Bewertung: 7
Danny Boyle

127 Hours

"You know, I've been thinking. Everything... just comes together. It's me. I chose this. I chose all this. This rock... this rock has been waiting for me my entire life. Its entire life, ever since it was a bit of meteorite a million, billion years ago. In space. It's been waiting, to come here. Right, right here. I've been moving towards it my entire life. The minute I was born, every breath that I've taken, every action has been leading me to this..."

Foto: Copyright: 2010 Twentieth Century Fox
© 2010 Twentieth Century Fox

Inhalt

Der abenteuerlustige und furchtlose Bergsteiger Aron Ralston (James Franco) begibt sich in Utah im Jahre 2003 auf eine Canyon-Wanderung ohne jemandem zu sagen, wo er ist, verunglückt und wird durch einen Felsbrocken, der seinen rechten Arm zerquetscht, in einer Felsspalte eingeklemmt. Fünf Tage lang verharrt Aron in der Spalte und versucht auf jede nur erdenkliche Art, sich zu befreien, bis er sich schließlich zu einer verzweifelten Maßnahme entscheidet, um sein eigenes Leben zu retten.

Kritik

Die Geschichte rund um den Bergsteiger Aron Ralston ist geradezu prädestiniert dazu, verfilmt zu werden. Da begibt sich jemand durch Unachtsamkeit und das Überschätzen der eigenen Fähigkeiten in eine Situation, aus der es im ersten Blick keinen Ausweg gibt, um sich am Ende dann doch aus dieser mit einer aufopferungsvollen Aktion zu befreien. Ralston war nicht umsonst nur kurze Zeit nach seinem Unfall bei jeder Late Night Talk Show in den USA, die man sich vorstellen konnte, wurde 2003 "Man of the Year" bzw. "Person of the Year" in den Magazinen GQ und Vanity Fair, und veröffentlichte 2004 seine heißersehnte Autobiogaphie "Between a Rock and a Hard Place".

Einzig ein kleines Detail ließ die geradezu unglaubliche Geschichte um Ralston ganze sechs Jahre warten, bis es schließlich zur Verfilmung durch Danny Boyle ("Slumdog Millionär") kam, auch wenn dieser seit längerem den Plan dazu hatte: Ralston konnte sich erst dann befreien, als er sich mit einem stumpfen Messer seinen eigenen Unterarm amputierte, also nicht unbedingt etwas, das man dezidiert und in Großaufnahme auf der Kinoleinwand sehen möchte. Schnell machten die ersten Gerüchte die Runde, dass bei den ersten Aufführungen von "127 Hours" Teile des Publikums bewusstlos wurden, weil sie die realistische Selbstamputationsszene, die aufgrund ihrer Schlüsselposition für die Handlung natürlich in irgendeiner Form gezeigt werden muss, nicht verkrafteten. Am Ende ist aber natürlich alles nur halb so schlimm wie die anfängliche Aufregung vermuten mag, und Danny Boyles neuestes Werk bekam aus einer Vielzahl von Gründen viel Lob.

Vor allem Boyles Versuch, den Film nie langweilig werden zu lassen, wird in Erinnerung bleiben, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass er fast 80 Minuten lang in einer Felsspalte mit lediglich einer dort befindlichen Person spielt. Durch Traum-, Halluzinations- und Erinnerungsszenen sowie "Was wäre, wenn"-Szenarien Ralstons wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers immer wieder weg von der Felsspalte gelenkt und er ist gezwungen, sich mit den zahlreichen Impressionen auseinanderzusetzen. Da bleibt keine Zeit für sich breit machende Monotonie. Zudem hilft es ungemein, dass sich Boyle eng an die tatsächlichen Ereignisse hält und sich lediglich zu Beginn ein wenig kreative Freiheit herausnahm. Der Rest ist laut dem echten Ralston so nahe an einer Dokumentation, wie es ein fiktionaler Film nur sein kann. Die Kameraarbeit ist exzellent und immer direkt am Geschehen (wenn sie nicht gerade die unbeschreibliche Schönheit des sogenannten Robbers Roost einfängt, wo der Film spielt), sodass auch hier eine gewisse Dynamik erzeugt wird, die von Oscarpreisträger A.R. Rahman und dessen konzipiertem Soundtrack gekonnt unterstützt wird.

Ohne Frage, Boyle versucht wirklich alles, um "127 Hours" mit dem dünnen Plot und dem allseits bekannten Ende nicht langweilig wirken zu lassen. Dass er dabei manchmal über sein Ziel hinausschießt und immer wieder unnötige Sequenzen ohne jeglichen Mehrwert einblendet, ist die Folge des Risikos, das er eingegangen ist. Insbesondere eine Szene, wo sich Ralston nach heftigen Regenfällen befreien kann, um seine Ex-Freundin aufzusuchen, ist aufgrund des bekannten Ausgangs und der damit versuchten Irreführung völlig fehl am Platze. Auch der Score ist manchmal zu aufdringlich und hektisch. Beim fulminanten und rasanten Beginn des Films passt er noch perfekt, in der Felsspalte hätte man sich manchmal trotz einiger ehrfurchtgebietender ruhiger Momente noch ein wenig mehr Stille gewünscht, vor allem, weil dies die ohnehin beeindruckende Leistung von Hauptdarsteller James Franco intensiviert hätte.

Selten stand ein Mime derart im Vordergrund und musste ganz allein dafür sorgen, dass der Film funktioniert, auch weil ein integraler Bestandteil des Ganzen ist, dass man bis zu einem gewissen Maße Sympathie für ihn empfindet bzw. allgemein genug Interesse für ihn aufbringt. Dieses Unterfangen könnte schwerer kaum sein, wenn man bedenkt, dass man Ralston bis auf wenige kurze und selten sehr aussagekräftige Rückblenden abseits der Felsspalte gar nicht kennenlernt. Doch Franco gelingt es, Ralston insbesondere zu Beginn einen spitzbübischen Charme zu verleihen, zu dem man sofort Zugang findet. Danach agiert Ralston verständlicherweise zunehmend ernster und verzweifelter, jedoch immer nachvollziehbar. Von witzig über draufgängerisch und optimistisch bis zu ausgezehrt, niedergeschlagen und trotz von Halluzinationen geplagt rational handelnd, Franco ist mit der Fülle an Emotionen, die er ausdrücken kann, der große Fixpunkt des Films und wird nicht umsonst von allen Seiten mit Lob für seine herausragende Performance überschüttet.

Fazit

Aus der Buchvorlage machte Danny Boyle eine ansprechende Erzählung über Ausdauer, einen unbändigen Lebenswillen und den anschließenden Triumph über die widrigsten Umstände. Vielleicht meint es Boyle das eine oder andere Mal zu gut, wenn er etwas zu aufdringlich und hektisch inszeniert, aber insbesondere James Franco auf seinem Karrierehöhepunkt macht aus "127 Hours" einen der Must-Sees des Kinojahres 2011.

Andreas K. - myFanbase
23.01.2011

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