Bewertung: 9
David Fincher

Social Network, The

"If you guys were the inventors of Facebook, you'd have invented Facebook."

Foto: Copyright: 2010 Sony Pictures Releasing GmbH
© 2010 Sony Pictures Releasing GmbH

Inhalt

Gerade frisch von seiner Freundin Erica (Rooney Mara) verlassen, muss Harvard-Nerd Mark Zuckerberg (Jesse Eisenberg) seiner Wut freien Lauf lassen und baut in nur einer Nacht eine Website auf, auf der seine Kommilitonen ihre Mitstudentinnen bewerten können. Innerhalb von vier Stunden schafft es die Seite, den Harvard-Uni-Server lahmzulegen und raubt so Mark auch die letzten verbleibenden Chancen auf eine Freundin unter seinen Mitstudentinnen.

Um seinen Ruf wieder herzustellen und mit einer genialen Idee im Kopf, bastelt Mark in den darauffolgenden Wochen an einem neuen Projekt: Eine Homepage für Kommilitonen, auf der jeder seine eigene Seite hat und man so ganz leicht etwas über seine Mitstudenten erfahren kann. Facebook war gegründet, doch mit dem unglaublichen Erfolg dieser Seite, wird Mark auch mit zwei Prozessen konfrontiert. Denn zwei Parteien erheben Ansprüche auf Facebook unter anderem auch sein ehemals bester Freund Eduardo Sarvino (Andrew Garfield).

Kritik

Heute ist Facebook wohl aus dem Leben junger Menschen kaum mehr wegzudenken. Kaum etwas ist innerhalb von wenigen Monaten und Jahren so expandiert und wer heute auf einer Party zugeben muss, noch keinen Facebook-Account zu haben, wird oft mit seltsamen Seitenblicken bestraft. Die Geschichte von Facebook wäre aber wohl nicht annähernd so spannend und interessant, wenn es da nicht zum einen diesen Nerd Mark Zuckerberg geben würde, der heute noch in Gummilatschen durch Palo Alto läuft, und zum anderen diese beiden großen Prozesse, die für viel Aufsehen sorgten und Mark Zuckerberg nicht nur positive Schlagzeilen einbrachten. So waren die Gründerjahre von Facebook für viele Außenstehende ein großes Geheimnis. Und was verkauft sich besser als eine Geschichte über den jüngsten Milliardär der Welt und wie er diese Milliarden eben nicht nur durch nettes und freundliches Verhalten, sondern auch mal durch Intrigen und Gemeinheiten erreichen konnte?

Die beiden Klagen sind der Dreh-und Angelpunkt dieses Filmes und zeigen dem Zuschauer durch intensive Gespräche der Parteien miteinander nicht im Gerichtssaal (da beide Klagen vor der Gerichtsinstanz mit einem Vergleich endeten) die einzelnen Geschehnisse auf, die uns dann in die Gründerjahre von Facebook führen. Dabei ist es schon erstaunlich, wie sehr Fincher und sein Drehbuchautor Aaron Sorkin ("Studio 60 on the Sunset Strip", "The West Wing") sich dabei auf das Drehbuch und die Dialoge verlassen. Denn neben der großartigen Geschichte möge sie nun so geschehen sein oder nicht sind es vor allem die Dialoge, die mehr als überzeugen können. Dies zeigt schon die erste Szene des Films, die ihren Hauptcharakter für zehn Minuten mit der Schönheit Erica zusammensetzt und den Zuschauer zusehen lässt, wie Erica schmerzhaft mit Mark Schluss macht. Trotz der fehlenden Morde, Kämpfe oder ähnlichem ist die Dramatik und Spannung in jedem Moment spürbar. Auch Finchers Handschrift ist dabei immer wieder greifbar, schon allein wenn er seinen Hauptcharakter nach der Eröffnungsszene für mehrere Minuten über den dunklen Campus von Harvard laufen lässt und dabei mit spannender Musik die Bedeutung dieses Augenblicks greifbar macht. Überhaupt ist es neben der Vorlage und der Umsetzung auch dieser unglaublich gute Soundtrack, der dafür sorgt, dass "The Social Network" so viel Spaß macht.

Während diese Geschichte geradezu dazu anregt, Meinungen zu haben und auf einer der Seiten zu stehen, schafft es dieser Film fast spielerisch, beide Seiten zu Wort kommen zu lassen und so dafür zu sorgen, dass der Zuschauer selbst Partei ergreifen muss, ohne dass es der Film zu sehr tut. Klar haben Zuckerberg und Kollegen damals nicht immer alles richtig gemacht, aber sie waren auch jung und egoistisch und als Nerd hat man es wohl auch nicht leicht im Leben gerade wenn man dem Teenageralter entkommen ist und nun seinen Platz im Leben finden muss.

Mark Zuckerberg ist dabei eine erstaunlich seltsame Hauptfigur. Mit ein paar scheinbar autistischen Zügen, einer enormen Irrationalität und vor allem einer Menge unfreundlicher Eigenschaften wäre es ein leichtes, ihn zum Buhmann des Films zu machen, da er nun ja auch das meiste Geld einheimst. Wer fühlt schon mit einem Mann mit, der mit 26 Jahren ein Vermögen von mehr als zehn Millarden Dollar hat? Doch es ist wohl vor allem Hauptdarsteller Jesse Eisenberg zu verdanken, dass der Film dies eben nicht tut. Trotz all seiner Macken schafft es Eisenberg, Zuckerberg die menschlichen Züge zu geben, die es braucht, um den Zuschauer mitfühlen zu lassen. Mit diesem Spiel hat sich der junge Darsteller selbst zu einem großen Favoriten auf eine Nominierung für die Oscars gemacht. Aber auch der restliche Cast, vor allem der zukünftige "Spider Man" Andrew Garfield, weiß zu überzeugen, ebenso wie Justin Timberlake als Napster-Gründer und späterer Facebook-Geschäftsführer Sean Parker, oder Armie Hammer, der gleich die Rolle beider Winklevoss-Zwilinge einnahm, eben jene Zwillinge, die ebenfalls Anspruch auf Facebook geltend machen. Es ist wohl typisch für Fincher nicht nach einem sportlichen Zwillingspaar zu casten, sondern den talentierten und für die Rolle der Winklevoss-Zwillinge idealen Hammer per Computer einfach zu verdoppeln, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Aber auch der Rest des Casts weiß zu überzeugen und vervollständigt so das positive Bild des Films.

Fazit

Wie wurde Facebook gegründet? Die Spekulationen über Intrigen und Freunden, die zu erbitterten Feinde wurden, werden wohl auch nach dem Film nicht aufhören und gerade daher bietet er unglaublich gute wenn auch kurzweilige - Unterhaltung, die einen für 120 Minuten in den Kinosessel zerrt.

Eva Klose - myFanbase
23.10.2010

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