Bewertung: 9
Todd Phillips

Stichtag

"Guess who's got the Subaru Impreza? ME! Guess who's got the winning personality? ME! What do YOU have? You have an nice hairline. Fine. You have a strong jaw. But I gotta tell you, mister, your personality needs some work!"

Foto: Copyright: Warner Bros.
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Inhalt

Peter Highman (Robert Downey Jr.) hat ein Problem. Nicht unbedingt, dass er in wenigen Tagen zum ersten Mal Vater wird, und in Atlanta ist, während seine Frau (Michelle Monaghan) in Los Angeles auf seine Rückkehr wartet, nein, Peters Problem heißt Ethan (Zach Galifianakis), ist klein und hat eine fast athletisch-dickliche Figur. Denn seit Peter und Ethan sich am Flughafen von Atlanta das erste Mal über den Weg gelaufen sind, geht für den baldigen Vater alles schief. Das Unglück wird schließlich perfekt, als Peter ohne seine Ausweise aus dem Flugzeug geschmissen wird und ein Flugverbot erteilt bekommt. Doch wie kommt er nun nach Los Angeles? Die Möglichkeit einer Mitfahrgelegenheit bietet sich dann ausgerechnet durch Ethan an und aus Mangel an Möglichkeiten steigt Peter tatsächlich in das Auto. Es beginnt ein Roadtrip zweier Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Review

Es war wohl die Filmüberraschung der letzten Jahre, als es ein Film namens "Hangover" schaffte, erst Amerika und schließlich den Rest der Welt zu erobern. Nach durchaus erfolgreichen Komödien in der Vorzeit ("Borat", "Road Trip", "Starsky & Hutch", "Der Date Profi") hatte es Todd Phillips mit "Hangover" zu einem der begehrtesten Drehbuchautoren und Regisseuren der modernen amerikanischen Komödien geschafft. Kaum ein Wunder also, dass im nächsten Jahr "Hangover 2" folgen wird. Doch zuvor schickt Todd Phillips erst einmal zwei Schauspieler gemeinsam auf einen Roadtrip durch die USA.

Das Konzept des Films ist dabei denkbar einfach zwei Männer, ein Auto und die weiten Straßen der USA. Der eine ein ständig quatschender Möchtegernschauspieler, der sich selbst Hollywood nennt, der andere ein Architekt mit einem gehörigen Problem, mit seiner Wut umzugehen. Doch wer jetzt denkt, dass Alan aus "Hangover" mit "Iron Man" zusammen zu einem Roadtrip aufbrechen, der irrt gewaltig. Beide Charaktere sind sehr viel tiefgründiger und detaillierter, als es in den Erfolgsfilmen der Fall ist. Ethan hat nicht nur eine seltsame Art mit seinen Mitmenschen umzugehen und einen noch seltsameren Humor, nein, er steckt zur Zeit auch in einer schwierigen Zeit in seinem Leben und schafft es dank Peter, zumindest davon abgelenkt zu werden. Im Gegensatz dazu ist Peter ein scheinbar normaler Architekt, doch das trifft nur auf den ersten Blick so richtig zu. Denn auch wenn er sich für perfekt hält, so ist er dies auch nicht. Warum also nicht gemeinsam durchs Land reisen und zusammen an den Problemen arbeiten?

Ein Roadtrip unter Todd Phillips ist wohl etwas anderes als jeder gewöhnliche Roadtrip und so macht dieser hier besonders viel Spaß. Erleben die beiden doch nicht nur einen Totalschaden, einen masturbierenden Hund, einen problematischen Grenzübergang nach Mexiko und viele andere wirklich witzige und manchmal tatsächlich überraschende Dinge, nein, die Beziehung der beiden entwickelt sich zu dem großen Pluspunkt des Films. Während bei vielen solchen Filmen wohl auf die Sympathie der beiden Hauptcharaktere gesetzt und die altbekannte "Wie aus Fremden Freunde werden"-Nummer mit all ihrer Facettenlosigkeit abgespielt würde, so ist diese Entwicklung bei Phillips alles andere als vorhersehbar. Vielmehr als auf die Sympathie baut der Film auf die Antipathie der beiden. Peter kann Ethan nicht leiden und zeigt ihm dies zu jeder Gelegenheit, während Ethan wohl selbst mit einem Besenstiel Freundschaft schließen würde und diese Kombination geradezu genial und erfreut einen durchgehend.

Nach seiner grandiosen Darstellung in "Hangover" war es keine Überraschung, dass für Zach Galifianakis einige große Rollen warten würden und er gerade im Bereich Comedy in Zukunft eine gesetzte Größe Hollywoods sein wird. Dass er seine zweite große Comedyrolle dann ausgerechnet in einer weiteren Komödie von Phillips feiert, ist ein großes Glück sowohl für Galifianakis, als auch für Phillips. Nun nicht mit einer Gruppe junger Männer, sondern allein mit Robert Downey Jr. in einem Auto sitzend, schafft es Galifianakis wieder einmal, die Zuschauer schnell auf seine Seite zu bringen. Sein Timing ist wieder einmal perfekt und auch wenn es dem Zuschauer in diesem Film nicht vergönnt ist, einen Blick auf den Hintern von Zach zu werfen, so weiß er auch hier mit seinen körperlichen Reizen zu spielen.

Bei Robert Downey Jr. ist das eine andere Geschichte. Natürlich hat er schon Komödien gemacht und zuletzt war er mit seiner Darstellung in "Tropic Thunder" auch alles andere als unerfolgreich, brachte sie ihm doch tatsächlich eine Oscarnominierung ein. Nun ist er wieder in einer Komödie zu sehen, und wieder überzeugt er. Galifianakis und Downey Jr. spielen sich die Gags gegenseitig nur so zu und schaffen es zu zweit ohne Probleme den Film zu tragen. In kleinen Nebenrollen kommen ihnen dann auch noch die Schauspieler Juliette Lewis, Michelle Monaghan und Jamie Foxx wie gelegen und komplettieren das durchaus positive Bild des Castings dieses Films.

Während Phillips beim Drehbuch zu "Stichtag" selbst Hand anlegte und mitschrieb, vertraute er in vielen weiteren Bereichen der vertrauten Crew von "Hangover". So ist es kein Wunder, dass nicht nur der Score und Soundtrack wieder jedes Mal den Punkt der Szene treffen, sondern vor allem auch die Kamera wieder ganze Arbeit leistet und die Zuschauer mitnimmt auf die Tour durch die USA. Oftmals an Originalschausplätzen - nicht zuletzt dem Grand Canyon - gedreht, ist es für den Zuschauer fast so, als würde er selbst dabei sein und er spürt quasi den Fahrtwind in den Haaren, während Peter und Ethan gemeinsam die USA durchqueren.

Fazit

Eine Idee, wie man sie schon hundertmal gesehen hat. Ein Roadtrip, zwei Männer und ein Auto. Doch Todd Phillips schafft es wieder einmal erfolgreich, den Zuschauer zu überraschen und präsentiert mit "Stichtag" einmal mehr eine Komödie der Extraklasse, die für den Zuschauer nicht nur zum Schluss eine witzige Überraschung auf Lager hat. Dazu die sympathischen Charaktere und dem Zuschauer ist für knappe 100 Minuten das Lachen aufs Gesicht getackert. "Stichtag" macht Spaß und hat durchaus das Potenzial dazu, zur Kinokomödie des Herbst/Winters 2010 zu werden.

Eva Klose - myFanbase
30.10.2010

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