Bewertung: 8
Stephen Gaghan

Syriana

"Korruption? Korruption ist die Einflussnahme einer Regierung auf einen effizienten Markt mittels Regulierung. Das sagt Milton Freeman, der Kerl hat den verdammten Nobelpreis gekriegt. Wir haben doch nur Gesetze dagegen, damit wir überhaupt ungeschoren davonkommen können. Korruption ist unser Schutz. Korruption lässt uns ruhig schlafen. Korruption ist der Grund, warum wir beide hier rumspazieren können, statt uns auf der Straße um ein paar Fleischreste zu prügeln. Korruption ist der Grund, warum wir gewinnen!"

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Inhalt

Wer den Öl-Markt beherrscht, regiert die Welt! Dieser Regel folgend wird CIA-Agent Bob Barnes beauftragt einen arabischen Prinzen auszuschalten, der soeben die Bohrlizenz seines Landes an die Chinesen verkauft hat. Doch Barnes ist nur eine Figur im gefährlichen Netzwerk von Politikern, Anwälten, Terroristen, Agenten und Industriellen, die ihre ganz eigenen Ziele verfolgen.

Kritik

Als im Jahr 2005 der Film Syriana auf der Berlinale präsentiert wurde, galt er kurz zuvor noch als das Meisterwerk des Jahres, welches die US-Regierung sowie das kapitalistische Denken vieler Firmen kritisiert. Je nach Geschmack und Meinung war man entweder begeistert oder enttäuscht, denn was dieser Film bietet, ist eine hohe Anzahl an berühmten Filmstars wie George Clooney, Matt Damon, Jeffrey Wright oder Amanda Peet, eine sehr komplexe Geschichte, die man zum Teil auch nachteilig betrachten sollte, einen kleinen Blick in die Geschäfte von großen Firmen und was die US-Regierung für ihren Vorteil dabei rausholt sowie die Geschichten von einzelnen Personen, die indirekt mit alledem verknüpft sind.

Was der Film aber nicht einmal ansatzweise bringt, sind Antworten. Antworten darauf, wie man es verhindern sollte, dass Firmen zu Oligopol oder Monopolmächten in bestimmten Bereichen werden und somit einen fast freien Handlungsfreiraum haben. Ebenso Antworten darauf, wie man es verhindern sollte, dass eine Regierung, die in der Welt preist, sie wolle den Frieden im Nahen Osten und Demokratien verbreiten, letzten Endes alles dafür tut, dass diejenigen nicht an die Macht kommen, die dieses eben in einem dieser Länder veranlagen möchten, da sie nicht im Sinne für die USA Verträge machen.

Um dem Film, welcher aus sehr vielen Handlungssträngen besteht, folgen zu können, muss man sehr konzentriert bei der Sache bleiben, ansonsten könnte man Probleme bekommen, das Gesamtbild zu verstehen. Insbesondere deshalb, da alle am Ende zu einem Nenner kommen. Wenn man dieses krasse Beispiel nimmt, dass ein Ölkonzern nur dadurch ein Vertrag abwickeln kann, in dem es in korrupte Machenschaften gerät, und zugleich dann Leute entlassen muss, die eben dann den Pfad zum Terrorismus finden, kann man dennoch verstehen, dass der Film hierauf keine Antwort geben kann.

Wir sehen einen hervorragenden George Clooney in der Rolle des Bob Barnes, der für diesen Film binnen eines Monats über 20 Kilogramm zunehmen musste, und sich einen Vollbart wachsen ließ, um dadurch seinem Charakter eine persönliche Glaubwürdigkeit zu verpassen, die dadurch verstärkt wird, dass er fast flüssig arabisch spricht. (Ein Problem des Filmes sind die vielen Sprachen, welche für den Zuschauer meist schwer zu unterscheiden sind, wenn diese eben nicht gerade Pakistanisch oder Arabisch können.)

Dann sehen wir Matt Damon in der Rolle eines Energieexperten, welcher bei dem Besuch eines Emirs seinen Sohn verliert. Man kann seine Entwicklung gut erkennen, aber ob man es nachvollziehen kann, ist relativ. Eine sehr gute Darbietung leistete Jeffrey Wright als Mitarbeiter einer Anwaltskanzlei. Im Laufe des Filmes sieht man, wie ein zunächst engagierter Mitarbeiter, welcher wenig von Korruption hält, sich aber dahin entwickelt, dass er die Korruption akzeptiert, aber dieses nur zu Gunsten seiner Kunden und auf Kosten anderer. Ebenso seine etwas fragile Beziehung zu seinem Vater, die eher nebensächlich aber dennoch ansehenswert ist.

Alexander Siddig (Königreich der Himmel), der den Prinzen Nasir Al-Subaai spielt, kann hier einmal mehr sein Schauspieltalent zeigen. Ein Prinz, der einen Staatsstreich anzetteln will, damit nicht sein Bruder an die Macht kommt, da er sich wieder den USA nähern möchte, und somit die gewünschte Demokratie in weite ferne rückt. Seine Ausweglosigkeit, nicht zu wissen, was die USA oder Funktionäre planen, führt ihn dazu, dass er einen Berater und den Schutz mehrerer Leibwächter benötigt.

Terrorismus sollte man nicht gutheißen, wenn man jedoch versteht, weshalb manche Menschen dies tun, so kann man es einigermaßen verstehen, aber mit unserem westlichen Wissen nicht nachvollziehen. Mazhar Munir, der einen Arbeiter der Unterklasse dieses Ölkonzerns darstellt, findet nach der Kündigung keinen anderen Ausweg, als in die Koranschule zu gehen, da er sich sonst nicht einmal das Nötigste besorgen könnte: Essen. Man sieht, wie den Schülern von einem Imam bedenkliche Sachen erzählt werden und muss an die heutige Politik wie die in der Türkei denken. Ob man es verhindern kann, jemanden, der aus eigener Überzeugung und religiösem Fatalismus andere Menschen und sich in den Tod stürzen will? Hier ist die Antwort wohl Ja. Denn wenn jemand erst gar nicht in eine solche Situation gerät, dass er keinen Ausweg mehr, als den Weg des Terrorismus findet, so würden diese auch nicht mehr aus diesen Gründen geschehen.

Der ganze Film wird mit arabischen Lieder und spannungserzeugenden Melodien untermauert. Auf große Actionspektakel wird verzichtet und Explosionen findet man nur zu Anfang und zu Ende des Filmes, aber diese reichen schon aus, um den Zuschauer zu beeindrucken.

Fazit

Einer der besten Thriller der letzten Jahre, der sehenswert ist und zum Dinge aufzeigt, die einem zum Nachdenken verleiten können.

Ignat Kress - myFanbase
06.08.2007

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