Bewertung: 5
Anton Corbijn

American, The

"Ich bin hier, um meinen Spaß zu haben, nicht damit du ihn hast.

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Inhalt

Der Attentäter Jack (George Clooney) verbringt einen romantischen Tag mit seiner Geliebten Ingrid (Irina Björklund) in Schweden. Diese Harmonie wird kurzerhand von Verfolgern gestört, die Jack umbringen muss, um zu entkommen. Dank dieses Zwischenfalls ist Jacks Tarnung aufgeflogen, und ohne zu Zögern erschießt er daher auch Ingrid.

Eine Flucht nach Rom und ein Anruf zu seinem Auftraggeber Pavel (Johan Leysen) bringt Jack in ein kleines Provinzstädtchen in Italien. Nach dem letzten Zwischenfall möchte Jack mit seiner Arbeit aufhören, doch bevor er das darf, erteilt ihm Pavel noch einen letzten Auftrag. Er soll Kontakt mit Mathilde (Thekla Reuten) aufnehmen, die ihm ihre Vorstellungen einer neuen Waffe präsentiert. Diese soll Jack präparieren, und auf die Bedürfnisse der Auftragsmörderin Mathilde justieren. Diese Mission scheint vorerst kein Problem zu sein, denn Jack muss nicht einmal selbst den Abzug betätigen.

Während der Erschaffung der Waffe kommt er nicht umhin, mit einigen Leuten in Kontakt zu treten. So macht er Bekanntschaft mit dem Pfarrer Benedetto (Paolo Bonacelli) sowie der Prostituierten Clara (Violante Placido), mit welcher er ein Verhältnis beginnt.

Kritik

Eines ist dem Starfotograf und Regisseur Anton Corbijn vorweg gelungen. Er hat es geschafft, mit einem einfachen Plakat genau das Gegenteil von dem aufzuzeigen, was der Film repräsentiert. Der Zuschauer erwartet ein rasantes, mit Action überzogenes und im höchsten Maße spannendes Filmereignis. Diesen Eindruck verliert der Zuschauer auf Anhieb, wenn er das Tempo der Szenerie und des Attentats verfolgt. So scheint es auch gewollt zu sein, dass Jacks Geliebte beim Sex einmal "piano" stöhnt - dank großartiger Übersetzer mit "langsam" untertitelt und nicht "zärtlich" - und dabei nicht nur die Dynamik des kompletten Filmes verrät.

Für diese US-Produktion, welche hauptsächlich in Europa gedreht wurde, hat es eines begehrten Schauspielers gebraucht, denn sonst entstünde der Eindruck einer durchschnittlichen EU-Produktion. Corbijn engagierte George Clooney, der nach "Syriana" und "The Good German" wieder eine anspruchsvolle und ernste Rolle angenommen hat. Traurig ist nur, dass dadurch sein Charme verfliegt, wie er ihn beispielsweise in der "Ocean's"-Reihe oder zuletzt in "Männer die auf Ziegen starren" dem Publikum bot. Toll wiederum ist, dass sich seine prädestinierte Blüte voll entfalten konnte, zwischen herzlosem Killer und Harmonie suchendem Mann. Diese Begabung wird eindrucksvoll in der Schlussszene präsentiert, in welcher Jack, nach Luft ringend im Auto, nur eines möchte: die Nähe und Liebe seiner Anvertrauten, welche an einem Fluss auf die verheißungsvolle Rückkehr ihres Helden wartet.

Corbijn ist, wie oben erwähnt, Fotograf, was zu jeder Zeit bemerkbar ist. Zwanghaft wird in jeder Szenerie versucht, ein perfektes Bild darzustellen. Nicht nur die Gesichtszüge gelangen in den Fokus seiner Kamera, sondern auch die blühend schöne Landschaft Italiens, welche mit einer Musik untermalt wird, die auszugsweise an Albinonis Adagio erinnert. Zufall? Keinesfalls, denn hier ist ein weiterer Wink mit dem Zaunpfahl, durch den man dem Zuschauer das Tempo vermitteln möchte. Am Piano saß für diesen anstrengenden Film nämlich Herbert Grönemeyer, dessen Fingerfertigkeit genau richtig ist.

Fazit

Wer ein aufregendes Actionspektakel sucht, ist hier genau falsch, denn er findet ein langatmiges, aber psychologisch herausstechendes Charakterschauspiel.

Ignat Kress - myFanbase
14.09.2010

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