Bewertung: 8
Nora Ephron

Julie & Julia

"You are the butter to my bread and the breath to my life."

Foto: Copyright: Sony Pictures Home Entertainment
© Sony Pictures Home Entertainment

Inhalt

Paris, 1949: Julia Child (Meryl Streep) wohnt erst seit kurzer Zeit mit ihrem Mann Paul (Stanley Tucci) in der französischen Hauptstadt, fühlt sich dort jedoch schon sehr wohl. Als Frau eines Botschaftsmitarbeiters hat sie allerdings sehr viel Freizeit, die es nun auszufüllen gilt. Sie beschließt, einen Kochkurs zu belegen, der ihr die französische Küche näher bringen soll. Schon nach kurzer Zeit zeigt sich, dass der Kurs ein voller Erfolg ist und Julia kommt auf die Idee, mit ihren Freundinnen ein Kochbuch für amerikanische Hausfrauen zu schreiben, das ihnen die französische Küche näher bringen soll. Das Unterfangen scheint jedoch schwieriger, als zunächst gedacht...

New York, 2002: Julie Powell (Amy Adams), eigentlich Reporterin, ist in einem Großraumbüro gefangen und muss sich die Nöte und Sorgen der amerikanischen Bevölkerung anhören. Julie ist mit ihrem Leben mehr als unzufrieden: Während ihre Freundinnen am Anfang ihrer Karriere stehen, kann sie beruflich keine großen Erfolge vorweisen. Sie scheint nur in der Wahl ihres Mannes Eric (Chris Messina) Glück gehabt zu haben. Um endlich mal wieder eine Sache zu Ende zu bringen und von sich behaupten zu können, auch etwas auf die Beine gestellt zu haben, beschließt sie, alle 536 Rezepte aus dem Buch der Fernseh-Köchin Julia Child in einem Jahr nachzukochen. Davon will sie jeden Tag in ihrem extra angelegten Blog berichten. Stellt sich bloß die Frage, liest sich überhaupt jemand so etwas durch?

Kritik

Beide Geschichten, die hier verfilmt wurden, beruhen auf wahren Begebenheiten. So gab es wirklich eine Frau namens Julia Child, die mit ihrem Mann in Paris gelebt und dort die Kunst der französischen Küche erlernt hat, und es gab auch wirklich eine Julie Powell, die innerhalb von einem Jahr alle Rezepte Julias nachgekocht hat. Das erstmal vorweg, denn hierzulande sind als Genies hinter dem Herd eher Persönlichkeiten wie Alfred Biolek oder Johann Lafer bekannt.

Warum sollte man sich einen Kochfilm anschauen, wenn man a) nicht kocht, b) keine Frau ist und c) gerade ein neuer Actionfilm im Kino läuft? Ganz einfach. Weil der Film wunderbar unterhält und man ihm seine 123 Minuten absolut nicht anmerkt.

Meryl Streep als Julia Child ist einfach eine Wucht. Sie spielt die 2004 verstorbene Köchin mit einer Leidenschaft, sodass man gerne selbst einmal einen Kochkurs bei der Meisterin belegen möchte. Diese aufgeweckte Art und besonders den außergewöhnlichen Singsang in ihrer Stimme richtig rüber zu bringen, damit er nicht total lächerlich und aufgesetzt klingt, ist sicher keine leichte Aufgabe, aber hier wunderbar umgesetzt worden. Da kann Amy Adams leider nur nachstehen. Ihre Rolle gibt in dieser Hinsicht einfach nicht so viel her, weil sie nicht so extravagant ist; trotzdem geht sie in diesem Film nicht unter.

Beim genaueren Hinschauen zeigt sich, dass sehr viele Parallelen in den Leben der beiden Frauen zu finden sind. Natürlich verbindet sie vor allem die Leidenschaft zum Kochen, aber das Salz in der Suppe zeichnet sich durch einen anderen Faktor aus: Beide haben liebende Ehemänner gefunden, die sie in jeder Situation unterstützen. Ohne diese beiden Personen hätte Julie und Julia der nötige Rückhalt gefehlt, um ihr Vorhaben auch wirklich durchzuziehen. Obwohl weder Stanley Tucci noch Chris Messina viel Screentime haben, können sie darin doch glänzen, bleiben aber leider nur eine schöne Beilage.

Trotz seiner ernsten Seiten, die vor allem bei Julie durchkommen, hat der Film auch mit sehr vielen lustigen Momenten aufzuwarten. So ist Julia Child mit einer Grösse von 1,88 Meter außergewöhnlich stark in die Höhe geschossen und lässt so gut wie jeden neben ihr wie einen der Liliputaner aus Gullivers Reisen aussehen. Dieses Gen ist nicht nur bei ihr, sondern auch bei ihrer Schwester Dorothy voll entfaltet und lässt Paul leicht hinter ihnen verschwinden. Trotzdem bleibt die Sympathie in der Familie und lässt auch Dorothy in einem guten Licht dastehen. Wie ihre Schwester beweist sie Humor, vor allem in der Partnerwahl.

Julies eigene Motivation und ihr Selbstbewusstsein hängen gerade zu Anfang noch stark von dem Erfolg ihres Blogs ab. Sie stellt sich öfter die Frage, ob sich jemand diesen überhaupt durchliest. Umso schöner ist es, wie sie mit der Zeit immer mehr Resonanz auf ihre Beiträge erhält. Hat sie anfangs überhaupt keine Kommentare erhalten und ist sogar von ihrer Mutter zum Narren gehalten worden, so schicken ihre Leser ihr mit der Zeit sogar Lebensmittel, damit sich Julie nicht alle, teils sehr teuren, Zutaten selbst kaufen muss. Auch heute noch kann man in ihrem Blog nachlesen, wie sie das Jahr überstanden hat. Dabei wurden für den Film Originaltexte übernommen.

Fazit

Ein schöner Film über zwei Frauen und ihre Leidenschaft fürs Kochen.

Carolin F. - myFanbase
07.09.2009

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