Bewertung: 4
Mike Mitchell

Für immer Shrek

"Have a nice day."

Foto: Copyright: Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Inhalt

Nach seinen zahlreichen Abenteuern ist Shrek in eine handfeste Midlife-Crisis gerutscht. Anstatt Dorfbewohner zu erschrecken, ist er zur harmlosen Attraktion geworden und findet sich daheim gefangen in dem immerzu selben Tagesablauf wieder. Da kommt ihm Rumpelstilzchen und dessen Angebot gerade recht. Für einen Tag als "richtiger Oger" ganz wie in alten Zeiten muss Shrek nur einen Tag seines bisherigen Lebens an diesen übergeben, ein Deal, der auf den ersten Blick ohne Haken ist. Doch Rumpelstilzchen sucht sich genau den Tag heraus, an dem Shrek geboren wurde, was dazu führt, dass sich Shrek in einer Welt wiederfindet, in der er nie existierte, da er nie geboren wurde.

Rumpelstilzchen ist König, Oger werden gnadenlos gejagt, seine Freunde kennen ihn nicht und haben sich ohne seinen Einfluss alles andere als positiv entwickelt und Fiona, die gemeinsam mit einer Gruppe von Ogern versucht, Rumpelstilzchen zu stürzen, kann Shrek nicht ausstehen. Für Shrek gibt es nur einen Weg aus diesem Albtraum: Er muss bis zum Morgengrauen des nächsten Tages mit Fiona "der Wahren-Liebe-Kuss" teilen, ansonsten hört er auf zu existieren.

Kritik

Das ist er also, der vierte und aller Voraussicht nach letzte Film des "Shrek"-Franchise. Damit haben uns die Charaktere aus dem von Dreamworks geschaffenen Erzähluniversum in vier Filmen, einem Weihnachts-Spin-Off, einem Kurzfilm und einem Broadway-Musical fast eine Dekade lang unterhalten. Nachdem sich bereits im dritten Teil die ersten Abnutzungserscheinungen offenbarten, liegt es nun also an Teil Numero 4, die Geschichte um den Oger und dessen Freunde zu einem krönenden und versöhnlichen Abschluss zu bringen, was, um es vorweg zu nehmen, nur sehr selten gelingt.

Die Aufgabe einer Filmreihe sollte es sein, lediglich wenige erfolgreiche Elemente zu übernehmen und sich ansonsten mit der Zeit immer wieder selbst zu erfinden. Bei "Shrek" jedoch scheint man hinter den Kulissen vollkommen davon überzeugt zu sein, dass die ersten zwei Verfilmungen sowie Teile der dritten derart grandios seien, dass man sie immer und immer wieder recyceln kann, was irgendwann nicht mehr funktionieren kann. Die einzelnen Nebencharaktere sind mittlerweile nur noch eine Aneinanderreihung von Einzeilern und nur allzu bekannten offensichtlichen Charaktermerkmalen, die immer und immer wieder wiederholt werden, bis man den Gefallen daran verliert. Insbesondere Esel ist seit dem dritten Teil weit davon entfernt, ein liebenswürdig-exzentrischer Sidekick zu sein, sondern besitzt mittlerweile nur noch ein ungeheures Nervpotenzial. Einzig der fett und faul gewordene gestiefelte Kater ist für ein paar der ansonsten viel zu wenigen Lacher zuständig, der Rest ist beliebig. Selbst die Musik, bisher gleichzeitig eines der Prunkstücke und Identifikationsmerkmale der Filmreihe, wirkt aufgezwängt und im Fall der zwei Tanzszenen auch richtiggehend albern. Vor allem den zwei Hauptcharakteren Fiona und Shrek wäre die Aufgabe zugekommen, die eingefahrenen Strukturen des Franchise aufzulockern.

