Bewertung: 8
Clint Eastwood

Gran Torino

I've been called a lot of things, but never funny.

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Inhalt

Walt Kowalski (Clint Eastwood) ist ein mürrischer Grantler und Sturkopf par excellence, der überhaupt nicht daran denkt, nach dem Tod seiner Frau sein Haus zu Gunsten seiner Kinder zu verkaufen und sich in ein Altersheim zurückzuziehen. Seine Nachbarn, die zur ethnischen Minderheit der Hmong gehören, kann er nicht ausstehen, genau wie all die anderen Einwanderer, die das Viertel mittlerweile komplett übernommen haben. Eines Nachts versucht der Nachbarsjunge Thao (Bee Vang), Walts Gran Torino zu klauen und wird dabei von dem alten Herrn erwischt. Weil Thaos Mutter die Schande, dass ihr Sohn ein Dieb ist, nicht auf sich sitzen lassen will, verlangt sie von Walt, dass Thao die Schuld bei ihm abarbeitet.

Widerwillig nimmt Walt, der eigentlich nur seine Ruhe haben möchte, das Angebot an und zwischen den beiden entwickelt sich mit der Zeit eine richtige Freundschaft. Doch diese neu entdeckte Harmonie wird bald überschattet von der allgegenwärtigen Gewalt des Viertels, von der niemand verschont bleibt.

Kritik

Zwei Menschen, die nichts miteinander zu tun haben wollen, gezwungenermaßen Zeit miteinander verbringen müssen und sich plötzlich gut miteinander verstehen das ist zugegebenermaßen keine sehr originelle Story. Interessant wird sie erst durch Clint Eastwood, der es nicht nur schafft, die Figur des Walt Kowalski herrlich komplex darzustellen, sondern außerdem nach "Million Dollar Baby" wieder einmal beweist, wie witzig und gleichzeitig berührend und schockierend er Filme inszenieren kann.

Als Zuschauer weiß man zunächst nicht, was man von Walt halten soll: ein alter verbitterter Mann, der sämtliche Ethnien mit einem anderen Schimpfwort zu würdigen weiß kann so jemand als Protagonist funktionieren? Er kann, wenn sich nach und nach herausstellt, dass seine ruppigen Umgangsformen nicht unbedingt Ausdruck seines Hasses auf andere Menschen sind, sondern durchaus auch für seine Zuneigung zu ihnen. Das ist spätestens dann klar, wenn Walt ganz entgegen seinen Äußerungen gar nicht anders kann, als seinen Nachbarn zu helfen, wann immer diese in Not sind. Wirklich Profil bekommt Walt (und auch der Film) allerdings dadurch, dass eben nicht nur die Freundschaft zu Thao und dessen Schwester Sue (Ahney Her) thematisiert wird, sondern weil durch Walts Interaktion mit seinen ähnlich knurrigen Freunden und seiner Familie und durch die Gespräche mit Father Janovich (Christopher Carley), die für mich die Highlights des Films waren, immer neue Facetten dieser Figur sichtbar werden. Trotz der vielen Einblicke bleibt der Figur trotz allem eine unberechenbare Seite, die die Spannung aufrecht erhält und das erschütternde Ende des Films überhaupt erst möglich macht.

Auch wenn Walt ganz klar das Zentrum des Films markiert, so bleibt doch für die anderen Figuren genügend Raum, sich zu entfalten. Thao kann in Sachen Vielschichtigkeit durchaus mit Walt mithalten, während Sue und Father Janovich nicht unbedingt eine sichtbare Entwicklung zeigen, aber mit einer originären Figurenzeichnung aufwarten können und für Walts Wandlung im Laufe des Films mindestens ebenso wichtig sind wie Thao, da sie nicht aufgeben, Walt aus der Reserve zu locken. Die anderen Figuren bleiben leider nicht alle ganz klischeefrei, aber das ist auch der einzige Vorwurf, den man Drehbuchautor Nick Schenk machen kann, da die Story ansonsten wirklich überzeugend ist.

Optisch wirkt "Gran Torino" nicht so ästhetisch wie zum Beispiel "Flags of Our Fathers" oder "Letters from Iwo Jima", obwohl für die Kamera wieder Tom Stern zuständig war. Das passt einerseits zu dem Film, der so angenehm unaufdringlich daherkommt, andererseits ist es vielleicht auch der Aspekt, der "Gran Torino" von einem Meisterwerk trennt. Ähnlich ist es auch mit dem Score, für den sich diesmal nicht Eastwood selbst, sondern sein Sohn verantwortlicht zeichnet: Er ist keineswegs störend, aber er fördert die Atmosphäre auch nicht in dem Maße, wie es bei Eastwoods bisherigen Filmen der Fall war.

Fazit

Eastwood bleibt seinem Ruf als außergewöhnlicher Filmemacher treu und legt mit "Gran Torino" einen sehenswerten Film über Toleranz, Gewalt und Rassismus vor, der es schafft, unterhaltend, packend und vor allem originär zu sein.

Lena Stadelmann - myFanbase
18.04.2009

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