Bewertung: 7
Julian Jarrold

Geliebte Jane

To have a wife who has a mind is considered not quite proper. To have a wife with a literary reputation nothing short of scandalous.

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Inhalt

England zum Ende des 18. Jahrhunderts: Die Pfarrerstochter Jane Austen (Anne Hathaway) träumt davon Schriftstellerin zu werden. Ihr bisheriges Publikum ist ihre Familie und ihr nahes Umfeld. Dagegen ist die Mutter Mrs. Austen (Julie Walters) besorgt, dass ihre Tochter nicht zu sehr irgendwelche Flausen im Kopf hat, sondern sich darauf konzentriert, einen Ehemann zu bekommen. Zumal gerade der Neffe und Erbe (Laurence Fox) von Lady Gresham (Maggie Smith) augenscheinliches Interesse an Jane zeigt.

Dann taucht aber der geheimnisvolle Tom Lefroy (James McAvoy) auf und schafft es, Jane ganz schön den Kopf zu verdrehen. Jane steht vor der Wahl sich für die Vernunft, für die Liebe oder für ihr schriftstellerisches Talent zu entscheiden.

Kritik

Dieser Film, der nicht den Anspruch erhebt, sich exakt an die historischen Gegebenheiten zu halten, erzählt die erste Liebe der später und bis heute so bekannten Schriftstellerin Jane Austen. Der Grundgedanke, dass auch Jane Austen mal eine große Liebe hatte und vielleicht ja auch mal wider besseren Wissens gehandelt hat, ist toll und nur zu sehr menschlich. Durch diesen Film wird ihre Liebe zu Tom Lefroy gezeigt, den es tatsächlich gegeben hat. Wie gut sich beide wirklich kannten und was die Gründe für das Scheitern dieser Liaison waren, liegt im Dunklen und wird wohl nie geklärt werden. Diese Episode, die einige Wochen oder Monate dauerte, wird hier betrachtet. Wahr ist auch auch, dass Austen tatsächlich mal einen Antrag erhielt, von einem reichen Freund. Dieser war allerdings sechs Jahre jünger als sie und Jane Austen löste nach einem Tag dieses Verlöbnis. Eine weitere große Liebe soll es gegeben haben, aber dieser Mann starb viel zu früh. Trotzdem war ich positiv bei weiteren Recherchen über Jane Austen überrascht, wie sehr sich der Film an reale, historische Ereignisse hält, als Beispiel sei hier das Schicksal von Janes älterer Schwester Cassandra (Anna Maxwell Martin) genannt.

Daneben wird aber auch deutlich, dass sich der Film sehr dicht an das populärste Werk von Austen hält: "Stolz und Vorurteil" - vor allem durch die Tatsache, dass hier gezeigt wird, wie sie an dem Werk sitzt und schreibt. Neben diesem Buch fallen ihre weiteren Bücher weg, was für eingefleischte Austen-Fans sicher ein Manko ist, zumal sie "Stolz und Vorurteil" in frühen Jahren schrieb, aber mehrmals umänderte und erst sehr spät, als andere Bücher bereits Erfolge verzeichneten, publizierte. Das hätte im Film besser deutlich werden können. Zu deutlich ist auch die Parallele der Landadeligen zu der Figur Lady Catherine de Bourgh in "Stolz und Vorurteil". Symphatischer dagegen ist, dass die Eltern Austens nicht zu sehr an die Bennett-Eltern erinnern, so dass hier noch die Trennung deutlich erkennbar ist.

Viele tragische Ereignisse, das damals sehr schwierige Leben und die Situation von Jane Austen werden nur angerissen und angedeutet, es wird aber nie die Bedeutung im Ganzen gezeigt. Jane Austen war für ihre Zeit eine große Schriftstellerin, entschied sich konsequent für ihren Weg (was in diesem Film auch gut aufgezeigt wird) scheiterte aber letztlich auch daran, dass sie eine Frau war und gleichzeitig talentiert. Reflektiert wird dies im Film durch die Schriftstellerin, die Jane in London besucht und von der das obige Zitat im Film stammt. Der Film endet da, wo Jane begann, sich zu entfalten und gibt einen kurzen späteren Einblick, als Jane Austen sich als Schriftstellerin etabliert hat. Die wirklich entbehrungsreiche Zeit wird nicht gezeigt. So bleibt der romantische Gedanke - dem Film sei dank -, dass wir dieses Liebschaft die tollen Bücher von Jane Austen zu verdanken haben.

Bei der Besetzung einer so bekannten Schriftstellerin lässt sich sicher streiten, ob eine Amerikanerin für eine so urbritische Autorin eine gute Wahl war. Anne Hathaway hat ihre Rolle aber mit Bravour gespielt. Neben ihr sind es bekannte britische Schauspielerinnen wie Maggie Smith und Julie Walters, die brillieren. Dass Maggie Smith Mitglied in der Jane Austen Society ist, macht ihr Schauspiel umso besser.

Fazit

Wer also mit diesem Film eine komplette Biographie von Jane Austen erwartet, wird enttäuscht sein. Aber diejenigen, die sich für Jane Austen eine Liebesgeschichte gewünscht haben, die sie vielleicht ja auch inspiriert haben mag für ihre Bücher, denen sei dieser Film empfohlen.

Miriam Ahrenholz - myFanbase
17.01.2009

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