Bewertung: 8
Dennis Lee

Zurück im Sommer

Wenn man nicht pfleglich mit etwas umgeht, hat man nicht verdient, es zu besitzen.

Foto: Copyright: 2009 Universum Film GmbH
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Inhalt

Michael (Ryan Reynolds/Cayden Boyd) hat ein sehr kompliziertes Verhältnis zu seinem Vater Charles (Willem Dafoe). Dieser hat seine Prinzipien und einen unheimlich strengen, autoritären Erziehungsstil, den auch seine Frau Lisa (Julia Roberts) nicht guthieß, doch wenig an den Ungerechtigkeiten ändern konnte. Die schlimmste und heftigste Phase, deren Auswirkungen auch gute 20 Jahre später noch spürbar sind, war in dem Sommer, als Michaels Tante Jane (Emily Watson/Hayden Panettiere) zu Besuch war, um eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Mit ihr konnte sich Michael immerhin anfreunden und Einiges ertragen.

Für eine Familienfeier, bei der auch der Universitätsabschluss seiner Mutter gefeiert werden soll, die sich spät zum Studieren entschieden hat, kehrt Michael nun in seine alte Heimat zurück, doch der Anlass soll sich schnell ändern. Charles will auf dem Weg zur Feier nicht zu spät kommen und fährt viel zu schnell. Als der Sohn von Jane plötzlich auf die Straße rennt, um einen Baseball zu holen, muss Charles heftig ausweichen und fährt gegen eine Laterne. Während er mit ein paar Verletzungen ins Krankenhaus kommt, ist für Lisa jede Hilfe zu spät. Der Trauerfall ist ein Grund mehr für Michael, die alten Erinnerungen hochkommen zu lassen.

Kritik

Es ist gar nicht so einfach, die Story dieses Films mal eben in ein paar Zeilen darzustellen, wenn man es etwas genauer nehmen will. Im Prinzip dreht sich alles um das überaus schwierige Verhältnis zwischen Michael und Charles, der seine weiten Schatten wirft. Was ein Mensch nicht alles anrichten kann. Charles hat mit seinem Verhalten nicht nur seinem Sohn schwer zu schaffen gemacht. Auch Lisa musste leiden und letztlich seinetwegen sogar sterben, was wiederum weitere Probleme zur Folge hatte. Michael ist mittendrin.

Doch das sind noch lange nicht alle Schauplätze. Die Beziehung zwischen Jane und Michael spielt ebenso eine Rolle wie die zwischen Michael und seiner Frau Kelly (Carrie-Anne Moss), die auch keine einfache ist. Auch wird ein Blick auf das Miteinander von Lisa und Charles geworfen und selbst die Kinder von Jane spielen nicht einfach nur eine Randerscheinung. Das mag jetzt unglaublich überfrachtet klingen und man kann sich kaum vorstellen, dass bei diesen vielen Themen eine sinnvolle Verknüpfung möglich ist, doch es ist den Autoren wirklich gelungen, zumal sich alles im Zusammenhang der Vater-Sohn-Beziehung wunderbar zusammenfügt. So entsteht ein echtes Familiendrama, dass zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt ist und mit einer sehr guten Charakterzeichnung und viel Gefühl seine Geschichten zu erzählen weiß. Es ist nicht pompös, nicht übertrieben und nicht künstlich.

Die autobiographische Basis des Drehbuchs hat man wunderbar umsetzen können. Man kann sich vorstellen, dass diese Geschichten sich wirklich so ereigneten, dass es all diese Menschen wirklich gab, weil mit hoher Schauspielkunst und emotionalen Bildern ohne großen Technikaufwand der Schwerpunkt nie von den Geschichten genommen wird. An der ein oder anderen Ecke zu Beginn des Films mag es vielleicht mal etwas schnell gehen, sodass man auch mal kurz den Überblick über das Geflecht der vielen Geschichten und Charaktere verlieren kann, aber letztlich wird jeder Teil ausreichend betrachtet und es fügt sich auch für den Zuschauer alles.

Beholfen hat man sich dann selbstverständlich mit Rückblicken auf den speziellen Sommer, an dem sich die prägendsten Erlebnisse für Michael ereigneten. Dies kann man auch gar nicht erzählen. Man muss es mit ansehen, um zu verstehen, was diese Familie und vor allem Michael so sehr belastet. Das gibt emotionale Einblicke in die Figuren, die die Gegenwart nur noch dramatischer erscheinen lassen. Durch die durchweg großartigen Schauspieler leidet man als Zuschauer mit und kommt nicht umher, als an seinen eigenen Vater zu denken. Der Film erreicht und packt mit seiner emotionalen Geschichte den Zuschauer und mehr kann man auch nicht verlangen.

Fazit

Eine Hollywoodbesetzung für einen Film, der nicht einfach nur unterhalten will, sondern eine bewegende Geschichte zu erzählen hat und sich der Mittel bemächtigt, die dazu nötig sind.

Emil Groth - myFanbase
05.08.2008

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