Bewertung: 7
Curtis Hanson

In den Schuhen meiner Schwester

USA 2005, 130 Minuten

Foto: Copyright: Twentieth Century Fox Home Entertainment
© Twentieth Century Fox Home Entertainment

Eine Reise von hundertdreißig Minuten, entlang von hundertdreißig paar Schuhen, an den wunderschönen Beinen von Toni Collette und Cameron Diaz empor steigend und endend, bei der Erkenntnis zu wissen, wo sich der eigene Platz im Leben befindet.

Inhalt

Puh, Halleluja, diese Headline klingt ja beinahe so, als hätte Jennifer Weiner höchstpersönlich die Tasten in die Tastatur gedrückt. Eine Headline voller Emotionen, Liebe, Wahrheit, Sex, Cameron Diaz und äh, Verzeihung, Autoren sind manchmal schrecklich selbstverliebt. Genauso, wie die attraktive Maggie (Cameron Diaz).

Aber nun noch mal von vorn. Regisseur Curtis Hanson (L.A. CONFIDENTIAL) verfilmte mit „In den Schuhen meiner Schwester“ einen Bestsellerroman von Jennifer Weiner. Rose (Toni C.) und Maggie (Cam D.) aufgewachsen im selben Elternhaus, aßen dasselbe Essen und sind trotzdem völlig verschieden. Rose, ein Pummelchen in Menschengestalt, ist Anwältin. Sie ist nicht besonders selbstbewusst, schaut ungern in den Spiegel, im Gegensatz zu ihrer Schwester Maggie. Maggie ist gut aussehend, aber dämlich. Maggie hat es nämlich nicht so mit der schriftlichen Sp-p-p-p-rach-eee…

Dafür hat Maggie aber viel Sex. Den hat Rose auch, als nach langer Zeit wieder ein Mann in ihr Leben stößt - ein hohes Tier in ihrer Anwaltskanzlei, Richard Burgi (Der Sentinel). Rose hatte immer ein wachsames Auge auf ihr kleines Schwesterherz, aber irgendwann platzt ihr der Kragen. Maggie verursacht nur Chaos, sie klaut Geld und reist ziellos durch die Gegend. Rose will sie einfach nicht weiter durchfüttern. Maggie muss endlich Konsequenzen tragen. Rose schmeißt ihre Schwester achtkantig aus ihrer Wohnung.

Das Schicksal, der Zufall, die Wahrnehmung sah es vor, dass Maggie mit dem Sentinel schläft. Leidenschaftlicher Sex, denn der Sentinel hat alle Sinne beisammen. Rose erwischt die beiden. Dieser Zeitpunkt soll alles ändern. Die Schwestern fangen an zu begreifen, ganz langsam und Stück für Stück, was sie mit sich selbst und ihrem Leben anfangen und welche Möglichkeiten und Chancen das Leben bereithält.

Kritik

Cameron Diaz läuft den ganzen Film halb nackt rum.
Das ist wirklich toll, so werden 14 jährige Jungs direkt mit den großen Fragen des Lebens konfrontiert.

Und wenn so ein 14 jähriges Milchgesicht nach dem Film abends im Bett liegt, an die Decke schaut und sich überlegt „Ich brauche Halt in meinem Leben und ich werde Gott verdammt noch mal die Schule beenden und Sex ist nicht dasselbe wie Geborgenheit.“ Ja dann, hat Curtis Hanson einen guten Job gemacht.

"In den Schuhen meiner Schwester" ist ein wirklich sehr schöner Film über eine zerrüttelte Familie, über eine tote Mutter, eine tot geglaubte Oma und über Missverständnisse, ein Film der wahrscheinlich nur einem "kleinen"; Publikum vorbehalten bleibt, weil der Film nach außen wie eine billige Schmierenkomödie wirkt. Das ist natürlich ein völliger Trugschluss, "In den Schuhen meiner Schwester" ist eine prima Mischung aus wunderbarem Schmunzelhumor und ehrlichen menschlichen Gefühlen, die jeder auf sich selbst reflektieren kann.

Beim Thema reflektieren, hatte ich persönlich bei dem Film so mein ganz eigenes Erlebnis. Ich bin typisch Maggielike erstmal zu spät gekommen, aber noch rechtzeitig zum Filmanfang. Es war schon dunkel im Saal, ich dachte, ich kracksel die Treppen hinunter und ich hörte sehr leise eine Stimme "Hier gibt es keine Treppen". Ich krackselte weiter und kam mir schon ziemlich dämlich vor und ich hörte wieder eine Stimme "Hier gibt es keine Treppen". Dann leuchtete ein beauftragter Leuchter auf meine Schuhe und ich sah, alles vergebene Krackselmüh!

Mir war vor dem Film noch nicht klar, was das hinterher für mich bedeuten wird.

Fazit

Ein superguter Film von Curtis Hanson und Produzenten Ridley Scott.

Zum Abschluss noch ein Gedicht, das auch im Film eine Rolle spielt:

Elizabeth Bishop
One Art


The art of losing isn't hard to master;
so many things seem filled with the intent
to be lost that their loss is no disaster.

Lose something every day. Accept the fluster
of lost door keys, the hour badly spent.
The art of losing isn't hard to master.

Then practice losing farther, losing faster:
places, and names, and where it was you meant
to travel. None of these will bring disaster.

I lost my mother's watch. And look! my last, or
next-to-last, of three loved houses went.
The art of losing isn't hard to master.

I lost two cities, lovely ones. And, vaster,
some realms I owned, two rivers, a continent.
I miss them, but it wasn't a disaster.

--Even losing you (the joking voice, a gesture
I love) I shan't have lied. It's evident
the art of losing's not too hard to master
though it may look like (Write it!) like disaster.


Die Rechte an den Bildern liegen bei Twentieth Century Fox

René von Bork - myFanbase
02.11.2005

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