Bewertung: 3
John Moore

Max Payne

Leave that man alone.

Foto: Copyright: Twentieth Century Fox Home Entertainment
© Twentieth Century Fox Home Entertainment

Inhalt

Polizist Max Payne (Mark Wahlberg) hat nach der Ermordung seiner Frau und seines Kindes nur noch einen Lebensinhalt: die Suche nach dem Täter. Getrieben vom Wunsch nach Rache ermittelt er auf eigene Faust im Halbwelt- und Drogenmilieu. In der Wahl seiner Mittel steht er dabei Clint Eastwoods "Dirty Harry" in nichts nach.

Bei einem seiner nächtlichen Streifzüge lernt er auf der Party seines Spitzels die Russin Natascha (Bondgirl Olga Kurylenko) kennen. Als sie am nächsten Tag bestialisch ermordet aufgefunden wird und die ermittelnden Polizisten in der Nähe ihrer Leiche Max' Brieftasche entdecken, wird dieser selbst zum Verdächtigen. Nur sein ehemaliger Partner Alex (Donal Logue) ist von seiner Unschuld überzeugt. Aber auch dieser wird ermordet, Max bewusstlos am Tatort aufgefunden. Für seine Kollegen steht damit seine Schuld endgültig außer Frage.

Max taucht unter und nimmt die Fährte eines gewalttätigen Geheimbundes auf, die über eine neue Designerdroge bis zu dem Pharmakonzern zu führen scheint, für den seine Frau vor ihrem Tod arbeitete.

Kritik

Für Zeiten chronischer kreativer Krise hat die Produktionsmaschine Hollywoods einen allzeit einsetzbaren Notfallplan in der Hinterhand. Bietet sich ausnahmsweise kein Horrorfilm asiatischer Herkunft zur Wiederaufbereitung an, findet sich sicherlich ein populäres Computerspiel, dessen treue Fangemeinde volle Kinosäle verspricht. "Resident Evil", "Silent Hill", "Alone in the Dark" oder "Far Cry", die Liste lässt sich beliebig verlängern. Sie verbindet, dass sie im äußersten Fall atmosphärisch und optisch überzeugen konnten. Meistens fielen sie aber gerade bei der umworbenen Fangemeinde gnadenlos durch. Bot der erste Teil der "Resident Evil"-Serie etwa noch akzeptables Unterhaltungskino, stürzte man sich schon im zweiten Anlauf in den Abgrund der C-Klassigkeit.

Wurde in den Anfängen der Computerspiele alles auf die Leinwand gehievt, was populär genug erschien, suchen Produzenten jetzt ihre Vorlagen vor allem in der Sparte der Ego-Shooter und so genannten Survival-Horror-Spiele, da diese ständigen Adrenalinfluss, spektakulär düstere Schauplätze und eine verhältnismäßig komplexe Geschichte zu bieten haben. So war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch der Rache-Actioner Max Payne den Weg vom Bildschirm auf die Leinwand finden würde.

Regisseur John Moore ("Das Omen") macht von Anfang an klar, dass er mit Billigware à la Uwe Boll nichts zu tun haben will. In düsteren, grün- und blaustichigen Bildern wird die Kälte des Großstadtdschungels in Szene gesetzt. Spektakuläres Schneetreiben wechselt mit sinnflutartigen Regengüssen. Zeitungsfetzen wehen über kahle U-Bahnsteige, auf denen Junkies Zuflucht suchen vor der bitteren Kälte der Winternacht. Wartend auf verspätete Passanten, mit deren Brieftasche sie die nächste Dosis finanzieren können. Eine düstere und kaputte Welt am Vorabend der Apokalypse. Im Auge des Orkans der einsame Anti-Held. Getrieben von seinen inneren Dämonen.

Die Russenmafia, ein gewalttätiger Geheimbund, gefährliche Experimente des Militärs und dämonisch-bedrohliche Flügelwesen, bei denen offen ist, ob sie übernatürliche Realität oder einem Drogendelirium entsprungen sind: Moore liefert ein Großaufgebot der Motive. Nichts davon ist originell, aber ihre Ballung macht gespannt, wie der Film die einzelnen Handlungsstränge zu einem Gesamtbild auflösen wird. Und genau diese Erwartung ist der Grund für die größte Enttäuschung. Denn kaum einer der Fäden wird entwickelt, geschweige denn zu Ende geführt. Was sich als endzeitlicher Kampf Gut gegen Böse (mit unklarer Rollenverteilung) ankündigt, verpufft zum faden Plot um Geld und Drogen.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich der Film nicht nur an der Ästhetik seiner Vorlage orientiert, sondern auch dessen Dramaturgie übernimmt: Gehe nach Ort A, triff Person B, finde Gegenstand C, erschieß die Schurken, die dich daran hindern wollen. Während diese virtuelle Schnitzeljagd im Computerspiel durch die Beteiligung des Spielers meist problemlos funktioniert, erzeugt sie im Film eine spannungsarme Mischung aus Atemlosigkeit und Langeweile.

Verantwortlich dafür ist auch das schlechte Timing. Nach dem atmosphärisch langsamen ersten Drittel scheint dem Regisseur plötzlich einzufallen, dass er hier einen Action-Film dreht. Wie um Versäumtes nachzuholen beschleunigt Moore von Null auf Hundert. Im zweiten Gang. Gesichtslose Gegner werden zu Dutzenden niedergemäht, Büroetagen und verlassene Fabriken im Sekundentakt demoliert. Aber im vom Maschinengewehrfeuer zerschredderten Mobiliar implodiert auch die Spannung. Spätestens beim zweiten, ewig überdehnten Shoot-Out, wünscht man sich eine Fernbedienung. Die Formel "Bodycount plus Sachschaden = Spannung" geht wie immer nicht auf.

Dass man von "Max Payne" so wenig mitgenommen wird, liegt auch am begrenzten schauspielerischen Spektrum des Hauptdarstellers Mark Wahlberg. Natürlich muss man nicht gerade Robert De Niro sein, um einen überzeugenden Action-Helden abzugeben. Aber Ex-Rapper Wahlberg funktioniert immer dann besonders gut, wenn er ein bisschen dämlich-dumpfe Charaktere spielen darf, deren Planlosigkeit und Unselbständigkeit eher Mitleid als Bewunderung des Zuschauers hervorrufen. Dies gilt für seinen schauspielerischen Durchbruch als Pornostar Dirk Diggler in "Boogie Nights", wie für seine Rolle als Sergeant Barlow in der Irakkriegssatire "Three Kings". Und genau das disqualifiziert ihn für die Heldenrolle. So macht er hier, was er kann. Er guckt grimmig, entschlossen und wütend. In den Begegnungen mit seiner Frau, in Rückblenden oder Visionen, ruckelt er ausnahmsweise mal gefühlig mit den Augenlidern. Das war's. Die Zerrissenheit seines Charakters zwischen Trauer und Schuldgefühl wird gerade mal angetickt. Tragisches Format erreicht er nie.

Fazit

Was viel versprechend atmosphärisch beginnt, verpufft zu einer langatmigen und spannungsarmen Materialschlacht. Der groß angelegte Crossover aus Film-Noir und apokalyptischem Kampf Gut gegen Böse versandet in einem faden wie unbefriedigenden Finale. "Max Payne" reiht sich ein in die Serie scheiternder Computerspielverfilmungen, die noch nicht einmal die Fans auf ihre Kosten kommen lassen.

Tobias Lenartz - myFanbase
20.11.2008

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