Bewertung: 9
Gus Van Sant

Milk

"A homosexual with power... that's scary."

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Inhalt

Anfang der 70er Jahre macht sich Harvey Milk (Sean Penn) mit seinem Freund Scott (James Franco) auf von New York nach San Fransisco, wo beide ein neues Leben beginnen wollen. Im Castro-Viertel kaufen sie ein kleines Ladenlokal, wo bald ihr eigener Kameraladen entsteht. Die beiden und viele andere Schwule und Lesben dieser Zeit werden jedoch von der Intoleranz und dem Hass anderer Leute auf sie gezeichnet. Schnell entwickelt sich im Laden ein Szenelokal und das Viertel boomt sich zum Szeneviertel für alle Schwulen und Lesben des Landes.

Doch je länger Harvey über die Situation nachdenkt, desto klarer ist für ihn, dass sich auch in der Politik etwas ändern muss. Ein Stadtratmitglied muss her, der sich für ihre Belange einsetzt. Harvey beschließt, selbst zu kandidieren und schafft es nach mehreren Versuchen tatsächlich, als erster offener Schwule der USA in ein politisches Amt gewählt zu werden. Doch mit diesem kleinen Erfolg kommen immer mehr Hürden, gegen die er und sein Gefolge kämpfen müssen. Doch gerade einmal kurz im Amt ist es schließlich Dan White (Josh Brolin), der Harveys Leben ein radikales Ende setzt.

Kritik

"If a bullet should enter my brain, let this bullet destroy every closed door." Dieser Satz befindet sich auf einer Tonbandaufnahme, die Harvey Milk einst aufgenommen hat, um sein Vermächtnis zu sichern. Doch obwohl der erste Teil des Satzes am 2. November 1978 traurige Wahrheit wurde, muss der Rest wohl noch lange auf die wirklich Umsetzung warten. Denn obwohl mittlerweile ein offener schwuler Mann die deutsche Bundeshauptstadt regiert, stoßen Schwule und Lesben dieser Welt immer wieder auf Hass und Abneigung. Die gleichgeschlechtliche Ehe in Kalifornien ist gerade erst wieder durch "Proposition 8" für unzulässig erklärt worden.

Wie groß der Einfluss Harvey Milks noch heute auf die Schwulen und Lesben der USA ist, beweist schon das Zustandekommen dieses Filmes. Denn als der junge Drehbuchautor Dustin Lance Black in der Pubertät merkte, dass er schwul war, wollte er sich umbringen. In einem streng mormonischen Haushalt erzogen, machte ihm die Geschichte von Milk Mut und er ging nach Los Angeles. Er wurde Drehbuchautor und entwickelte ab 2006 Drehbücher für die HBO-Serie "Big Love". In Gedenken an seinen Helden Harvey Milk schrieb er auch dieses Drehbuch. Es gibt wohl Millionen solcher Geschichten, denn gerade in den ländlichen Gebieten der USA ist das Thema Homosexualität immer noch ein Tabuthema. Die Geschichte von Harvey Milk ist demnach stets aktuell.

Nachdem es 1985 bereits ein Dokumentarfilm über das Leben Milks gab, der einen Oscar gewann, und eine Oper seit Jahrzehnten erfolgreich gespielt wird, war ein Spielfilm über das Leben Milks im Zeichen der ganzen Biopics ja eigentlich nur eine Frage der Zeit. Diejenigen, die vor dem Film noch nichts über das Leben Milks wussten, wissen zumindest nach ein paar Minuten, wie es zu Ende ging. Denn mit dem Ende von Milks Leben beginnt der Film. Man sieht schließlich Milk, wie er an einem Schreibtisch sitzt und ein Tonband aufnimmt. Anhand dieses Tonbandes - das Milk einst aufnahm - werden die letzten acht Jahre im Leben des Mannes erzählt.

Basierend auf Blacks einfühlsames und herausragendes Drehbuch musste noch ein Darsteller gefunden werden, der diesen Mann verkörpern würde. Sean Penn stellt sich als hervorragende Wahl heraus. Nicht nur hat er das breite Grinsen, mit dem einst Harvey Milk über die Straßen ging, nein, er spielt ihn auch noch mit einer unglaublichen Präsenz. Besser wäre dies wohl niemandem gelungen. Auch der Rest des Casts überzeugt. James Franco als Scott, ebenso wie Emile Hirsch als Wahlkampfhelfer Cleve und Josh Brolin als Dan White. Gerade Brolin beweist wieder einmal, wie wandlungsfähig er ist.

Nicht nur der Aufbau, sondern auch die Umsetzung des Films ist großartig. Kamera, Ton, Musik und Kulissen sind bezeichnend für den Film, seine Geschichte und die Zeit. Man spürt die Ausgelassenheit in Zeiten der Freude, die Niedergeschlagenheit und die Trauer, wenn es einmal mehr nicht gut gegangen ist. Alles passt einfach perfekt zusammen.

Fazit

"All men are created equal!" - So steht es in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Um diesen Satz einmal wahr werden zu lassen, kämpfte Harvey Milk vor 30 Jahren. Noch heute wird dieser Kampf fortgesetzt. "Milk" zeichnet das Lebenswerk eines großen Politikers nach, der für seine Freiheit und seine Welt einstand und dafür kämpfte.

Eva Klose - myFanbase
19.02.2009

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