Bewertung: 8
Jaume Collet-Serra

Unknown Identity

"Wissen Sie, wie das sich anfühlt, wahnsinnig zu werden, Doktor? Es ist wie ein Kampf zwischen dem, was man vielleicht ist und dem, was man zu sein glaubt. Was wird die Oberhand gewinnen?"

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Inhalt

Dr. Martin Harris (Liam Neeson) ist mit seiner Frau Elizabeth (January Jones) nach Berlin gereist, um dort einen Vortrag auf einem Biotechnologiekongress zu halten. Bei der Anreise wird ein Gepäckstück vergessen und so nimmt sich Harris ein Taxi zurück zum Flughafen. Doch unterwegs passiert ihm ein Autounfall und er erwacht einige Tage später aus dem Koma in einem Krankenhaus. Halbwegs genesen kommt schon der nächste Schock: Seine Frau kann sich nicht an ihn erinnern und an ihrer Seite taucht ein Mann (Aidan Quinn) auf, der sich selbst für Dr. Martin Harris ausgibt. Zusammen mit der Taxifahrerin Gina (Diane Kruger) findet er bald heraus, warum sich keiner mehr an seine Identität erinnert.

Kritik

Regisseur Jaume Collet-Serra, der außer mit "House of Wax" noch nicht auf sich aufmerksam machen konnte, schafft es nun mit diesem cleveren Film, ein wenig länger im Gedächtnis der Zuschauer zu bleiben. Keine fünf Minuten sind vergangen und schon fängt der Schlamassel für Dr. Martin Harris an. Ohne lange Verzögerung steigt der Film gleich mitten in das Geschehen ein und der Zuschauer ist nach sage und schreibe zehn Minuten völlig verwirrt. Was geht hier nur vor und hat man es hier mit etwas Übernatürlichem oder rational Erklärbarem zu tun, fragt man sich, und die Antwort lässt lange auf sich warten. Genau so wünscht man sich einen spannenden Thriller.

Dr. Martin Harris hat wie aus dem Nichts seine Identität verloren und schon allein die Vorstellung, in einem fremden Land ohne einen Ausweis oder Namen herumzuirren, ist mehr als beängstigend. Wieder wird bewiesen, dass es für einen guten Thriller keine großen Actionszenen mit viel Geschoss und Bombardiere geben muss. Natürlich gibt es auch in "Unknown Identity" viele Verfolgungsjagden, aber auf große Hollywoodaction wird hier verzichtet und das ist auch gut so, denn so entwickelt der Film seine eigene Richtung. Es sind die Wendungen und der zunehmende Beweis, dass sich Harris irrt, obwohl die Zuschauer ganz eindeutig in den Anfangsminuten seine Frau und sein Leben kennengelernt hatten. Man weiß plötzlich nicht mehr, ob das alles Harris' Einbildung war oder ob es tatsächlich jemand auf ihn abgesehen hat. Diese verstrickte Handlung hat es absolut in sich und man ist wie gefesselt.

Es mag vor allem an dem wieder einmal genialen Liam Neeson liegen, dass man sich so gut in seine Person hineinversetzen kann. Mit unglaublicher Brillanz spielt er Dr. Martin Harris (oder auch nicht?), so dass man sich komplett mit ihm verloren fühlt. Sein Denken und Handeln sind äußerst realistisch, denn man würde wahrscheinlich genau dasselbe tun. Neeson hat mit Abstand die meiste Screentime und so dienen Diane Kruger als auch der Rest des Casts, der nur so von berühmten Namen glänzt, nur als Ergänzung und Mittel zum Zweck. Dennoch kann auch Kruger überzeugen und spielt Gina äußerst überzeugend. Außerdem spielt der gesamte Film in Berlin und zeigt, dass es keine amerikanischen Riesenmetropolen benötigt, um eine authentische und schöne Kulisse zu haben.

Leider verlieren Filme mit schnellem Anfangstempo oftmals an Fahrtwind, wenn die erste Hälfte vorbei ist, aber hier ist genau das Gegenteil der Fall. Die Handlung wird von Minute zu Minute mysteriöser. Die Story ist von vorne bis hinten ausgeklügelt und sehr originell. Logikfehler gibt es scheinbar keine, zumindest lässt der Regisseur es nicht zu, groß darüber nachzudenken. Doch am Ende fragt man sich schon, warum Harris nicht gleich seinen Aktenkoffer mit seinen Ausweisen geholt hat, um seine Identität zu beweisen. Auch seine Frau Elizabeth handelt etwas außerhalb der Norm, möchte man denken. Dennoch hat am Schluss alles seine Richtigkeit, denn die Auflösung ist klasse und vor allem eines: unerwartet.

Fazit

"Unknown Identity" hat es in sich und überzeugt vor allem durch das grandiose Ende. Ein spannender und durchaus verwirrender Kinoabend ist garantiert.

Tanya Sarikaya - myFanbase
22.03.2011

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