Bewertung: 6
Clint Eastwood

Invictus - Unbezwungen

"I think he wants us to win the World Cup."

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Inhalt

Nach insgesamt 27 Jahren Haft als politischer Gefangener erlangt Nelson Mandela (Morgan Freeman) 1990 wieder die Freiheit und muss erfahren, dass trotz Abschaffung der Apartheid das Land immer noch tief gespalten ist und das gesellschaftliche Klima davon geprägt ist, dass die weiße Bevölkerung der schwarzen misstraut und andersherum. Als Mandela 1994 schließlich zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt wird und große Probleme damit hat, die anhaltenden Spannungen innerhalb des Landes zu besänftigen, macht er sich die ein Jahr später stattfindende Weltmeisterschaft im Rugby zunutze. Sein Ziel: Eine möglichst erfolgreiche Weltmeisterschaft der in der Vergangenheit sieglosen südafrikanischen Rugby-Nationalmannschaft um ihren Kapitän Francois Pienaar (Matt Damon).

Kritik

Bei dem mittlerweile 79-jährigen Clint Eastwood ist man sich nicht sicher, ob man es nun gutheißen soll, dass er erst relativ spät begann, Filme nicht nur zu inszenieren, sondern auch zu produzieren, oder ob man sich stattdessen lieber darüber freuen soll, dass er sich recht lange auf die Schauspielerei konzentriert hat. Eines zumindest ist klar: Ein Clint Eastwood, der gleichzeitig Regisseur, ausführender Produzent und Schauspieler ist, ist ein Glücksfall sondergleichen, was er vor allem mit seinen gefeierten Werken "Erbarmungslos", "Million Dollar Baby" und jüngst "Gran Torino" bewiesen hat. Aber auch dass er, natürlich auch aufgrund seines fortgeschrittenen Alters, sich mittlerweile lieber auf die Doppelfunktion Regisseur und Produzent beschränkt und dabei zu überzeigen weiß, haben "Mystic River" oder auch "Letters from Iwo Jima" gezeigt. So oder so scheint der mindestens zweite Frühling des Clint Eastwood der Filmbranche extrem gut zu tun, und das nicht nur, weil ihr so die Gelegenheit gegeben wird, einen ihrer großen Helden auch jenseits der 75 praktisch jährlich bei den namhaften Awardshows zu feiern.

Mit seinem neuen Werk, einer Verfilmung des Romans "Playing the Enemy: Nelson Mandela and the Game That Changed a Nation" von John Carlin, nimmt sich Eastwood nun einem Thema an, das nur auf den ersten Blick zu einem klassischen Awardfilm taugt. Zwar sind Biopics von vor allem großer Persönlichkeiten jährlich immer wieder gern gesehen, jedoch ist "Invictus - Unbezwungen" weniger ein Biopic als ein Sportdrama der alten Schule. Die Rahmenhandlung behandelt weiterhin den Werdegang Nelson Mandelas bzw. vielmehr dessen Bemühen, Südafrika zu vereinen. Dies wird auch insbesondere in der ersten Hälfte des Films klar, in der es nur sehr nebensächlich um Sport geht. Doch sobald Mandela die Möglichkeit sieht, ein bevorstehendes sportliches Großereignis im eigenen Land zu instrumentalisieren, ändert sich der Fokus deutlich in Richtung Sportdrama.

Ein Knackpunkt des gesamten Films ist daher, inwiefern man sich darauf einlässt, dass die politische Ebene rasch beiseite geschoben wird. Viel wichtiger jedoch ist, ob das Sportdrama in der zweiten Hälfte zu überzeugen weiß. Und genau hier zeigt sich die große Schwäche des Films, denn dieses läuft praktisch genauso nach Schema F ab, wie die vielen anderen Vertreter des Genres: Das auf den ersten Blick chancenlose Team schafft es durch welche Maßnahmen auch immer schier unbändige Kräfte zu entwickeln und wird siegreich, was sich im Normalfall bis zum großen Triumph am Ende fortsetzt. Hierbei unterscheidet sich "Invictus - Unbezwungen" leider nur sehr selten von den vielen höchst mittelmäßigen Filmen mit derselben Thematik. Dadurch wirkt dieses Segment sehr vorhersehbar, auch wenn die Bedeutung des Sports für das gesellschaftliche und politische Klima im Land hier noch einmal spürbar größer ist als sonst und es, durchaus typisch für Eastwood, brillant in Szene gesetzt wird.

Denn nicht nur die Szenen auf dem Rugby-Spielfeld werden wunderbar in ihrer Dynamik eingefangen und halten trotz all der bedienten Klischees (inklusive Zeitlupe in Schlüsselmomenten) schnell den Zuschauer in Atem. Auch die vergleichsweise ruhigen Minuten werden nicht nur optisch stimmig festgehalten (Eastwood arbeitet einmal wieder mit Stammkameramann Tom Stern zusammen), sondern auch sehr ansprechend inszeniert. Jedoch fällt insbesondere dann auf, dass Eastwood sich diesmal im Soundtrack immer mal wieder vergreift. Nicht nur, dass so manche musikalische Untermalung extrem pathetisch daherkommt, des Öfteren ist sie sogar schlicht und ergreifend gänzlich unpassend. Hier fehlt ganz eindeutig das Gespür, das Eastwood bei seinen letzten Filmen so meisterhaft zur Schau gestellt hat.

Aus schauspielerischer Sicht jedoch ist "Invictus - Unbezwungen" nichts vorzuwerfen. Morgan Freeman spielt nicht nur Nelson Mandela, man vergisst mit der Zeit sogar, dass er es eigentlich gar nicht ist. Hier zeigt sich die gemeinsame Vergangenheit der beiden Freunde Mandela und Freeman, weswegen jede einzelne Geste und die Sprechweise in jeder Sekunde haargenau passen. Matt Damon kann verständlicherweise erst dann vollends überzeugen, wenn der Fokus auf dem sportlichen Aspekt gelegt wird, trägt dann aber maßgeblich dazu bei, die Sympathien des Zuschauers auf die Seite des südafrikanischen Teams zu ziehen. Der restliche Cast besteht aus vergleichsweise unbekannten Schauspielern (unter anderem Clint Eastwoods Sohn Scott), was für das Filmvergnügen aber keinerlei Hindernis darstellt, da sie sich alle nahtlos in den Film einfügen. Letzten Endes ist dies die Show von Freeman und Damon, und das merkt man auch deutlich.

Fazit

"Invictus - Unbezwungen" ist mehr Sportdrama als Biopic, also nicht unbedingt die Art von Film, die von jemandem wie Clint Eastwood erwartet worden wäre. Es ist allein der ansprechenden Inszenierung und zwei überzeugender Darsteller zu verdanken, dass aus dem Film nicht eines von vielen bestenfalls durchschnittlichen Sportdramen wurde. Daher enttäuscht "Invictus - Unbezwungen" zwar nicht auf ganzer Linie, doch Eastwood hat in der Vergangenheit oft bewiesen, dass er es deutlich besser kann. Man darf gespannt sein, wie das nächste filmische Schaffen Eastwoods, dann jenseits der 80, aussehen wird.

Andreas K. - myFanbase
31.12.2009

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