Die Idee, den Filmklassiker "Ist das Leben nicht schön?" aus dem Jahre 1946 für diese Zwecke zu benutzen, ist dafür vielleicht nicht gerade die originellste, jedoch nur konsequent für eine Filmreihe, die sich eifrig bei der Popkultur und den großen Märchen bediente. Zudem gibt es wahrlich schlechtere Filme, an denen man sich orientieren könnte als die Tragikkomödie mit James Stewart und Donna Reed, die kommerziell zwar kein Erfolg war, mittlerweile jedoch gemeinhin als einer der besten Filme bezeichnet wird, der je gemacht wurde. Doch was macht man aus einer Idee, die einen Filmklassiker hervorbrachte? Man zerstümmelt sie derart, dass am Ende dann doch wieder nur eine beliebige und vorhersehbare Liebesgeschichte das Resultat sein kann. Shrek muss Fiona befreien bzw. in diesem Fall muss Fiona vielmehr Shrek befreien, dies geht natürlich nur durch "der Wahren-Liebe-Kuss". Die Rollen sind vertauscht, der Verlauf ist allzu bekannt, Überraschungen gibt es keine.

Unabhängig davon, dass allein die Initialzündung für die weitere Handlung, nämlich der Umstand, dass Shrek lieber wieder bis zum Tode gejagt wird als ein wenig Langeweile zu verspüren und den einen oder anderen Witz auf seine Kosten einzustecken, extrem unglaubwürdig ist, ist das Fehlen von jeglichen Ecken und Kanten diesmal ganz besonders offensichtlich. "Für immer Shrek" kommt daher größtenteils auch wie der kleinste gemeinsame Nenner aus drei Vorgängerfilmen daher. Nun ist es mitnichten so, als wäre der Film durch und durch miserabel. Auch diesmal gibt es diese Momente, die daran erinnern, weswegen die ersten zwei Teile so unverschämt gut waren. Dann stimmt das Timing, es entwickelt sich hier und da richtig gute Situationskomik und auch manche Wortwitze zünden (zumindest im Original). Doch geschieht dies viel zu selten und zu offensichtlich darauf getrimmt, den Humor der Vorgänger 1:1 zu übernehmen, anstatt ihn eigenständig weiter zu entwickeln. Indem man sich zu sehr darauf verlässt, dem Zuschauer lediglich ein Wiedersehen mit alten Bekannten zu verschaffen, vergisst man es, zu neuen Ufern aufzubrechen.

Teilweise schleichen sich zudem einige Schlampigkeiten ein, die deutlich zeigen, dass Dreamworks in der Tat gut daran tut, es mit dem vierten Teil nun endlich gut sein zu lassen. Nicht nur, dass der noch im dritten Teil extra eingeführte König Artie nun vollkommen fehlt, offensichtlich hat man auch verdrängt, dass Fionas Vater in eben diesem Film starb. Es scheint also mittlerweile eher darum zu gehen, Shrek und dessen Umfeld in Situationen zu bringen, in denen sie möglichst vorhersehbar und bekannt handeln, als darum, ein kohärentes Erzähluniversum zu schaffen. Gut, die Graphik ist wie immer makellos und auch die 3D-Optik ist spätestens seit "Avatar – Aufbruch nach Pandora" Pflicht und darf natürlich nicht fehlen. Doch ist das zum einen aufgrund der mittlerweile immensen Konkurrenz von anderen Produktionsstudios tatsächlich bemerkenswert und kann dies vor allem einen Film retten, der ansonsten erschreckend ideenlos wirkt? Eigentlich nicht.

Fazit

"Für immer Shrek" soll der krönende Abschluss einer Animationsreihe sein, die in der Vergangenheit große Erfolge verbuchen konnte und deren finaler Teil sich nicht lumpen ließ und bereits jetzt etwa 300 Millionen US-Dollar einspielte. Das große Problem jedoch ist, dass die Abnutzungserscheinungen nie offensichtlicher waren wie im vierten Film. Vielleicht ist das für einige tatsächlich überzeugend genug, um das Franchise auf der einen Seite gebührend verabschieden zu können und auf der anderen insgeheim froh zu sein, dass es nun vorbei ist. Für viele wird das vierte Abenteuer des Oger Shrek jedoch der Beweis dafür sein, dass es manchmal durchaus ratsam sein kann, auf einem kreativen Höhepunkt eine Geschichte zu beenden und sie nicht beliebig zu strecken, bis sie derart überraschungsarm geworden ist und die Charaktere Karikaturen ihrer selbst darstellen. Man kommt also nicht umhin, sich trotz alledem einen fünften Teil zu wünschen, der so großartig ist wie die ersten beiden, verflucht ihn aber gleichzeitig, da man nicht glaubt, dass Dreamworks dieses Kunststück noch gelingen wird.

Andreas K. - myFanbase
19.06.2010

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