Bewertung: 8
Jason Reitman

Up in the Air

"Last year, I spent 322 days on the road, which means that I had to spend 43 miserable days at home."

Foto: Copyright: Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Inhalt

Ryan Bingham (George Clooney) fliegt rund um die Welt zu diversen Arbeitsplätzen, um dort Arbeitnehmer zu feuern, wenn die Arbeitgeber zu feige dafür sind. Bei Gelegenheit gibt er zudem noch Seminare über die Vorteile, sich nicht zu binden und nutzt dafür die Analogie eines Rucksacks, der normalerweise voll mit Problemen und Verpflichtungen gegenüber Mitmenschen ist. Ganz seinen eigenen Motivationsreden folgend, hat Ryan keinerlei Privatleben sowie praktisch keine Beziehung zu seiner Familie dafür ist er aber kurz davor, zehn Millionen Flugmeilen gesammelt zu haben.

Auf seinen Reisen trifft Ryan Bingham auf Alex Goran (Vera Farmiga), mit der er eine Gelegenheitsbeziehung führt. Zusätzlich bekommt er die junge und ambitionierte, gleichwohl aber naive Natalie Keener (Anna Kendrick) zur Seite gestellt, seine neue Geschäftspartnerin, die er mit auf seinen Trips nimmt, um ihr zu zeigen, dass ihr Vorschlag, aus Kostengründen Entlassungsgespräche online zu führen, in der Realität nicht funktioniert. Gleichzeitig steht Ryans Schwester Julie (Melanie Lynskey) kurz vor der Heirat. Seine bisherige Haltung zu ernsthaften Beziehungen wird von diesen drei Frauen stark ins Wanken gebracht.

Kritik

Der nächste Film mit aussichtsreichen Chancen auf mehrere Golden Globes, die nächste Adaption eines Buchs. Bereits ein Jahr nach Veröffentlichung des gleichnamigen Romans von Walter Kirn 2001, begann Jason Reitman, Regisseur von "Juno" und "Thank you for Smoking", zwei der zweifellos besten Komödien der vergangenen Jahre, mit der Ausarbeitung des Drehbuchs. Ursprünglich war angedacht, dass aus "Up in the Air" eine astreine Satire würde, doch Reitman wurde ein professioneller Regisseur, kaufte sich ein Haus, heiratete und wurde Vater. Diese persönlichen Erfahrungen haben maßgeblich das Drehbuch beeinflusst und sind vor allem dem Hauptcharakter Ryan Bingham deutlich anzumerken.

Anfangs ist Ryan ein Musterbeispiel eines Manns, der nie Verpflichtungen eingehen und deswegen weder heiraten noch Kinder bekommen möchte. Ihm genügen oberflächliche Gelegenheitsbeziehungen vollkommen, er ist sogar mehr als glücklich damit. Er liebt es, auf Reisen zu sein, und das nicht nur, weil es eine wunderbare Möglichkeit ist, allem zu entgehen, was nach Alltag aussieht. Deswegen ist er auch nicht sonderlich begeistert, als geplant ist, dass Entlassungsgespräche nur noch über einen sterilen Monitor geführt werden sollen und er damit die ganze Zeit im Hauptquartier in Omaha bleiben soll und nicht mehr die USA befliegen kann. Diese Phase des Films, in der der Zuschauer Ryan sowie dessen Rituale beim Check-In und Ansichten kennenlernt, sorgt sowohl für eine wichtige Grundlage in Sachen Humor (vor allem in Form von herrlich spritziger Dialoge) als auch dafür, dass man Ryan von Anfang an sympathisch findet, auch wenn er wahrscheinlich komplett andere Ansichten hat als man selbst. Teilweise wünscht man sich sogar regelrecht, ein Leben wie er zu führen. Das liegt daran, weil Ryan den Eindruck vermittelt, dass das alles so wunderbar aufregend, einfach und unkompliziert ist. Hier kann George Clooney als Prince Charming persönlich einmal wieder überzeugen. Kein Wunder, dass Reitman bei Erstellung des Skripts immer Clooney im Hinterkopf hatte, denn gleichzeitig vollbringt dieser das Kunststück, auch in den dramatischen und ernsthaften Momenten den Zuschauer auf seine Seite zu bringen, ohne je den Eindruck zu vermitteln, dass ihm das Mühe bereiten würde.

