Bewertung: 7
Ruben Fleischer

Zombieland

"It's amazing how fast the world can go from bad to total shit storm."

Foto: Copyright: Sony Pictures Home Entertainment
© Sony Pictures Home Entertainment

Inhalt

In den USA kam es in Folge einer bösartigen Mutation der BSE- bzw. CJK-Krankheit zu einer Transformation von Menschen zu Zombies. Die sich daraus entwickelnde Zombie-Apokalypse hat dafür gesorgt, dass mittlerweile nur noch sehr wenige Menschen inmitten von Horden von Zombies leben. Einer von ihnen ist der College-Student Columbus (Jesse Eisenberg), der bisher nur aufgrund eines strengen Regelwerks, das er selbst aufgestellt hat, dem Schicksal, dem so viele in seinem Umfeld erlegen sind, entfliehen konnte. Columbus ist auf dem Weg nach Columbus, Ohio, um zu sehen, ob seine Eltern noch leben. Als er durch einen Unfall sein Auto verliert, trifft er auf Tallahassee (Woody Harrelson), der alle Menschen nur mit ihrem Heimatort anspricht, um keine emotionale Bindung aufzubauen. Auch Tallahasse ist auf der Suche, jedoch nicht nach seinen Eltern, sondern nach dem letzten verbliebenden Twinkie. Die beiden reisen gemeinsam weiter und lernen die beiden Schwestern Wichita (Emma Stone) und Little Rock (Abigail Breslin) kennen. Von ihnen erfahren sie von einem Erlebnispark, der bisher von den Zombies verschont geblieben sein soll. Also machen sie sich auf den Weg zu "Pacific Playland", allerdings nicht ohne einen Abstecher nach Hollywood, um zu sehen, wie es den Stars dort ergangen ist...

Kritik

Seit Peter Jacksons Genreperle "Braindead" aus dem Jahre 1992 erfreuen sich Komödien mit und um Zombies großer Beliebtheit, auch wenn die wenigsten Werke seitdem qualitativ wirklich ansprechend waren. Wenige Ausnahmen sind hierbei die britische Horrorkomödie "Shaun Of The Dead" und die US-amerikanische Zombiesatire "Fido". Mit "Zombieland" steht nun in Deutschland ein Film in den Startlöchern, der diesen Umstand zweifellos ändern wird. Nicht nur, dass er von den Kritikern hochgelobt wird, die selbsterklärte "ZomCom" ist zudem als Zombiefilm mit dem besten Einspielergebnis aller Zeiten auch bereits jetzt ein wirtschaftlicher Erfolg.

Zu verdanken ist dies einer Vielzahl von richtigen Entscheidungen. Die erste war das tolle Script der beiden ehemaligen TV-Autoren Rhett Reese und Paul Wernick. Allein der Beginn des Films, als man Columbus und seine Regeln, um ein Zusammentreffen mit Zombies zu überleben, kennenlernt, ist brüllend komisch. Die erste Regel heißt beispielsweise schlicht und ergreifend "Cardio". Man möchte vor den Zombies, wenn es hart auf hart kommt, ja schließlich wegrennen können, denn natürlich waren die Übergewichtigen die ersten Opfer der Zombies. Aber auch die Horrorfilmklischees, dass Menschen sterben, weil sie nicht sichergestellt haben, dass der jeweilige Zombie nun aber wirklich erledigt ist ("Double Tap") bzw. sie nicht auf den Rücksitz ihres Autos geschaut haben ("Check the back seat"), oder einfach nur der Umstand, dass ein Großteil der Menschen auf (öffentlichen) Toiletten von Zombies angefallen wird ("Beware of Bathrooms"), werden entsprechend berücksichtigt. Columbus' Regelsatz wird in Momenten, in denen sich Klischees in Handlung und Darstellung sonst geradezu anbieten würden, immer wieder von ihm selbst zitiert, was einen erquickenden und einfach nur witzigen Eindruck vermittelt. Zudem hat ein Großteil der Dialoge bereits jetzt Kultfaktor, was vor allem in Interaktion mit dem Charakter Tallahassee der Fall ist.

