Bewertung: 8
Roman Polanski

Ghostwriter, Der

"Sicher einer der größten Vorteile des Ghostwriter-Berufs ist die Möglichkeit, interessante Menschen kennenzulernen." - Andrew Crofts "Ghostwriter. Schreiben & Schreiben lassen."

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Inhalt

Es sieht alles nach dem Auftrag seines Lebens aus, als der Ghostwriter (Ewan McGregor), der zuvor mehr die Biographien von Popstars als Politstars schrieb, mit der Fertigstellung der Biographie des umstrittenen Ex-Premierministers Adam Lang (Pierce Brosnan) betraut wird. Doch für das übertriebene Gehalt wird er auch reichlich arbeiten müssen. Nicht nur, dass Lang zur Zeit in den USA ist und der Ghostwriter England demnach für die Zeit des Jobs verlassen muss - auch der Umstand, warum er überhaupt die Biographie weiterschreiben muss, birgt Geheimnisse. So war sein Vorgänger, Mike McAra, nur wenige Wochen vor der geplanten Fertigstellung der Biographie auf mysteriöse Weise vor Martha's Vineyard ertrunken.

Auch der neue Ghostwriter muss jetzt auf die im Sommer idyllische Atlanikinsel reisen, um dort das Buch zu beenden, das sein Vorgänger so unbefriedigend zurücklassen musste. Er stellt einen strengen Zeitplan auf, mit dem er es schafft, die Biographie in der geplanten Zeit abzuliefern, als Lang abermals in einen politischen Skandal gezogen wird. Sein ehemaliger Außenminister Rycart (Robert Pugh) erhebt schwere Vorwürfe gegen den Ex-Premier, in die der Ghostwriter nun gezogen wird. Gleichzeitig jedoch bemerkt er immer mehr Ungereimtheiten und ermittelt schließlich auf eigene Faust in der Vergangenheit Langs und stößt auf eine unglaubliche Wahrheit.

Kritik

Schon lange bevor er in der Realität ein passendes Vorbild fand, hatte der erfolgreiche Autor und Journalist Robert Harris vor, einen Roman über einen Politiker zu schreiben, der nach dem Ausscheiden aus dem Amt in seinem Leben stauchelt und den nur noch die Bodyguards an die einstige hohe Macht erinnern. Der britische Autor fand das Vorbild der Person schließlich in Tony Blair, der von 1997 bis 2007 der Premierminister von England war und der nicht allein wegen seiner oftmals pro-amerikanischen Entscheidungen in der Kritik stand. Logisch, dass schon bei der Veröffentlichung des Buches im Jahr 2007 die Gemeinsamkeiten von Lang und Blair im Gespräch waren. Auch, weil Harris in seiner Journalistenzeit ein enger Vertrauter Blairs und demnach ähnlich wie sein Ghostwriter im Buch ganz nah an der Macht war.

Nun hatte sich der in letzter Zeit mehr durch einen alten Skandal im Gespräch gebliebene Roman Polanski daran gemacht, diesen spannenden Politthriller zu verfilmen. Autor Robert Harris steuerte selbst das Drehbuch bei, welches von Polanski mit überarbeitet wurde, so dass beide in den Credits auftauchen. Einen Roman zu verfilmen ist dabei immer wieder schwierig, erst Recht wenn dieser aus der Perspektive der namenlosen Hauptperson beschrieben wurde. Aber Harris und Polanski sind Profis genug, so dass an dem fertigen Drehbuch auch die Fans der Buchvorlage nichts auszusetzen haben dürften. Die wichtigesten Ereignisse wurden übernommen, manchmal wenn nötig etwas abgeändert, aber am Gesamtstil des Buches wurde nichts verändert.

So ist der Film keinesfalls ein Actionthriller, der mit Schüssen und Explosionen ins Kino locken will, sondern ein spannender Thriller, der nach und nach die Spannung aufbaut, je mehr sein Hauptcharakter hinter die Fassaden der Macht schaut. Die Macht ist ein großes Thema, da es eben an jener dem Ex-Premier so krampfhaft fehlt und der Ghostwriter den Mysterien dieser gleichzeitig immer näher kommt. Dabei schafft es Polanski einmal mehr, sich vom heutigen 08/15-Kino abzuheben, wenn er mit den perfekten Elementen und Effekten nach und nach die Stimmung aufbaut, ohne dabei zu übertreiben.

Gleichzeitig bauen sich auch die Beziehungen der Charaktere auf, was Polanski mit viel Gefühl und Sinn für das Detail löst. Schon die Blicke der beiden Eheleute sprechen Bände, während die Szenen zwischen dem Ghostwriter und der Frau des Premiers eher mysteriös sind. Mit vielen kleinen Details wird eine gewisse Spannung zwischen gerade diesen beiden Charakteren erzeugt, wie sie schon im Buch fast greifbar war. Dabei ist es vor allem den Darstellern zu verdanken, dass solche Szenen tatsächlich funktionieren. Vor allem aber Ewan McGregor in der Hauptrolle des namenlosen Schriftstellers, der mit britscher Art ebenso wie mit viel Gefühl der Rolle ein Gesicht gegeben hat. McGregor hat man selten so gut gesehen, wobei auch die anderen Darsteller durch Polanski zu Höchstleistungen angetrieben werden; Pierce Brosnan ebenso wie Kim Cattrall und Olivia Williams. In den Nebenrollen ist es vor allem Tom Wilkinson, der einmal mehr eine hervorragende Leistung zeigt.

Auch optisch weiß "Der Ghostwriter" zu überzeugen. Wie von Polanski gewohnt, stimmt jedes Bild bis ins Detail und keinem der nicht schon einmal beide Orte bereist hat würde auf dem ersten Blick auffallen, dass diese wunderschöne Insel mit ihren Dünen und Stränden nicht die Atlantikinsel Martha's Vineyard, sondern die deutsche Nordseeinsel Sylt ist. Für den nötigen amerikanischen Anblick der Insel ließ Polanski mal eben ein paar hundert Meter Hochstromleitungen erbauen, ließ eine Fähre neu lackieren und verlieh einem ganzen Hafen mit amerikanischen Flaggen und Schildern den nötigen US-Touch. Damit Sylt dann auch noch wie eine Atlanikinsel im Winter aussieht, musste schlechtes Wetter her und so zeigt sich die wunderschöne nordfriesische Insel im grauen Kleid, welches aber für den Film und die dazugehörige Stimmung von großem Vorteil ist.

Fazit

Roman Polanski zeigt seinen Kollegen, wie man auf altem Niveau herausragende Kinounterhaltung produzieren kann. Mit leiser Stimmung wird "Der Ghostwriter" nicht eine Minute langweilig, die großartigen Darsteller und die perfekte Optik tun ihr Übriges dazu.

Eva Klose - myFanbase
20.02.2010

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