Als man Ryan und Natalie dann schließlich bei der Ausübung ihrer Jobs beobachtet, kommt zum einen deswegen eine deutlich ernstere Komponente ins Spiel, weil man sieht, wie ein Mensch nach dem anderen gefeuert wird und dessen Reaktion darauf. Hierbei hat Reitman übrigens einige Leute zu Wort kommen lassen, die keine professionellen Schauspieler sind und in der Realität tatsächlich vor kurzem entlassen wurden. Sie hatten die Aufgabe, die Kamera als denjenigen zu behandeln, der sie gefeuert hat, und ihm alles zu sagen, was sie sagen möchten. Durch das geschickte und immer sehr passende Einfügen solcher Sequenzen wird ein sehr realistischer, ungeschönter und gleichzeitig distanzloser Eindruck erzeugt, der sofort anspricht. Die weitere ernste Komponente des Films wird durch die Ansichten Natalies begonnen, die selbstverständlich nicht einer Meinung mit Ryan ist, ist sie doch extra wegen ihres Freunds nach Omaha umgezogen und hat den Job dort angenommen.

Aber nicht nur Natalie, in ihrer Naivität und Verletzlichkeit sehr treffend dargestellt von Anna Kendrick, zerstört Stück für Stück das Weltbild Ryans und dessen über Jahre aufgebaute Fassade. Es ist ganz besonders Alex Goran, seine Gelegenheitsromanze, die ihm zeigt, was Liebe wirklich bedeuten kann. Nicht nur, dass Vera Farmiga wunderbar das weibliche Pendant Ryans verkörpert ("Think of me as yourself, but with a vagina."), die Chemie zwischen ihr und ihm ist schlicht und ergreifend bezaubernd und führt gleichzeitig dazu, dass man sich durchgehend fragt, wohin es mit den beiden gehen soll. Glücklicherweise wird hierbei übrigens nicht der sehr vorhersehbare Weg gewählt, sondern ein erfrischend anderer. Keine Sekunde fragt sich der Zuschauer, was Ryan an Alex finden könnte, sie verzaubert durchgehend und wirkt dennoch nie oberflächlich, immer warmherzig und ehrlich mit anderen und mit sich selbst.

Und dann sind da natürlich noch Ryans jüngere Schwester Julie (Melanie Lynskey, vor allem bekannt durch ihre Rolle der Rose in "Two and a Half Men") und ihr Verlobter Jim, überraschend zurückhaltend von Danny McBride dargestellt. Die Storyline um die beiden ist eher klein, wird jedoch immer wieder in Erinnerung gerufen durch einen netten Gag, den man sich für die Hochzeit der beiden einfielen ließ, und ist zudem dennoch bedeutungsvoll für Ryan und damit auch für den gesamten Film. Dazu gesellen sich aberwitzige Kurzauftritte von Zach Galifianakis und J.K. Simmons sowie die aus dramatischer Sicht sehr wichtige Kara Bingham (verkörpert durch Amy Morton) und ein gewohnt routinierter Auftritt Jason Batemans. "Up in the Air" ist daher auch eher ein Film über drei extrem charismatische Personen (Ryan, Alex, Natalie), mit denen der Zuschauer lachen und weinen möchte, als ein plot-orientiertes Machwerk, denn letzten Endes geht es dann ja doch "nur" um einen Mann und dessen Reise(n) durchs Leben.

Fazit

Jason Reitman hat es einmal wieder vollbracht und nach "Juno" den nächsten Film geschaffen, der in dem einen Moment zum Brüllen komisch ist und in den emotionalen Szenen nicht nur den Schauspielern alles abverlangt. Angeführt von drei herausragenden Darstellern ist "Up in the Air" voll von spritzigen und intelligenten Dialogen und entwickelt eine ganz besondere Form von Charme.

Andreas K. - myFanbase
03.01.2010

Diskussion zu diesem Film