Woody Harrelson als Tallahassee ist eine einzige Augenweide. Perfekter besetzt hätte die Rolle des lakonischen Haudrauf-Texaners gar nicht sein können. Da ist es auch gar nicht mehr verwunderlich, dass der bisher unerfahrene Regisseur Ruben Fleischer sofort Harrelson für den Part im Hinterkopf hatte und auch dementsprechend zahlreiche Forderungen Harrelsons erfüllte, um ihn für das Projekt gewinnen zu können. Neben verständlichen Forderungen im Bereich Casting und Crew wurde zusätzlich sogar den Wünschen des Umweltaktivisten und Veganers Harrelson nach einem umweltfreundlichen Set und dem einwöchigen Verzicht auf Molkereiprodukte entsprochen. Doch auch Jesse Eisenberg (vor kurzem noch an der Seite Kristen Stewarts in "Adventureland" zu sehen) als gutmütiger Nerd Columbus weiß zu punkten und erinnert in seiner gesamten Art sehr an Michael Cera in "Juno" oder "Superbad". Emma Stone und Abigail Breslin als Schwesternpaar haben zwar auch den einen oder anderen Lacher auf ihrer Seite, allerdings wird ihnen insbesondere von Harrelson spürbar die Show gestohlen.

Bezüglich Gagdichte sind insbesondere die ersten gut 20 Minuten von "Zombieland" kaum zu überbieten, wozu auch Tallahassees Abneigung gegen Zombies und sein Ideenreichtum, wenn es darum geht, sich dieser zu entledigen, zu einem Großteil beiträgt. Da wird gesplattert, was das Zeug hält. Mit dem Auftreten von Wichita und Little Rock geht sowohl dieser Aspekt als auch die großartige Dynamik zwischen Columbus und Tallahassee ein wenig verloren. Fleischer und sein Team entscheiden sich leider dafür, etwas Drama und Lovestory in den Film zu packen, was den Humor des Films zwar nicht an die Wand fährt, den Gesamteindruck aber dennoch ein wenig schmälert. Insbesondere bei der Liebesgeschichte, auch wenn diese einen nicht allzu großen Teil von "Zombieland" einnimmt, werden plötzlich Genreklischees aus der Mottenkiste geholt, auf die man im Zombie- und Horrorbereich unter anderem durch Columbus' Regelwerk bewusst verzichtet hat.

Trotz alledem ist auch dieser Teil des Films immer noch unverschämt gut, da er immer wieder tolle Comedymomente bietet, was unter anderem auch ein schon jetzt legendärer Cameoauftritt einer Hollywoodgröße beweist, deren Name an dieser Stelle nicht erwähnt wird, um die Überraschung nicht zu verderben. Insbesondere Tallahassee bekommt während des gesamten Films glücklicherweise immer wieder die Möglichkeit, zu glänzen, und wird nicht umsonst als die wohl witzigste Filmfigur des Jahres 2009 angesehen. Die Story, die sich im Verlauf der knapp 90 Minuten entwickelt, ist mit Sicherheit relativ simpel gehalten, in dem Fall aber nicht zu bemängeln, da man eigentlich damit nur beweist, dass man sich durchaus bewusst ist, dass der Film durch andere Elemente zu überzeugen weiß.

Fazit

88 Minuten lang unterhält "Zombieland" in perfekter kurzweiliger Manier mit einer extrem hohen Gagdichte, einem großartig aufgelegten Woody Harrelson und einem schon jetzt legendären Cameoauftritt. Wer genug von den mit Stereotypen angereicherten Zombie- und Horrorfilmen hat, die sich selbst viel zu wichtig nehmen, oder einfach nur mal herzlich lachen möchte, ist bei "Zombieland" an der richtigen Adresse. Passenderweise endet der Film in einem Vergnügungspark, denn genau das bietet "Zombieland": Vergnügen, das mit Sicherheit das Geld, das man dafür investiert hat, wert ist.

Andreas K. - myFanbase
28.11.2009

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