genüge. Doch die Versuche von Bliss, sich in ihre neue Mannschaft zu integrieren und es trotzdem ihrer Familie recht zu machen, passen stimmig in das Gesamtbild und man kann im Film eine ordentliche Entwicklung von ihr beobachten. Dabei schwankt sie zwar zwischenzeitig auch zwischen dem Sport und ihren Freunden, findet aber doch wieder zu ihrem eigentlichen Wesen zurück.

Was mir zeitweise aber ein wenig suspekt erschien, war das Auftauchen des potentiellen Freundes Oliver und schließlich die aufkeimende Beziehung zu ihm. In den ersten Szenen war mir das zu viel des Guten, da Bliss nun neben ihrer Familie, ihren Freunden und dem Rollerderby-Team auch noch eine weitere Beziehung aufrechterhalten musste und dafür eigentlich im Film kein Platz mehr war. Doch mit der Zeit gewinnt Bliss durch die nicht gerade rosig verlaufende Fernbeziehung an Charakterstärke hinzu und dank ihrer Auseinandersetzung mit Oliver am Ende weiß man wieder, wieso diese Geschichte überhaupt in den Film gekommen ist. Während des Filmes hat sich Bliss sozusagen selbst gefunden und die letzten Minuten zeigen, was nun aus ihr geworden ist.

Die weiteren Stars in dem Film sind auf jeden Fall die Mädels vom Rollerderby. Obwohl sie Gefahr laufen, sich ernsthaft zu verletzen, legen sie eine gewisse Leichtigkeit an den Tag. Diese lässt sie aber auch vergessen, dass sie eigentlich gar kein so gutes Team sind und die Erkenntnis, dass sie sich besser organisieren müssen, gewinnen sie erst durch einen harten Zusammenprall mit einem gegnerischen Team. Ab da geht es stetig bergauf und man freut sich für die Frauen, deren Namen aus dem "richtigen" Leben man nicht einmal kennt. Zu der Gesamtstimmung während der Trainings und der Rennen trägt aber auch der Coach der Mannschaft bei. Razor ist nun nicht gerade ein Gewinnertyp, aber er legt eine ordentliche Portion Ironie an den Tag, die mir richtig gut gefallen hat.

Ein wenig gewundert hatte ich mich aber darüber, dass Drew Barrymore eher eine Nebenrolle spielt, obwohl sie als Hauptdarstellerin aufgeführt wird. Sie spielt eine der Derby-Fahrerinnen und ist eine mächtig aufgedrehte Person. Leider hat sie nicht genug Zeit im Film bekommen, um ihrer Rolle mehr Tiefe zu verleihen, aber daran ist sie wohl auch selbst Schuld. Schließlich führt hier zum ersten Mal Regie. Verständlich also, dass dies schon das meiste an Arbeit gekostet hat.

Fazit

Der Film bietet ein ordentliches Stück Unterhaltung, vor allem da die Thematik der Roller Derbys wirklich spannend ist. Die Charaktere können von sich überzeugen und es ist schön, dass man bei Bliss am Ende des Filmes deutlich eine Veränderung in ihrem Wesen erkennen kann.

Luisa Schmidt - myFanbase
22.04.2011

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